News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Das Navi im Megabahnhof Shinjuku

Ein kleiner Teil des Bahnhofs Shinjuku. (Foto: flickr/ Dick Thomas Johnson)

Ein kleiner Teil des Bahnhofs Shinjuku. (Foto: flickr/ Dick Thomas Johnson)

Es gibt Leute, die den Bahnhof Shinjuku wenn immer möglich meiden. Denn die Chance sich hier zu verlaufen, ist sehr hoch. Dieser Tokioter Bahnkomplex bricht alle Rekorde. Lauf offiziellen Zahlen des Guinness Buch der Rekorde halten sich hier täglich 3,64 Millionen Passagiere auf. Damit ist Shinjuku der belebteste Bahnhof der Welt. Zum Vergleich: grosse europäische Bahnhöfe wie Frankfurt, Zürich, Hamburg oder Berlin werden täglich von rund 350’000 bis 450’000 Passagieren benutzt (Asienspiegel berichtete).

Speziell am Bahnhof Shinjuku ist, dass er über die Jahre nie zu einer Station für den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aufgewertet wurde. Shinjuku hat erst über die Jahrzehnte an Wichtigkeit gewonnen. Als man 1885 den Bahnhof eröffnete, war dieser Ort im Westen Tokios noch eine ruhige Wohngegend. Der Ausbau folgte in kleinen Etappen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Ort zum Finanz- und Verwaltungszentrum Tokios mit dem Bahnhof als wichtiger Umsteigeplatz. 36 Geleise und 200 Ausgänge zählt der Koloss heute.

Die Architektur wirkt entsprechend chaotisch. Nicht nur Touristen, sondern auch Japaner haben Mühe, hier problemlos ans Ziel zu gelangen. Kartendienste sind hier nicht wirklich effizient. Durch die vielen Stockwerke versagt der GPS seinen Dienst.

Mit der App durch Shinjuku

Bahnbetreiber JR East versucht nun, mit der neuen App Ekikōnai-nabi fürs Smartphone Orientierung in das Labyrinth Shinjuku zu bringen. Anhand von lokalen Tracking-Stationen, die sich über Bluetooth mit der App verbinden, hat der Passagier damit die genaue Übersicht wo er genau steht.

Gleichzeitig weist die App wie bei einem Navigationsgerät den Weg zum eingegebenen Ziel. Ausserdem kann sich der Nutzer auf der digitalen Bahnhofskarte zur einfacheren Orientierung Schalterstationen, Geschäfte oder Geldautomaten anzeigen lassen, die er bereits kennt. Und man kann in Echtzeit nachschauen, wo gerade Schliessfächer frei sind.

Auch auf Englisch verfügbar: Mit der App weiss man immer, wo man steht. (Foto: JR East)

Auch auf Englisch verfügbar: Mit der App weiss man immer, wo man steht. (Foto: JR East)

Die App befindet sich laut Pressemitteilung noch in einer Testphase, die bis zum 18. März andauern wird. iPhone- wie auch Android-Nutzer können sie herunterladen. Die App bietet zudem auch eine englische Sprachoption an. Denselben Dienst hat man bereits vor einigen Monaten für den Bahnhof Tokio aufgeschaltet, der mit 750’000 Passagieren täglich ebenfalls über eine beeindruckende Grösse verfügt.

Der gefährliche Aspekt

Nur ein Problem gibt es mit der App: sie steht im Widerspruch zur Bitte der Bahnbetreiber, auf den Gebrauch des Smartphones beim Gang durch den Bahnhof zu verzichten (Asienspiegel berichtete). Bei so grossen Komplexen wie den Bahnhöfen Shinjuku und Tokio scheint man jedoch eine Ausnahme machen zu wollen. Zumindest wird in der App-Beschreibung auf die Gefahr hingewiesen.

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