Der wert­lo­se Regenschirm

Foto: flickr/​francisco.castroEin Weg­werf­pro­dukt: Der Regenschirm.

Eigent­lich gel­ten die Japa­ner als über­aus zuver­läs­sig und kor­rekt. Gestoh­len wird kaum etwas. Ver­lo­re­ne Wert­ge­gen­stän­de fin­den über­durch­schnitt­lich oft den Weg zurück zum Besit­zer. Doch bei einem Gegen­stand gibt es für die Japa­ner kei­ne Sorg­falts­pflicht: Es ist der Plas­tik­re­gen­schirm, der an reg­ne­ri­schen Tagen das Stadt­bild in Japan dominiert.

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Die­se sind für rund 500 Yen in jedem Mini­markt erhält­lich. Berühmt wur­de die­se Art von Schirm im Wes­ten durch Sofia Cop­po­las Film Lost in Trans­la­ti­on. Scar­lett Johans­son schlen­dert dar­in mit die­sem klas­si­schen Bil­lig-Plas­tik­schirm in der Hand durchs ver­reg­ne­te Tokio. Doch so kul­tig sie sein mögen, für die Japa­ner sind die­se Regen­schir­me Weg­werf­pro­duk­te auf dem Niveau von Plastiktüten.

Kein ande­res Pro­dukt wird so oft in Zügen und Bahn­hö­fen beden­ken­los lie­gen gelas­sen. Um gegen die­se Weg­werf­men­ta­li­tät vor­zu­ge­hen, bie­ten immer mehr Läden, Bahn­hö­fe aber auch Geträn­ke­au­to­ma­ten-Betrei­ber ein kos­ten­lo­ses Schirm­ver­leih-Sys­tem an (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bei Regen darf sich jeder bedie­nen. Zurück­ge­ben kann man die Regen­schir­me zu einem belie­bi­gen Zeitpunkt.

Leih­schir­me in Hakodate

Das Sys­tem soll­te eigent­lich nur Vor­tei­le haben. Der Weg­werf­men­ta­li­tät wird ein Ende gesetzt und gleich­zei­tig bie­tet die Schir­me den Ver­trei­bern eine idea­le Wer­be­flä­che. Auch in der Stadt Hako­da­te auf Hok­kai­do hat­te eine PR-Orga­ni­sa­ti­on, die sich für die För­de­rung der neu­en Shink­an­sen-Ver­bin­dung (Asi­en­spie­gel berich­te­te) auf der Nord­in­sel ein­setzt, den­sel­ben Gedanken.

Sie spon­ser­te der Stadt einen kos­ten­lo­sen Regen­schirm­ver­leih. Es soll­te ein gast­freund­schaft­li­cher Dienst an die Tou­ris­ten sein. Ende März wur­den 1500 Regen­schir­me mit dem Logo von Hako­da­te zur Ver­fü­gung gestellt und an sechs Orten in der Stadt plat­ziert. Kommt es zu einem plötz­li­chen Regen­schau­er, darf sich jeder bedie­nen und den Regen­schirm zu einem belie­bi­gen Zeit­punkt an irgend­ei­ner Sta­ti­on zurückgeben.

Der Gross­teil ist verschwunden

Nach nur drei Mona­ten ist jedoch Ernüch­te­rung ein­ge­tre­ten, wie die Hok­kai­do Shim­bun berich­tet. Von den 1500 Stück ist der Gross­teil ver­lo­ren gegan­gen oder nie wie­der zurück­ge­ge­ben wor­den. Im Mai zähl­te man an den sechs Sta­tio­nen nur 100 Stück. Die Stadt kauf­te in der Fol­ge wei­te­re 500 Regen­schir­me. Inzwi­schen ist der Bestand auf 400 gefallen.

Zuerst ver­mu­te­te der Betrei­ber, dass die Tou­ris­ten die Schir­me womög­lich ein­fach in den Hotels lie­gen gelas­sen hät­ten. Dort wur­den jedoch ledig­lich 13 Stück aus­fin­dig gemacht. Die­se Erkennt­nis führt nun zum Schluss, dass ein Gross­teil der Bewoh­ner von Hako­da­te die Leih­schir­me benut­zen und sie letzt­end­lich wohl ein­fach zuhau­se oder an einem ande­ren Ort ver­ges­sen. Eine Rück­ga­be scheint für nie­man­den Prio­ri­tät zu haben.

Von 1500 nur noch 40 übrig

Eigent­lich plan­te man, ein­mal im Jahr den Bestand auf­zu­sto­cken. Die der­zei­ti­ge Geschwin­dig­keit, mit der die Rege­ni­schir­me ver­lo­ren gehen, zwingt die Betrei­ber nun, das gesam­te Ver­leih­sys­tem zu über­den­ken. Immer­hin kos­tet ein Stück stol­ze 400 Yen. Offen­bar ist Hako­da­te nicht allei­ne. Auch in der tou­ris­ti­schen Stadt Otaru, eben­falls auf der Nord­in­sel, steht man vor dem sel­ben Pro­blem. 1500 Leih­schir­me stell­te man hier an 17 Orten zur Ver­fü­gung. Nach einem Jahr blie­ben nur noch 40 übrig. 240 Regen­schir­me kauf­te die Stadt hin­zu. Auch die­se wer­den wohl frü­her oder spä­ter für immer verschwinden.

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