Foto: flickr/​Richard WestVon den 126 Mil­lio­nen Ein­woh­nern in Japan sind gera­de mal 2 Mil­lio­nen Ausländer.

Die Zahl der in Japan leben­den Aus­län­der liegt zur­zeit bei 2’172’892 Mil­lio­nen Aus­län­der, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Zu die­ser Sta­tis­tik zäh­len alle Per­so­nen mit aus­län­di­schem Pass, die mehr als drei Mona­te im Land leben.

Damit machen die Aus­län­der in Japan 1,7 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung aus. Das ist im Ver­gleich zu ande­ren indus­tria­li­sier­ten Län­dern der tiefs­te Anteil. Das erklärt teil­wei­se auch, wes­halb die japa­ni­sche Wirt­schaft schon heu­te in Bran­chen wie der Gas­tro­no­mie, dem Bau oder den Pfle­ge­be­ru­fen mit einem Per­so­nal­man­gel kämpft (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Aktu­ell leben in Japan 126,8 Mil­lio­nen. Bis 2030 wird die Ein­woh­ner­zahl wegen der anhal­tend tie­fen Gebur­ten­ra­te auf vor­aus­sicht­lich 120 Mil­lio­nen sin­ken. Die Zahl der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung könn­te laut Asahi Shim­bun bis dahin um bis zu 7,9 Mil­lio­nen Men­schen fal­len. Der Per­so­nal­man­gel wür­de sich noch ein­mal ver­schär­fen. Poli­tisch will die Regie­rung dies mit der Ein­bin­dung von mehr Frau­en und älte­ren Per­so­nen in die Wirt­schaft lösen. Die Auto­ma­ti­sie­rung durch Robo­ter soll eben­falls helfen.

Die lei­se Einwanderung

Die Lösung des Pro­blems durch mehr Immi­gra­ti­on ist im Insel­staat poli­tisch und gesell­schaft­lich nicht durch­setz­bar. Betrach­tet man aber die Sta­tis­tik etwas genau­er, kann man durch­aus bereits heu­te eine klei­ne Ein­wan­de­rungs­wel­le beob­ach­ten. Hier zunächst ein Über­blick über die Natio­nen, die am meis­ten Ein­woh­ner stellen:

  1. Chi­na: 656’403 in Japan leben­de Personen
  2. Korea: 497’707
  3. Phil­ip­pi­nen: 224’048
  4. Bra­si­li­en: 173’038
  5. Viet­nam: 124’820
  6. USA: 51’523
  7. Nepal: 48’403
  8. Peru: 47’800

Zwar ist bei den meis­ten Natio­nen die Sta­tis­tik unver­än­dert geblie­ben. Vie­le von ihnen, beson­ders die Korea­ner und Chi­ne­sen, sind seit Gene­ra­tio­nen hier. Doch im Fall von Viet­nam und Nepal haben sich die Zah­len seit 2012 mehr als verdoppelt. 

Prak­ti­kan­ten und Studenten

Meis­tens kom­men die Men­schen die­ser bei­den Natio­nen mit einem spe­zi­el­len Prak­ti­kums­vi­sum, das Japan seit 1993 Men­schen aus Schwel­len­län­dern anbie­tet. Die­se Prak­ti­kan­ten kön­nen wäh­rend min­des­tens drei Jah­ren für einen Nied­rig­lohn in Japan arbei­ten. Im Gegen­zug erhal­ten sie wert­vol­les Wis­sen über Japans Wirt­schaft und Tech­no­lo­gi­en, von dem sie nach der Rück­kehr in die Hei­mat pro­fi­tie­ren sol­len. So lau­tet zumin­dest die offi­zi­el­le Les­art. Fak­tisch arbei­ten jedoch vie­le von ihnen zum Bil­lig­lohn auf Bau­stel­len und in Bran­chen, wo nicht unbe­dingt spe­zia­li­sier­te Fähig­kei­ten not­wen­dig sind (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Genau so stark hat in den letz­ten zwei Jah­ren die Zahl der Stu­den­ten aus Viet­nam und Nepal zuge­nom­men. Mit die­sem Visum kön­nen sie neben dem Stu­di­um klei­nen Neben­jobs nach­ge­hen. Beson­ders in der 24-Stun­den-Gas­tro­no­mie sind sie gefragt als bil­li­ge und zuver­läs­si­ge Arbeits­kräf­te. Hier fül­len sie die Lücken für den zuneh­men­den Man­gel an japa­ni­schem Per­so­nal (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen, wenig Rechte

Für die Ein­wan­de­rer ist es eine zwei­schnei­di­ge Ange­le­gen­heit. Einer­seits ler­nen sie die Spra­che, ver­die­nen Geld und kön­nen im bes­ten Fall das gelern­te Wis­sen in ihrer Hei­mat anwen­den. Doch die Rea­li­tät sieht oft anders aus. Das Pro­gramm für aus­län­di­sche Prak­ti­kan­ten lei­det unter einem denk­bar schlech­ten Ruf .

Lohn und Arbeits­be­din­gun­gen sind zumeist mise­ra­bel. Wie­der­holt gab es in den letz­ten Jah­ren Skan­da­le, bei denen Prak­ti­kan­ten wegen Über­ar­bei­tung star­ben (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie das US-Aus­sen­mi­nis­te­ri­um haben Japan wie­der­holt auf­ge­for­dert, die Rechts­la­ge für die Betrof­fe­nen zu verbessern.

Eine ein­fa­che Lösung für die Regierung

Für die japa­ni­sche Regie­rung sind die «Prak­ti­kan­ten» jedoch eine ele­gan­te Lösung. Sie erhält drin­gend benö­tig­te, neue Arbeits­kräf­te, die offi­zi­ell nur tem­po­rär im Land sind. Die­ser Ansatz ermög­licht eine stil­le Ein­wan­de­rung ohne die offi­zi­el­le, strik­te Ein­wan­de­rungs­po­li­tik anzutasten. 

Die Zahl der Prak­ti­kan­ten und Stu­den­ten, beson­ders aus Süd­ost­asi­en, wird in den nächs­ten Jah­ren zuneh­men. Pre­mier Abe hat dies­be­züg­lich ange­kün­digt, das Visums­pro­gramm für Prak­ti­kan­ten aus­zwei­ten, um dem aku­ten Per­so­nal­man­gel, ins­be­son­de­re auf auf dem Bau, ent­ge­gen­zu­tre­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Ob dies ein lang­fris­ti­ger Lösungs­an­satz gegen Japans Arbei­ter­man­gel und Bevöl­ke­rungs­rück­gang ist, ist eine ande­re Frage.