Der Pro­test­marsch im Anzug

Foto: twitter/@asama888Die Sala­ry­men erhe­ben ihre Stimme.

Vor einem Jahr ent­schie­den 600 Büro­ar­bei­ter auf ein nächt­li­ches Fei­er­abend­bier mit dem Vor­ge­setz­ten zu ver­zich­ten. Statt­des­sen gin­gen sie in ihren Anzü­gen auf die Stras­se im Tokio­ter Geschäfts­vier­tel Shim­ba­shi, um gegen die AKW-Poli­tik der Regie­rung Abe zu pro­tes­tie­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te). «Die Suits-Demo» nann­ten sie den nächt­li­chen Pro­test­zug, der sym­bo­lisch am Haupt­ge­bäu­de des AKW-Betrei­bers TEP­CO vorbeizog.

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Die Bot­schaft war klar: Nicht nur Stu­den­ten, Pen­sio­nä­re, Haus­frau­en und Selb­stän­di­ge, son­dern auch «nor­ma­le Ange­stell­te» weh­ren sich gegen das geplan­te Wie­der­hoch­fah­ren der AKW in Japan. Auch ein Jahr spä­ter gibt es die Bewe­gung noch – und sie wird mehr denn je gebraucht.

Rund 200 Sala­ry­men zogen die­se Woche durch die Stras­sen von Shim­ba­shi, um gegen die anste­hen­de Wie­der­in­be­trieb­nah­me des AKW Sen­dai in der Stadt Sats­u­ma­sen­dai auf der Süd­in­sel Kyus­hu zu pro­tes­tie­ren, wie die Tokyo Shim­bun berich­tet. «Wir brau­chen kei­ne Atom­kraft­wer­ke!», «Wir for­dern den AKW-Aus­stieg!» hiess es auf ihren Transparenten.

Letz­te Entscheidungen

Sen­dai wird wohl das ers­te AKW sein, das in Japan wie­der ans Netz gehen wird. Neben der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de, haben die­se Woche sowohl der Bür­ger­meis­ter wie auch das Lokal­par­la­ment der Stadt Sats­u­ma­sen­dai, wo das Atom­kraft­werk steht, grü­nes Licht gege­ben, wie NHK News berich­tet. Damit sind die wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für ein defi­ni­ti­ves OK der Regie­rung in Tokio gegeben.

Die Sala­ry­men in Shim­ba­shi haben mit ihrem Pro­test unter ande­rem dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass nicht alle Gemein­den rund um das AKW Sen­dai mit dem Vor­ge­hen der Behör­den ein­ver­stan­den sind. So hat bei­spiels­wei­se die Hälf­te der 30’000 Ein­woh­ner der Stadt Ichi­ki­kus­hi­ki­no, die nur 5 Kilo­me­ter vom AKW Sen­dai ent­fernt liegt, eine Peti­ti­on gegen ein Wie­der­hoch­fah­ren unterzeichnet.

Umfra­ge zeigt kla­re Haltung

Aus­ser­dem hat eine Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts JAPOR erge­ben, dass 61 Pro­zent der Japa­ner einen Neu­start ableh­nen. Die Prä­fek­tur­re­gie­rung von Kago­shi­ma ver­weist der­weil dar­auf, dass die Ein­wil­li­gung der Gemein­de, in der das AKW liegt, aus­rei­chend sei.

Zur­zeit sieht somit alles danach aus, dass das AKW Sen­dai nach einem letz­ten Test Anfang nächs­tes Jahr wie­der hoch­ge­fah­ren wird. Und so wird es nicht der letz­te Pro­test­marsch der Sala­ry­men gewe­sen sein.

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