Die Rück­kehr der Strassenbahn

Foto: flickr/​TTT­NISModern und attrak­tiv: Die Stras­sen­bahn in Toyama.

Vor dem Zwei­ten Welt­krieg gehör­te die Stras­sen­bahn in den japa­ni­schen Städ­ten zum All­tags­bild. Das Wirt­schafts­wun­der und der Auto-Boom der Nach­kriegs­zeit lies­sen die­ses öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel jedoch alt aus­se­hen. Viel lie­ber setz­te man für den inner­städ­ti­schen Ver­kehr auf die U-Bahn oder ganz ein­fach auf den bil­li­ge­ren Bus. Ein­zig in einer Hand­voll Städ­te wie Hiro­shi­ma oder Naga­sa­ki sieht man noch Stras­sen­bah­nen im Ein­satz. Eini­ge ihrer Wagen sind sogar seit Jahr­zehn­ten unver­än­dert im Ein­satz. Für den Pas­sa­gier fühlt es sich wie eine klei­ne Zeit­rei­se an.

In den meis­ten Städ­ten jedoch haben die Stras­sen voll­stän­dig dem Auto Platz gemacht. Dabei wür­de eine Stras­sen­bahn so eini­ge Vor­zü­ge bie­ten. Ihr elek­tri­scher Betrieb ist umwelt­freund­lich, der Pas­sa­gier hat freie Sicht auf die Stadt wäh­rend der Fahrt, allei­ne ihre Erschei­nung trägt zu einem attrak­ti­ve­ren Stadt­bild bei und für die älte­ren Men­schen ist der Ein­stieg in Nie­der­flur­stras­sen­bah­nen über­aus angenehm.

Die Idee des Bürgermeisters

In der Stadt Toy­a­ma am Japa­ni­schen Meer hat Bür­ger­meis­ter Masa­shi Mori 2006 die­se Vor­tei­le erkannt. Aus einer alten, defi­zi­tä­ren Zug­li­nie, die vom Bahn­hof in den Nor­den der Stadt führ­te, liess er eine moder­ne, zur Hälf­te öffent­lich finan­zier­te Stras­sen­bahn mit kom­plett neu­en Gelei­sen und Wagen bau­en, die sich per­fekt ins Stadt­bild ein­pass­te. Die Toy­a­ma Light Rail, auch Por­tram genannt, war geboren.

Acht Jah­re nach ihrem Start, spricht man in Toy­a­ma von einer ein­ma­li­gen Erfolgs­ge­schich­te. Auch Mori ist noch immer im Amt. Mit der moder­nen Stras­sen­bahn ging es ihm vor­nehm­lich dar­um, auf das Pro­blem der altern­den Bevöl­ke­rung und der Aus­dün­nung der Innen­stadt zu reagieren.

Wäh­rend vie­le jun­ge Men­schen auf der Suche nach Arbeit in die Gross­städ­te zie­hen, bleibt in den länd­li­chen Prä­fek­tu­ren Japans eine altern­de Bevöl­ke­rung zurück (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch in Toy­a­ma sagen Schät­zun­gen vor­aus, dass die Ein­woh­ner­zahl von aktu­ell 420’000 Ein­woh­nern in den nächs­ten zwan­zig Jah­ren sin­ken, wäh­rend der Anteil der Men­schen über 60 Jah­ren rasant anstei­gen wird. Aus­ser­dem sind in den letz­ten Jahr­zehn­ten vie­le Men­schen in die Vor­or­te gezo­gen. Das hat­te zur Fol­ge, dass das Zen­trum all­mäh­lich ver­wais­te. Vie­le älte­re Per­so­nen, die nicht mehr Auto­fah­ren konn­ten, gin­gen schon gar nicht mehr in die Innenstadt.

Eine Stras­sen­bahn bewirkt Wunder

Die Ein­füh­rung der Toy­a­ma Light Rail mit über­aus bil­li­gen Fahr­prei­sen war eine krea­ti­ve Ant­wort auf die­ses demo­gra­phi­sche Pro­blem. Die neue Stras­sen­bahn zieht inzwi­schen dop­pelt so vie­le Pas­sa­gie­re wie der schwer­fäl­li­ge Vor­gän­ger an. Beson­ders die Zahl der Fahr­gäs­te über 60 Jah­re ist um das 3,5-fache ange­stie­gen, wie die Yomi­uri Shim­bun berichtet.

Heu­te fah­ren wie­der viel mehr älte­re Per­so­nen in den Stadt­kern, wo dank einer zusätz­li­chen Stras­sen­bahn-Ring­li­nie stets eine Sta­ti­on in ange­neh­mer Geh­di­stanz liegt. Laut der Sankei­Biz ist Toy­a­ma sogar zur Stadt avan­ciert, wo die Men­schen über 65 Jah­re beson­ders viel zu Fuss unter­wegs sind. Täg­lich sind es 1000 Schrit­te mehr als im Lan­des­durch­schnitt, was ganz natür­lich zu einer Reduk­ti­on der Gesund­heits­kos­ten bei­trägt. Weil immer mehr auch aufs Auto ver­zich­ten, hat die Stras­sen­bahn einen wesent­li­chen Bei­trag dazu geleis­tet, den CO2-Aus­stoss der Stadt mas­siv zu redu­zie­ren und das Stadt­bild zu verschönern.

Die kom­pak­te Stadt

Wenn die Bevöl­ke­rungs­zahl schon abnimmt, dann sorgt man dafür, dass die Men­schen in die Innen­stadt zie­hen, lau­tet seit zehn Jah­ren die Phi­lo­so­phie von Bür­ger­meis­ter Mori. Nur so kön­nen die hohen Kos­ten für das Gesund­heits­sys­tem und Infra­struk­tur gesenkt werden.

Mit dem Por­tram ist er sei­nem Ziel einer «kom­pak­ten Stadt» einen gros­sen Schritt näher gekom­men. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass die Stras­sen­bahn defi­zi­tär arbei­tet. Das Kon­zept scheint auf­zu­ge­hen. Seit 2006 leben wie­der mehr Men­schen im Stadt­zen­trum. Zusätz­li­chen haben neben der Stras­sen­bahn auch Steu­er­erleich­te­run­gen und erleich­ter­te Dar­le­hen für Immo­bi­li­en­in­ves­ti­tio­nen zu die­ser Ent­wick­lung beigetragen.

Das Erfolgs­pro­jekt hat sich her­um­ge­spro­chen. Am aktu­el­len UNO-Kli­ma­gip­fel soll Toy­a­ma laut der Yomi­uri Shim­bun als eine von rund 20 Städ­ten aus­ge­zeich­net wer­den, die es vor­bild­lich geschafft hat, ihre Ener­gie­ef­fi­zi­enz mar­kant zu ver­bes­sern. Und dies mit einer Ver­kehrs­sys­tem, das es schon seit über 100 Jah­ren gibt. Japan ist end­gül­tig im Zeit­al­ter der Wie­der­ent­de­ckung der Stras­sen­bahn angekommen.

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