In der neu­en Serie «Sight­see­ing with Jan» stel­le ich spe­zi­el­le Orte in Japan jen­seits der klas­si­schen Sehens­wür­dig­kei­ten vor.

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Sight­see­ing with Jan, Teil 2 – Die­sen Ort soll es bereits seit über 100 Jah­ren geben. Oder anders gesagt: Das Fujiya Hon­ten kann man auch als den Klas­si­ker aller Tachi­no­mi beschrei­ben. So wer­den auf Japa­nisch die zumeist engen Steh­bars bezeich­net, wo sich die erschöpf­ten Sala­ry­man am Ende eines lan­gen Arbeits­ta­ges aus­tau­schen, ein Bier trin­ken und klei­ne Häpp­chen essen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Im Fujiya Hon­ten, das jeweils nur von 17:00 bis 21:30 Uhr geöff­net hat, ist alles ein biss­chen nost­al­gi­scher und gemüt­li­cher. Der Ein­gang zum Lokal führt über eine Trep­pe in das Kel­ler­ge­schoss. Leucht­schil­der wei­sen den Weg. Unten erwar­tet den Gast eine ver­hält­nis­mäs­sig weit­räu­mi­ge Bar mit einem gros­sen vier­ecki­gen Tre­sen. Ver­gilb­te Wän­de, abge­nutz­te Holz­t­re­sen und alte Wer­be­pla­ka­te ver­strö­men eine Retro-Atmosphäre.

An den Wän­den hän­gen klas­si­sche Menü­schil­der sowie von Hand geschrie­be­ne Ver­sio­nen, ver­gilb­te Auto­gram­me von Stars und ein paar Fern­se­her für die ein­sa­men und gelang­weil­ten Gäs­te. Unzäh­li­ge Ven­ti­la­to­ren und Kli­ma­an­la­gen sor­gen in den Som­mer­mo­na­ten für die not­wen­di­ge küh­le Luft. Es scheint als wäre im Fujiya Hon­ten die Zeit irgend­wann in den 50ern ste­hen geblie­ben. Und genau dies macht den Charme die­ses Lokals aus.

Vom Hips­ter bis zum Pensionär

Vom jun­gen Hips­ter über den Sala­ry­man bis zum Pen­sio­när fin­det man hier alle mög­li­chen Kun­den. Es ist ein klei­ner Mikro­kos­mos der Mil­lio­nen­me­tro­po­le der sich am lan­gen Tre­sen ein­fin­det. In der Mit­te eilen die Ange­stell­ten von der einen zu ande­ren Ecke. Geträn­ke, Mini­kü­che, Mikro­wel­le und Geschirr­spü­ler, alles hat im Zen­trum die­ses Tachi­no­mi sei­nen Platz. Die preis­güns­ti­ge Häpp­chen erfül­len ihren Zweck. Hier geht man jedoch nicht hin, um köst­lich zu speisen.

Viel­mehr geht es dar­um die nost­al­gi­sche Atmo­sphä­re zu genies­sen und mit den Freun­den und Kol­le­gen anzu­stos­sen. Wenig über­ra­schend gibt es im Fujiya Hon­ten auch den Tokio­ter Klas­si­ker Hop­py. Das leicht alko­ho­li­sche Getränk galt in der Nach­kriegs­zeit in Kom­bi­na­ti­on mit dem hoch­pro­zen­ti­gen Shochu als bil­li­ger Bie­rer­satz. Heu­te erlebt Hop­py als Retro-Getränk wie­der ein Come­back. Und so ist das Fujiya Hon­ten einer die­ser spe­zi­el­len Orte in Tokio, wo die Nach­kriegs­jah­re noch rich­tig leben­dig sind.

Teil 1 von Sight­see­ing with Jan: Japans Sci­ence-Fic­tion-Land­schaft

Info

Fujiya Hon­ten, B1F, 2 – 3 Saku­ra­gao­k­a­cho, Shi­bu­ya-ku, Tokyo