News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Zwei entscheidende Tage fürs Leben

Die Prüfung beginnt. (Screenshot: youtube/ ANNnewsCH)

Die Prüfung beginnt. (Screenshot: youtube/ ANNnewsCH)

Es ist ein Ritual, das sich jedes Jahr im Januar wiederholt: Die nationale Aufnahmeprüfung für die Universitäten, auf Japanisch Sentā Shiken oder ganz einfach Sentā genannt. Dieses Wochenende ist es wieder soweit. Für die Schüler sind es zwei lange Tage der Wahrheit.

Dann entscheidet sich, ob ihre Leistungen für die Aufnahme an einer ihrer favorisierten Universitäten ausreichen oder ob sie als sogenannte «Rōnin» ein Jahr aussetzen müssen, um die ganze lange Prozedur zu wiederholen. Rund ein Fünftel aller Teilnehmer an einem Sentā Shiken sind Rōnin.

Dieses Jahr haben 563’768 Studenten in 693 Testzentren im ganzen Land teilgenommen, wie die Asahi Shimbun berichtet. Das sind 4636 mehr als noch 2015. Jeweils am Samstag werden die Teilnehmer in einem standardisierten Test in Geographie, Geschichte, Staatskunde, Literatur und Fremdsprachen geprüft. Am Sonntag sind sie in den Fächern Mathematik, Chemie, Biologie und Physik gefordert. Examensstart und -ende finden landesweit zur gleichen Zeit statt.

Der Test, der die Weichen stellt

Das Resultat dieses umfangreichen Tests dient schliesslich 850 staatliche sowie privaten Universitäten als Grundlage für die Bewertung ihrer Bewerber. Für viele private Universitäten reicht dies gewöhnlich aus. Die nationalen, öffentlichen Hochschulen hingegen verlangen von ihren potentiellen Studenten noch einen zweiten, eigenen Test.

Und so ist Sentā Shiken ein prägendes Ereignis für die jungen Japaner. Entsprechend intensiv berichten die nationalen Medien darüber. Für die Familien bedeuten diese Tage im Januar viel Stress. Der Blick auf die Wettervorhersage und die Verkehrsmeldungen wird zum absoluten Muss. Die Hotels in den Gegenden der Testzentren sind zu dieser Zeit restlos ausgebucht. Es gilt alles zu unternehmen, damit das Kind pünktlich beim Testzentrum erscheint. Denn ein Nachtermin für den Test wird nur in sehr seltenen Fäll gewährt.

Begonnen hat dieses Phänomen Ende der 1970er-Jahre, als man einen landesweiten, standardisierten Test einführte unter Aufsicht der Bildungsbehörde National Center for University Entrance Examinations, die eigens für diese Eintrittsprüfungen geschaffen wurde.

Bald schon ein neues System

Dieses System der einmal pro Jahr stattfindenden Prüfung ist jedoch stark in die Kritik geraten. Zu viel hängt vom Befinden des Teilnehmers an jenen zwei Tagen ab. Viele können mit diesem Druck schlichtweg nicht umgehen.

Das Bildungsministerium plant derzeit eine umfassende Reform, wie die Mainichi Shimbun berichtet. Demnach sollen die Highschool-Schüler künftig die Möglichkeit haben, zwei bis drei Mal im Jahr einen sogenannten Leistungstests abzulegen, um dann das beste Resultat für die Universitätsbewerbung verwenden zu können. Dieses Prüfungssystem soll zirka im Jahr 2020 starten.

Ausserdem hat die tiefe Geburtenrate und der damit einhergehende Bevölkerungsrückgang ohnehin zu einer veränderten Universitätslandschaft geführt. Immer mehr Universitäten drohen die Studenten auszugehen. Der Konkurrenzkampf von einst beschränkt sich heute vor allem auf die Top-Universitäten. Aus diesem Grund sind viele, private Universitäten dazu übergangen, die Leistungstest nicht mehr zu berücksichtigen und stattdessen ihre Studenten aufgrund von Empfehlungen der Highschool aufzunehmen.

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