Der Umgang mit Ausländern

Screen­shot: Sank­ei Shim­bunDie Kolum­ne von Aya­ko Sono.

Die 82-jäh­ri­ge Aya­ko Sono ist eine preis­ge­krön­te Schrift­stel­le­rin, die bis im Okto­ber 2013 Mit­glied einer Bera­ter­grup­pe im Bereich Bil­dung für die Regie­rung unter Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe war. Für die japa­ni­sche Tages­zei­tung Sank­ei Shim­bun schreibt sie regel­mäs­sig Kom­men­ta­re. Sie ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu neh­men und eckt mit ihren kon­ser­va­ti­ven Ansich­ten immer wie­der an. Mit ihrem Bei­trag vom 11. Febru­ar hat Aya­ko Sono jedoch gleich inter­na­tio­nal für einen Sturm der Ent­rüs­tung gesorgt.

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Die Auto­rin sprach in ihrer Kolum­ne mit dem Titel «Arbeits­kräf­te­man­gel und Immi­gran­ten: Auf­neh­men und eine ange­mes­se­ne Distanz bewah­ren» das aktu­el­le Pro­blem des anhal­ten­den Bevöl­ke­rungs­rück­gangs und sei­nen Fol­gen an. In Nip­pon wer­den die Men­schen immer älter, wäh­rend die Jun­gen einen immer klei­ne­ren Teil der Bevöl­ke­rung aus­ma­chen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Schon jetzt sind nur noch 16 der 127 Mil­lio­nen Japa­ner unter 14 Jahren.

Sono betont in die­sem Zusam­men­hang, dass Japan gera­de im Pfle­ge­be­reich auf Ein­wan­de­rer ange­wie­sen sei. Sie schlägt vor, dass die Regie­rung die aus­län­di­schen Fach­kräf­te die­ser Bran­che ohne grös­se­re Auf­la­gen ein Arbeits­vi­sum ertei­len soll­te, um den aku­ten Per­so­nal­not­stand zu mil­dern. Es ist ein Vor­schlag, der Sinn macht. Doch in der Fol­ge ver­strickt sich Sono in eine Argu­men­ta­ti­on, die jeg­li­ches Fein­ge­fühl ver­mis­sen lässt.

Der Apart­heids­vor­schlag

So schreibt die Japa­ne­rin, dass beim Umgang mit Immi­gran­ten kla­re, gesetz­li­che Regeln zu set­zen sei­en. «Es mag wider­sprüch­lich klin­gen, aber es ist prak­tisch unmög­lich Aus­län­der zu ver­ste­hen, wenn man am glei­chen Ort mit ihnen lebt.» Sie sei basie­rend auf ihren Erfah­run­gen, die sie vor 20 bis 30 Jah­ren in Süd­afri­ka gemacht habe, zur Über­zeu­gung gelangt, dass Weis­se, Asia­ten und Schwar­ze getrennt von­ein­an­der leben sollten.

Hier­zu nimmt sie ein Bei­spiel eines Wohn­ge­bäu­des in Johan­nes­burg, wo nur Weis­se gelebt hät­ten. Kurz nach der Apart­heid sei­en jedoch die ers­ten Schwar­ze ein­ge­zo­gen sei­en. Dabei erklärt sie, dass «die Schwar­zen grund­sätz­lich nach dem Prin­zip der Gross­fa­mi­lie leben».

Sono schreibt wei­ter, dass die Ver­wand­ten der Schwar­zen in Mas­sen nach­ge­zo­gen sei­en und somit zum Nie­der­gang des Lebenstan­dards in Wohn­haus gesorgt hät­ten. Dar­auf­hin sei­en alle Weis­sen aus­ge­zo­gen. Die Schrift­stel­le­rin fol­gert dar­aus, dass Men­schen zwar zusam­men arbei­ten, for­schen und Sport machen könn­ten, «aber beim Woh­nen soll­te es eine kla­re Tren­nung geben». 

In Ihrem Arti­kel sucht man ver­geb­lich nach genaue­ren, beleg­ba­ren Fak­ten ihres vor­ge­leg­ten Fal­les aus Süd­afri­ka. Auch ihre The­se über die Lebens­wei­se der Schwar­zen bleibt eine Behaup­tung ohne wei­te­re Grundlage.

Die Reak­tio­nen

Die Reak­tio­nen auf die Kolum­ne folg­ten prompt. «Japan benö­tigt eine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Ras­sis­mus: Die Sank­ei-Kolum­ne spricht sich gera­de für die Ras­sen­tren­nung von Immi­gran­ten im Apart­heids-Stil aus», schrieb Hiro­ko Tabuchi von der New York Times in einem Tweet. Auch vie­le Japa­ner reagie­ren auf Twit­ter ähn­lich schockiert. 

Der süd­afri­ka­ni­sche Bot­schaf­ter Mohau Phe­ko ver­ur­teil­te Sonos Mei­nungs­äus­se­rung in einem Schrei­ben. Es hand­le sich um einen beschä­men­den Vor­schlag, da die­ser die Apart­heid glo­ri­fi­zie­re. Im 21. Jahr­hun­dert dür­fe es kei­nen Platz mehr für Dis­kri­mi­nie­run­gen jeg­li­cher Art haben. 

Dabei ist zu beach­ten, dass die Sank­ei Shim­bun nicht irgend­ein unbe­deu­ten­des Blatt ist, son­dern mit einer täg­li­chen Auf­la­gen­zahl von 1,6 Mil­lio­nen die viert­gröss­te Zei­tung des Lan­des. Die Sank­ei Shim­bun gibt sich auch eini­ge Tage nach der Publi­ka­ti­on wort­karg. Es sich hand­le sich um Sonos per­sön­li­che Mei­nung. Es sei nur natür­lich, dass bei einer Kolum­ne ver­schie­de­ne Mei­nun­gen gebe. Man sei aber in jedem Fall gegen jeg­li­che Form von Ras­sis­mus, heisst es.

Sono bleibt bei ihrem Standpunkt

Aya­ko Sono mein­te gegen­über dem Wall Street Jour­nal nur, dass sie kei­ne Lust habe sich zu erklä­ren. «Wenn es einen Feh­ler gibt, dann kor­ri­gie­re ich die­sen. Aber die­ses Kolum­ne hat kei­nen Feh­ler.» Aus­ser­dem habe sie nur über eine per­sön­li­che Erfah­rung geschrieben.

Es ist übri­gens nicht das ers­te Mal, dass Sono mit einer Kolu­men von sich Reden macht. 2013 mein­te sie als Bera­te­rin des Pre­mier­mi­nis­ters, dass Frau­en nach der Geburt ihres Kin­des ihre Arbeit auf­ge­ben soll­ten. Dabei setzt inzwi­schen selbst die kon­ser­va­ti­ve Regie­rung auf die ver­bes­ser­te Inte­gra­ti­on der Frau in der Wirtschaft.

Tat­sa­che bleibt, dass Japan drin­gend auf Arbeits­kräf­te ange­wie­sen ist, ob das Land dies will oder nicht. Bereits heu­te sind die Fol­gen einer schrump­fen­den Bevöl­ke­rungs­zahl spür­bar. In der Bau­bran­che, den Pfle­ge­be­ru­fen aber auch in der Gas­tro­no­mie fehlt es Japan an Per­so­nal (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Eine ein­la­den­de Ein­wan­de­rungs­po­li­tik wird unum­gäng­lich sein. Sonos Kolum­ne wird in die­sem Zusam­men­hang bestimmt nicht zur Attrak­ti­vi­tät Japans für aus­län­di­sche Fach­kräf­te bei­ge­tra­gen haben.

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