News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Die schönsten Yamanote-Orte

Die Yamanote-Linie in Tokio. (Foto: flickr/ Andrew K. Smith)

Die Yamanote-Linie in Tokio. (Foto: flickr/ Andrew K. Smith)

Die Yamanote-Linie ist das Herzstück der 110 Bahnlinien Tokios. 1885 eröffnet, verbindet sie ringförmig die wichtigsten Zentren der Hauptstadt. Ganze 29 Stationen auf einer Gesamtstrecke von 34,5 Kilometern bedient sie. Bis 2020 wird zwischen Shinagawa und Tamachi eine weitere Station hinzukommen. Mit täglich 3,5 Millionen Fahrgästen ist die Yamanote-Linie gar eine der meist frequentierten Bahnlinien der Welt.

Und so lassen sich mit dieser Ringlinie, die verschiedenen Seiten und Facetten von Tokio auf einfache Art und Weise kennenlernen. Sie verbindet die grossen Zentren mit den etwas verschlafenen Vierteln, die geschäftigen Bahnhöfe mit den ruhigeren. Doch welches dieser Viertel hat die beste Atmosphäre? Die Immobilienseite Home’s hat bei den Pendlern nachgefragt, die mindestens drei Mal pro Woche die Yamanote-Linie benutzen. 420 Menschen haben geantwortet – und Ebisu an erste Stelle gewählt.

Gleich 70 Stimmen hat das gemütliche Viertel mit seinen unzähligen Ess- und Trinkgelegenheiten erhalten. Der Geschäftskomplex Yebisu Garen Place oder das noch elegantere, nahe gelegene Viertel Daikanyama wurden von den Befragten hervorgehoben. Ausserdem beschreiben sie Ebisu als «ein ruhiges Viertel mit schicken Menschen». Es sei ein ausgeglichener Ort, wo die Menschen weder zu jung noch zu alt seien und der Lebensstandard gleichzeitig nicht zu luxuriös. Es ist offenbar die Balance, die es ausmacht.

Tokio und Shinjuku

An zweite Stelle wurde das Viertel rund um den Bahnhof Tokio gewählt. Das historische Bahnhofsgebäude mit seiner europäisch angehauchten Backsteinfassade wurde 1914 eröffnet und gehört bis heute zu den schönsten und gleichzeitig wichtigsten Stationen in Japan (Asienspiegel berichtete). Diese Retro-Atmosphäre scheint es vielen anzutun. Der Bahnhof Tokio sei so etwas wie das Zentrum Japans, meinte ein Befragter.

An dritte Stelle kommt mit Shinjuku das brutale Gegenstück von Tokio. Der grösste Bahnhof der Welt zählt täglich 3,64 Millionen Passagiere (Asienspiegel berichtete). Das über die Jahre gewachsene Bahnhofsgelände überfordert täglich die Passagiere. 36 Geleise und 200 Ausgänge zählt der Koloss heute. Shinjuku ist ein Zentrum für die Verwaltung, die Finanzbranche und das Vergnügen. Mit Kabukicho besitzt es das grösste und berüchtigste Unterhaltungsviertel (Asienspiegel berichtete). Es ist genau dieses Chaos, das Shinjuku offenbar so attraktiv wirken lässt. Die Vielfalt, das Lebhafte und das Vulgäre erwähnten die Befragten als Pluspunkte von Shinjuku.

Das unterschätzte Schlusslicht

Das Schlusslicht dieser Rangliste ist der Bahnhof Uguisudani. Von allen 29 Stationen wir dieser am wenigsten frequentiert. Uguisudani wird als anrüchig und etwas heruntergekommen beschrieben. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass es an diesem Ort auch eine grosse Ansammlung an Love-Hotels und Massage-Salons gibt.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit von Uguisudani. Denn das kleine Bahnhofsgebäude hat durchaus Charme. Ausserdem handelte es sich um ein historisches Viertel. In der Edo-Zeit war es gar ein ruhiges Wohnviertel für die Schriftsteller und Dichter. Im nahe gelegenen Kanei-ji mit dem grossen Friedhofsanlage wurden sogar zwei Kriegsfürsten der Tokugawa-Dynastie, die über 250 Jahre lang die Geschicke Japans leitete, begraben. Uguisudani ist darüber hinaus nur einen kurzen Gehweg von Ueno mit seinen Pärken und vielen Museen entfernt.

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