Vul­ka­ne und Atomkraftwerke

Screen­shot: youtube/​kuro­da terutoshiVideo­auf­nah­men vom Aus­bruch des Ontake.

Der Aus­bruch des Onta­ke am Sams­tag hat min­des­tens 48 Men­schen das Leben gekos­tet. Rund 69 wei­te­re Per­so­nen wur­den ver­letzt (Stand: 1. Okto­ber 2014). 230 Berg­stei­ger fan­den Zuflucht in Berg­hüt­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es han­delt sich um die schwers­te Vul­kan­ka­ta­stro­phe in Japan seit dem Aus­bruch des Unzen bei Naga­sa­ki 1991, als 43 Men­schen starben.

Die Erup­ti­on am Onta­ke hat alle über­rascht, inklu­si­ve die Exper­ten. Das Warn­sys­tem wies am Sams­tag noch die tiefs­te Stu­fe 1 aus. Nach dem Aus­bruch wur­de sie sofort auf die Stu­fe 3, wel­che den Vul­kan selbst zum Sperr­ge­biet macht, angehoben.

Zwar besitzt Japan ein Früh­warn­sys­tem, doch eine genaue Vor­her­sa­ge ist nur beschränkt mög­lich. Im Fall Onta­ke kommt hin­zu, dass es sich um eine Was­ser­dampf­ex­plo­si­on gehan­delt hat­te. Die übli­chen Warn­si­gna­le, wie seis­mi­sche Akti­vi­tät oder stei­gen­de Gas­emis­sio­nen, grif­fen hier nicht.

Die drit­te Naturgefahr

Neben den Erd­be­ben und dem Tsu­na­mi sind die Vul­ka­ne die drit­te gros­se Natur­ge­fahr, mit der Japan zurecht­kom­men muss. Über 110 akti­ve Vul­ka­ne zählt das Land. In den letz­ten 2000 Jah­ren wur­den über 1000 Aus­brü­che gezählt. 52 Mal war es grös­se­re Erup­tio­nen, die über Tage oder Wochen Lawa und Asche in die Atmo­sphä­re kata­pul­tier­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der letz­te fol­gen­schwe­re Aus­bruch für Japan datiert auf das Jahr 1914 zurück. Damals spie der Berg Saku­ra­ji­ma soviel Lawa aus, dass die Insel, auf der der Vul­kan steht, mit dem Fest­land ver­bun­den wur­de. Heu­te besteht für 47 Vul­ka­ne auf Japan ein Aus­bruchs­ri­si­ko. Sie ste­hen unter stän­di­ger Beob­ach­tung der Japa­ni­schen Wet­ter­be­hör­de. Für vier davon besteht die Warn­stu­fe 3, für fünf wei­te­re die Warn­stu­fe 2 (Gefahr in der Nähe des Kraters).

Der Fuji als gröss­te Gefahr?

Spe­zi­ell nach dem Erd­be­ben vom 11. März 2011 wur­de bei meh­re­ren Vul­ka­nen eine ver­stärk­te Akti­vi­tät gemes­sen. Dazu gehör­te auch der Berg Fuji, das Natur­wahr­zei­chen Japans schlecht­hin. Gemäss neus­ten Erkennt­nis­sen liegt der Vul­kan mit dem sym­me­tri­schen Kegel über einer Ver­wer­fung, die bis zu 30 Kilo­me­ter lang ist und bis zu 5 Kilo­me­ter in die Tie­fe reicht (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ein Aus­bruch beim Fuji hät­te beson­ders gra­vie­ren­de Fol­gen für das Land. Der 3776 Meter hohe Berg liegt nur 100 Kilo­me­ter von der Haupt­stadt ent­fernt. Die Haupt­ver­kehrs­ach­sen zwi­schen den gros­sen japa­ni­schen Metro­po­len Tokio und Osa­ka könn­ten im schlimms­ten Fall in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den. Im Som­mer sind zudem täg­lich Tau­sen­de von Berg­stei­gern auf dem Fuji. Der letz­te gros­se Aus­bruch war 1707.

Sicher­heit für AKW?

In Japan stellt sich nicht nur seit letz­tem Sams­tag die Fra­ge, was die Vul­kan­ge­fahr für die Sicher­heit der Atom­kraft­wer­ke im Land bedeu­tet? Unter den Exper­ten gibt es dies­be­züg­lich zwei Lager. In einer Umfra­ge der Mai­ni­chi Shim­bun waren 29 von 50 Vul­ka­no­lo­gen der Mei­nung, dass eini­ge AKW dies­be­züg­lich an poten­ti­ell gefähr­li­chen Lagen gebaut wur­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Dazu zählt ins­be­son­de­re das AKW Sen­dai in der Prä­fek­tur Kago­shi­ma auf der Süd­in­sel Kyus­hu. Doch aus­ge­rech­net die­ses wird vor­aus­sicht­lich als Ers­tes aller 48 zur­zeit abge­schal­te­ten Atom­kraft­wer­ke wie­der ans Netz gehen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Wäh­rend eine Mehr­heit der Exper­ten in der Umfra­ge das Risi­ko eines Vul­kan­aus­bruchs in der Nähe des AKW Sen­dai für über­schau­bar hielt, rie­ten 19 von einem Wie­der­hoch­fah­ren ab.

Tokio sieht kei­nen Zusammenhang

Die Regie­rung in Tokio will der­weil an ihrem Kurs fest­hal­ten, wie die Tokyo Shim­bun berich­tet. Kabi­nett­se­kre­tär Yoshihi­de Suga mein­te am Mon­tag, dass der Aus­bruch am Onta­ke auf die Fra­ge, ob man das AKW Sen­dai wie­der hoch­fah­re, kei­nen Ein­fluss habe.

Die Vor­her­sa­ge einer Was­ser­dampf­ex­plo­si­on sei schon immer schwie­rig gewe­sen, mein­te Suga ledig­lich. Das OK der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de (NRA) für das Atom­kraft­werk wer­de aber nicht noch­mals überprüft.

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