Teu­re Melonen

Screen­shot: flickr/​TBS News-iMelo­nen im Wert von 1,5 Mil­lio­nen Yen.

Ein­mal im Jahr erhal­ten die Melo­nen in Japan die gesam­te media­le Auf­merk­sam­keit. Die Rede ist nicht von den wür­fel­för­mi­gen Was­ser­me­lo­nen, son­dern von den gewöhn­li­chen, run­den Melo­nen. 1,5 Mil­lio­nen Yen hat ein Gross­händ­ler bei der ers­ten Auk­ti­on auf dem Markt in Sap­po­ro für zwei Melo­nen der Sor­te Yuba­ri aus Hok­kai­do hin­ge­blät­tert, wie die Asahi Shim­bun berich­tet. Das sind umge­rech­net 11’115 Euro. Damit kau­fen sich ande­re Men­schen einen Klein­wa­gen. Bezahlt hat die­sen Preis ein Gross­händ­ler aus Niigata.

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Dabei han­delt es sich im Ver­gleich zum Vor­jahr noch um einen ver­nünf­ti­gen Preis. Denn damals bezahl­te ein Bie­ter sat­te 2,5 Mil­lio­nen Yen für eine Kis­te mit zwei Melo­nen; bis heu­te die höchs­te Sum­me. Seit 2010 hält sich der Preis kon­stant über 1 Mil­li­on Yen bei der Eröff­nungs­auk­ti­on. Die Sor­te Yuba­ri gilt dabei als eine beson­ders begehr­te Melo­ne. Deren oran­ge­far­be­nes Frucht­fleisch soll einen vor­züg­li­chen Geschmack haben. Inzwi­schen wird die Luxus­me­lo­ne aus Yuba­ri auch nach Hong­kong exportiert.

Nor­ma­ler­wei­se bezahlt ein Kun­de im Super­markt für eine Kis­te mit zwei Melo­nen rund 10’000 Yen (75 Euro). Das ist immer noch viel für eine Frucht, aber weit weni­ger als die Gross­händ­ler bei der ers­ten Auk­ti­on des Jah­res hinblättern.

Ein geschick­ter Marketingtrick

Es stellt sich daher die Fra­ge, wes­halb ein Bie­ter sich auf ein sol­ches Geschäft über­haupt ein­lässt? Zumal die dies­jäh­ri­gen Melo­nen durch die eher tie­fen Tem­pe­ra­tu­ren beson­ders klein sind und der Geschmack im Ver­gleich zu ande­ren Jah­ren als eher durch­schnitt­lich beschrie­ben wird.

Die Bie­ter erklä­ren dies mit dem Glau­ben, dass der ers­te Zuschlag bei einer Eröff­nungs­auk­ti­on Glück für das rest­li­che Geschäfts­jahr bringt. Ein ande­rer, viel­leicht noch viel wich­ti­ge­rer Grund ist die vol­le Auf­merk­sam­keit, die man die­sem Tag von den Medi­en erhält.

Die­ser Mar­ke­ting­trick kann man auch bei den Eröff­nungs­auk­tio­nen für den Thun­fisch (Asi­en­spie­gel berich­te­te) oder auch für die hei­mi­schen Man­gos (Asi­en­spie­gel berich­te­te) beob­ach­ten. Die Melo­nen hat der Käu­fer übri­gens laut eige­nen Wor­ten sorg­fäl­tig im Hand­ge­päck nach Niiga­ta ver­frach­tet, wo die Luxus­früch­te schliess­lich einen neu­en Käu­fer fin­den werden.

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