Kampf für ein Fukushima-Mahnmal

Foto: twitter/​@Ryohhei039724RsDie AKW-Auf­schrift von Yuji Onu­ma über den Stras­sen von Futaba.

In der Klein­stadt Futa­ba ste­hen die heu­te still­ge­leg­ten Reak­to­ren 5 und 6 des AKW Fuku­shi­ma 1. Das Atom­kraft­werk war lan­ge ein guter Arbeit­ge­ber und gross­zü­gi­ger Hel­fer für die Anlie­gen der Gemein­de. Seit der AKW-Kata­stro­phe von 2011 ist Futa­ba jedoch Sperr­zo­ne. Die gesam­te Stadt wur­de evakuiert.

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Auf eine per­ma­nen­te Rück­kehr war­ten sei­ne Bewoh­ner hier ver­geb­lich. Die Stadt­ver­wal­tung ist nach Iwa­ki gleich aus­ser­halb der Sperr­zo­ne umge­zo­gen. Die Bewoh­ner haben ande­re Blei­ben in- und aus­ser­halb der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma gefunden.

Ein Wahr­zei­chen der Stadt waren zwei gros­se, über die Stras­se ragen­de Schrift­ta­feln, auf denen vier Atom­ener­gie-Slo­gans die Besu­cher begrüss­ten. «Atom­kaft: die Ener­gie einer glän­zen­den Zukunft» oder «Die Atom­ener­gie bringt Ent­wick­lung für die Hei­mat und eine wohl­ha­ben­de Zukunft» lau­te­ten die ver­lo­cken­den Sät­ze, die 1988 aus zahl­rei­chen Ein­rei­chun­gen der loka­len Bevöl­ke­rung aus­ge­wählt wurden.

Der geplan­te Abbau

Die inzwi­schen ver­ros­te­ten Atom-Schrift­zü­ge von Futa­ba haben sich vier Jah­re nach der Kata­stro­phe als fal­sche Ver­spre­chen erwie­sen. Sie sind zu einem Mahn­mal der Kata­stro­phe gewor­den. Im März ent­schied die Lokal­re­gie­rung, die Auf­schrif­ten abzu­bau­en. Sie sei­en bau­fäl­lig und somit eine Gefahr für pas­sie­ren­de Autos und Men­schen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Doch nicht allen gefiel die­se Idee. Der Schritt der Behör­de macht sie gar stut­zig. Man wür­de damit ein Mahn­mal der Kata­stro­phe ent­fer­nen und so ver­su­chen, die Ver­gan­gen­heit ver­ges­sen zu machen, lau­tet die Kri­tik. Die noch leben­den Auto­ren der Slo­gans sind nun aktiv gewor­den, allen vor­an der 39-jäh­ri­ge Yuji Onu­ma. Er war noch ein jun­ger Schü­ler in Futa­ba, als sein Slo­gan «Atom­kaft: die Ener­gie einer glän­zen­den Zukunft» für den Schrift­zug aus­ge­wählt wurde.

Er möch­te die Stras­sen­ta­feln in ihrem jet­zi­gen Zustand bewah­ren, «für die kom­men­den Gene­ra­tio­nen als ein beschä­men­des Ver­mächt­nis» wie er es gegen­über der Japan Times aus­drückt. Sie sei­en eine Mahn­mal, um über die Ver­gan­gen­heit nachzudenken.

Pro­mi­nen­te Unterstützer

Exakt 6502 Unter­schrif­ten sam­mel­te er laut der Mai­ni­chi Shim­bun für sein Vor­lie­gen. Zu den Unter­zeich­nern gehö­ren so pro­mi­nen­te Figu­ren wie der ehe­ma­li­ge Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan, der ehe­ma­li­ge Fuku­shi­ma-Gou­ver­neur Eis­a­ku Sato sowie der zwei­te noch leben­de Ver­fas­ser eines der vier Atom-Slogans.

Die Unter­schrif­ten hat er Anfang Juni Bür­ger­meis­ter Shiro Iza­wa über­ge­ben. Man wer­de sich das Anlie­gen genau anschau­en, liess die­ser ver­lau­ten. Das letz­te Wort wird schliess­lich die Lokal­ver­samm­lung haben. Die wird womög­lich anders als im Sin­ne Onu­mas ent­schei­den. Denn von den 6502 Unter­zeich­nern stam­men nur 50 aus Futaba.

Onu­ma selbst lebt heu­te in der Nach­barsprä­fek­tur Iba­ra­ki, wo er Land gekauft und Solar­pa­ne­le instal­liert hat. An sei­ne ato­ma­re Visi­on von 1988 glaubt er sel­ber schon lan­ge nicht mehr.

Atom­geg­ner haben den Satz umfor­mu­liert: «Der Atom­austieg: die Ener­gie einer glän­zen­den Zukunft»

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