Foto: flickr/​brew­booksErfolgs­au­tor Haru­ki Murakami.

«Das Geschichts­ver­ständ­nis ist eine wich­ti­ge Ange­le­gen­heit und ich glau­be, dass es wich­tig ist, dass Japan sich anstän­dig ent­schul­digt.» Die­se unmiss­ver­ständ­li­che Hal­tung zum his­to­ri­schen Umgang mit dem Zwei­ten Welt­krieg äus­ser­te der japa­ni­sche Kult­schrift­stel­ler Haru­ki Mura­ka­mi in einem Inter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur Kyo­do News.

Dabei sag­te er wei­ter: «Alles was Japan tun kann, ist sich wie­der­holt zu ent­schul­di­gen bis die ange­spro­che­nen Län­der sagen: ‹Wir mögen es zwar nie wirk­lich über­win­den, aber ihr habt euch nun genü­gend ent­schul­digt. Es ist gut so.›» Es sei nichts Beschä­men­des sich zu ent­schul­di­gen. Aus­ser­dem sei es eine Tat­sa­che, dass Japan damals ande­re Län­der ange­grif­fen habe, sag­te er weiter.

Mura­ka­mi kri­ti­siert somit einer­seits die in Japan weit­ver­brei­te­ten Hal­tung, dass man sich doch schon genug ent­schul­digt habe für den Zwei­ten Welt­krieg. Ande­rer­seits rich­tet sich sei­ne Äus­se­rung zwei­fel­los an die Adres­se von Shin­zo Abe, auch wenn die­ser im Inter­view uner­wähnt blieb. 

Abes Sicht auf die Geschichte

So macht der japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter kein Geheim­nis dar­aus, dass er The­men wie die Zwangs­pro­sti­tu­ti­on oder die Aggres­si­on Japans im Zwei­ten Welt­krieg anders als in der gän­gi­gen Geschichts­schrei­bung inter­pre­tiert haben möch­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Seit Mona­ten stellt sich in die­sem Zusam­men­hang die Fra­ge, mit wel­chen Wor­ten Pre­mier Abe dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs vor 70 Jah­ren geden­ken wird.

Einen ers­ten Vor­ge­schmack dar­auf gab er die­se Woche am Asi­en-Afri­ka-Gip­fel in Jakar­ta. Abe sprach dar­in von einer «tie­fen Reue» über den Zwei­ten Welt­krieg und dem Ver­spre­chen, sich für den anhal­ten­den Frie­den ein­zu­set­zen, wie die Asahi Shim­bun berichtet.

Abe ver­zich­te­te jedoch auf Wor­te wie «kolo­nia­le Herr­schaft und Aggres­si­on» sowie die dies­be­züg­li­che «auf­rich­ti­ge Ent­schul­di­gung», die seit der Erklä­rung von Pre­mier­mi­nis­ter Tomiichi Mura­y­a­ma im Jahr 1995 von jeder japa­ni­schen Regie­rung so ver­wen­det wur­de (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Reak­ti­on Sükdoreas

Die süd­ko­rea­ni­sche Regie­rung hat sich ent­täuscht über Abes Ver­zicht auf eine Ent­schul­di­gung in Jakar­ta gezeigt, wie die Nach­rich­ten­agen­tur Yon­hap berichtet.

Wie sich Abe im August am Jah­res­tag zum Ende des Zwei­ten Welt­kriegs aus­drü­cken wird, bleibt jedoch offen. Der Pre­mier hat zwar ver­spro­chen sich an die Mura­y­a­ma-Erklä­rung und die Ent­schul­di­gun­gen der ver­gan­ge­nen Regie­run­gen zu hal­ten. Gleich­zei­tig hat er auch betont, neue Bemer­kun­gen hin­zu­fü­gen zu wollen.