Foto: flickr/​Hiko­sa­e­monPoli­zei­prä­senz beim Bahn­hof Shin­juku in Tokio.

2015 war für die Poli­zei ein Erfolgs­jahr. Gemäss der Sta­tis­tik der natio­na­len Poli­zei­be­hör­de wur­den im letz­ten Jahr 1’099’048 Straf­ta­ten regis­triert. Das sind fast 113’000 weni­ger als im vor­her­ge­hen­den Jahr (Asi­en­spie­gel berich­te­te) und die tiefs­te Zahl über­haupt in der gesam­ten Nach­kriegs­zeit. Bis­lang galt das Jahr 1973 mit 1’190’549 Straf­ta­ten das sichers­te Jahr der neue­ren Geschich­te des Landes.

Beim aller­gröss­ten Teil der Kri­mi­nal­fäl­le han­delt es sich um Dieb­stäh­le. 2015 waren es 807’605. Hin­zu kamen 108’562 schwe­re Dieb­stahls­de­lik­te. Bei der Bekämp­fung von Finanz­be­trug, Stal­king und häus­li­cher Gewalt sieht die Poli­zei noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, wie NHK News berichtet.

Gleich­zei­tig wur­den 933 Fäl­le von schwe­ren Gewalt­ta­ten wie Tötung oder ver­such­te Tötung regis­triert. Das ist erst das zwei­te Mal seit Kriegs­en­de, dass die Zahl unter 1000 gefal­len ist. Zuletzt war dies 2013 der Fall. In einem Land mit knapp 127 Mil­lio­nen Ein­woh­nern ist dies eine fast ver­schwin­dend klei­ne Zahl, auch wenn das japa­ni­sche Fern­se­hen in sei­nen Nach­rich­ten­sen­dun­gen ger­ne ein ande­res Bild zeichnet.

Das schlimms­te Jahr war 2002

Der Trend des all­ge­mei­nen Ver­bre­chens­rück­gangs ist nun seit 13 Jah­ren zu beob­ach­ten. Dabei sah es 2002 mit 2’853’739 Straf­ta­ten noch ganz anders aus. Sta­tis­tisch gese­hen waren jedoch die ers­ten zwei Jahr­zehn­ten der Nach­kriegs­ge­schich­te die gefähr­lichs­te Zeit. Das Land war nach der Nie­der­la­ge im Zwei­ten Welt­krieg am Boden. Es folg­ten poli­tisch und gesell­schaft­lich tur­bu­len­te Jah­re. 1954 kam es zu 3081 Mord­fäl­len. Die­se Zahl nimmt seit­her ste­tig ab.

Den Rück­gang im letz­ten Jahr erklärt sich die Poli­zei­be­hör­de mit einem ver­mehr­ten Ein­satz an Sicher­heits­ka­me­ras und einer Zunah­me an Bür­ger­pa­trouil­len in den Wohn­ge­bie­ten. Für die tie­fe Kri­mi­na­li­täts­ra­te gibt es jedoch ganz ver­schie­den Erklä­run­gen. Einer­seits gibt es in Japan eine enge sozia­le Ver­flech­tung in der Gesell­schaft, die zu einer anhal­tend tie­fen Ver­bre­chens­ra­te beiträgt.

Die star­ke und weit ver­teil­te Prä­senz der Poli­zei in den Städ­ten mit ihren Koban-Poli­zei­bo­xen (Asi­en­spie­gel berich­te­te) sowie die stren­gen Waf­fen­ge­set­ze (Asi­en­spie­gel berich­te­te) sind wei­te­re Fak­to­ren. Aus­ser­dem wird Japans Bevöl­ke­rung immer älter, die Ten­denz zu Auf­stän­den, Revo­lu­tio­nen und Ver­bre­chen wird damit ganz natür­lich abgeschwächt.

Die kri­ti­sche Sichtweise

Kri­ti­ker ver­wei­sen dage­gen, dass die Poli­zei unge­klär­te Mord­fäl­le zu schnell in die Sta­tis­tik der Selbst­mor­de oder Unfäl­le abschiebt. In Japan wer­den nur 10 Pro­zent der ver­däch­ti­gen Todes­fäl­le einer gerichts­me­di­zi­ni­schen Aut­op­sie unter­zo­gen. Von einer man­geln­der Auf­klä­rungs­ar­beit ist die Rede (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Zahl der Selbst­mor­de bleibt der­weil mit knapp 25’000 im Jahr noch immer sehr hoch, auch wenn sie in den letz­ten Jah­ren rück­läu­fig war (Asi­en­spie­gel berich­te­te).