Foto: wikimedia/​hirorinmasaDas AKW Taka­ha­ma in der Prä­fek­tur Fukui.

Das Bezirks­ge­richt von Otsu in der Prä­fek­tur Shi­ga hat in einem Urteil ange­ord­net, das Ende Janu­ar wie­der hoch­ge­fah­re­ne AKW Taka­ha­ma abzu­schal­ten, wie NHK News berich­tet. Die von Betrei­ber Kan­sai Elec­tric Power aus­ge­ar­bei­te­ten Not­fall- und Eva­ku­ie­rungs­mass­nah­men bei einem Unfall oder einem Tsu­na­mi sei­en unge­nü­gend, heisst es. Das Urteil gilt für bei­de wie­der betriebs­fä­hi­gen Reak­to­ren 3 und 4. Die­se einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ist in die­ser Form ein Novum. Erst­mals über­haupt hat ein Gericht einen Stopp eines AKW ange­ord­net, das die stren­ge­ren Sicher­heits­prü­fun­gen nach Fuku­shi­ma bestan­den hat und wie­der in Betrieb genom­men wurde.

Die Kla­ge ein­ge­reicht hat­ten 29 Bewoh­ner der Prä­fek­tur Shi­ga. Das AKW Taka­ha­ma ist zwar in der Prä­fek­tur Fukui, doch die Nach­barsprä­fek­tur Shi­ga liegt teil­wei­se im 30-Kilo­me­ter-Radi­us, in dem ent­spre­chen­de Eva­ku­ie­rungs­plä­ne für den Not­fall aus­ge­ar­bei­tet wer­den müs­sen. Nach den Erfah­run­gen von Fuku­shi­ma hat­te die Regie­rung die­sen Radi­us von 10 auf 30 Kilo­me­ter erwei­tert. Die Klä­ger hat­ten Sicher­heits­be­den­ken geäus­sert. Bei einem Unfall wür­den unzäh­li­ge Men­schen in der Regi­on der Radio­ak­ti­vi­tät aus­ge­setzt. Auch der Biwa-See, der gröss­te Süss­was­ser­see des Lan­des und Was­ser­re­ser­voir für 14 Mil­lio­nen Men­schen, wäre betroffen.

Kan­sai Elec­tric Power hat den Pro­zess zur Abschal­tung des Reak­tors 3 bereits ein­ge­lei­tet. Gleich­zei­tig hat der Strom­pro­du­zent ange­kün­digt, in Beru­fung zu gehen. Der Fall wird in einem zwei­ten Schritt von einem ande­ren Rich­ter erneut beur­teilt wer­den. Die Regie­rung nahm das Urteil eben­falls zur Kennt­nis, beton­te zugleich aber, man am Wie­der­hoch­fah­ren der für sicher befun­de­nen AKW-Reak­to­ren fest­hal­ten wolle.

Urtei­le und Pan­nen im AKW Takahama

Für das AKW Taka­ha­ma ist dies nur einer von ganz vie­len Rück­schlä­gen. Im April 2015 unter­sag­te das Bezirks­ge­richt von Fukui ein Wie­der­hoch­fah­ren der Reak­to­ren 3 und 4, obwohl die Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de (NRA) das Kern­kraft­werk nach Sicher­heits­an­pas­sun­gen für sicher befun­den hat­te. Schliess­lich wur­de das gericht­li­che Ver­bot wie­der gekippt.

Und so wur­de nach dem Reak­tor 3 im Janu­ar zuletzt auch der Reak­tor 4 im Febru­ar wie­der­hoch­ge­fah­ren. Letz­te­rer muss­te jedoch nach einer Pan­ne wie­der einst­wei­lig abge­schal­tet wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te) und wird nach dem neus­ten Urteil fürs Ers­te nicht wie­der hochgefahren.

25 Reak­to­ren durch­lau­fen Sicherheitstests

Für die Anti-AKW-Bewe­gung ist das Urteil von Otsu ein Licht­blick. Zuletzt hat­te sie nur noch mit Nie­der­la­gen zu kämp­fen. Letz­tes Jahr wur­de im AKW Sen­dai bei Kago­shi­ma nach zwei Jah­ren «AKW-Null-Zustand» die ers­ten 2 von 43 AKW-Reak­to­ren wie­der in Betrieb genom­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Dar­auf­hin folg­te das AKW Taka­ha­ma. Wei­te­re 25 Reak­to­ren durch­lau­fen zur­zeit Sicher­heits­tests (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Das Urteil im Fall AKW Taka­ha­ma zeigt nun aber, dass durch­aus noch lan­ge nicht alle Fra­gen bezüg­lich der Sicher­heit geklärt sind. Der AKW-Fahr­plan der Regie­rung ist somit ins Sto­cken gera­ten. Gleich­zei­tig ist es aber auch so, dass es immer wie­der Urtei­le gegen den AKW-Betrieb gege­ben hat, die­se jedoch in den aller­meis­ten Fäl­len wie­der gekippt wurden.