Foto: flickr/​EU Huma­ni­ta­ri­an Aid and Civil Pro­tec­tionEin von Japan bezahl­tes UNHCR-Pro­jekt im Tschad.

2015 war geprägt von der Flücht­lings­kri­se. Auch Japan ver­mel­det einen Rekord an Asyl­ge­su­chen. Im Ver­gleich zu Euro­pa muten die Zah­len aber sehr beschei­den an. 7586 Gesu­che waren es und davon wur­den gera­de mal 27 Men­schen als Flücht­lin­ge aner­kannt, wie NHK News berich­tet. Im Ver­gleich zum letz­ten Jahr ist dies eine Stei­ge­rung um 16 Per­so­nen. Unter allen Gesuchs­stel­lern stamm­ten ledig­lich 5 aus Syri­en, 3 von ihnen wur­den schliess­lich aner­kannt. Ande­re Flücht­lin­ge, die Japan auf­ge­nom­men hat sind aus Afgha­ni­stan, Äthip­o­i­en und aus Sri Lanka.

Die­se Zahl von 27 erhöht sich, wenn man auch die Men­schen mit­ein­be­zieht, denen Japan aus huma­ni­tä­ren Grün­den ein Blei­be­recht gewährt. 79 waren es 2015. Das sind wie­der­um so weni­ge wie noch nie. 2009 waren es noch 501 und selbst im letz­ten Jahr nahm Japan noch 110 zusätz­li­che Men­schen aus huma­ni­tä­ren Grün­den auf.

In kei­nem ande­ren Land der G – 7 — Grup­pe leben so weni­ge Flücht­lin­ge wie in Japan. Das hat einer­seits mit der geo­gra­phi­schen und ande­rer­seits mit sei­ner Geschich­te zu tun. Die insu­la­re und abge­le­ge­ne Lage hat dazu geführt, dass Japan mit der Ein­füh­rung des Flücht­lings­sta­tus jah­re­lang zuwar­ten konn­te. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat­te das Land zudem mit dem eige­nen Wie­der­auf­bau so viel zu tun, dass eine Auf­nah­me von Flücht­lin­gen gar nicht zur Debat­te stand.

Der Viet­nam­krieg

Mit dem Ende des Krie­ges in Viet­nam war Japan erst­mals mit einer Flücht­lings­wel­le kon­fron­tiert. Aus huma­ni­tä­ren Grün­den nahm Tokio damals meh­re­re tau­sen­de Flücht­lin­ge aus Viet­nam, Kam­bo­dscha und Laos auf (exakt 11’319 zwi­schen 1978 und 2005).

Basie­rend auf die­sen Erfah­run­gen ent­schloss sich Japan 1981, der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on bei­zu­tre­ten. 1982 folg­te die Ein­füh­rung eines Sys­tems für Asyl­an­trä­ge. Letzt­end­lich haben nur weni­ge davon pro­fi­tiert. Abge­se­hen von den Flücht­lin­gen aus Viet­nam, Kam­bo­dscha und Laos haben in Japan seit 1982 gera­de mal 660 Men­schen einen Flücht­lings­sta­tus erhal­ten. Wei­te­re 2446 Men­schen wur­den bis heu­te aus huma­ni­tä­ren Grün­den aufgenommen.

Die Über­be­völ­ke­rung in den urba­nen Gebie­ten, eine sta­gnie­ren­de Wirt­schaft und eine Gesell­schaft, die grund­sätz­lich kei­ne Immi­gra­ti­on kennt, wer­den ger­ne als Grün­de für die hohe Ableh­nungs­quo­te genannt. Aus­ser­dem gilt es seit 2011 eine eige­ne gros­se Kata­stro­phe zu bewältigen.

Schrump­fen­de Bevölkerungszahl

Dabei gäbe es durch­aus sinn­vol­le Grün­de für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen. Japans Bevöl­ke­rung schrumpft. Laut neus­ten Sta­tis­ti­ken wird die Zahl der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung bis 2030 noch­mal um 12 Pro­zent zurückgehen.

Pre­mier Abe hat jedoch betont, dass er die­ses demo­gra­phi­sche Pro­blem zuerst mit der Erhö­hung der Gebur­ten­ra­te sowie mit der ver­bes­ser­ten Inte­gra­ti­on der Frau­en und älte­ren Men­schen in den Arbeits­pro­zess zu lösen geden­ke (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Gross­zü­gi­ger Uniqlo-Besitzer

Und so lan­ge wird Japan beim Flücht­lings­pro­blem vor allem finan­zi­el­le und logis­ti­sche Unter­stüt­zung leis­ten. Mit einem aktu­el­len Jah­res­bei­trag von 167 Mil­lio­nen US-Dol­lar ist das Land nach den USA, die fast 1 Mil­li­ar­de US-Dol­lar auf­wen­den, der zweit­gröss­te Net­to­zah­ler bei der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung des UN-Flücht­lings­werks (UNHCR).

Von den Pri­va­ten gilt beson­ders Tada­shi Yanai, Besit­zer der Klei­der­la­den­ket­te Uni­q­lo als beson­ders enga­giert. Allei­ne 2013 spen­de­te sein Unter­neh­men 2,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Aus­ser­dem hat er ange­kün­digt, ver­mehrt Flücht­lin­ge bei Uni­q­lo beschäf­ti­gen zu wol­len und in den nächs­ten drei Jah­ren 9,3 Mil­lio­nen Euro spen­den zu wol­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te).