Foto: flickr/​IIP Pho­to Archi­veLove Wins: Die Tokyo Rain­bow Pri­de 2016 in Tokio.

Als Shi­bu­ya im Febru­ar 2015 ankün­dig­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re mit einer Ver­ord­nung zu ermög­li­chen und dies im Novem­ber 2015 umsetz­te, war die Über­ra­schung per­fekt. Der Tokio­ter Bezirk wag­te es, ein Tabu-The­ma poli­tisch zu the­ma­ti­sie­ren – und lös­te damit einen Domi­no-Effekt aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Tokios bevöl­ke­rungs­reichs­ter Bezirk Setaga­ya zog fast zeit­gleich mit Shi­bu­ya nach. Auch in den länd­li­chen Gegen­den schau­te man genau hin. So führ­te im April die­ses Jah­res die Klein­stadt Iga in der Prä­fek­tur Mie eben­falls die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ein (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Stadt mit unkon­ven­tio­nel­ler Geschichte

Nur zwei Mona­te spä­ter gesellt sich bereits die vier­te poli­ti­sche Gemein­de hin­zu, wie die Asahi Shim­bun berich­tet. Es ist die zwi­schen Kobe und Osa­ka gele­ge­ne Stadt Taka­ra­zu­ka in der Prä­fek­tur Hyo­go. Der Ort mit sei­nen über 200’000 Ein­woh­nern moch­te schon immer das Unkon­ven­tio­nel­le. 1913 schuf Ichi­zo Koba­ya­shi, Grün­der der Han­kyu-Bahn, die Taka­ra­zu­ka Revue – eine Musi­cal-Thea­ter­grup­pe, die aus­schliess­lich aus Frau­en besteht und bekann­te Geschich­ten aus Japan, Chi­na sowie dem Wes­ten adap­tiert. Die Frau­en­trup­pe war eine Ant­wort auf das klas­si­sche Kabu­ki-Thea­ter, wo ledig­lich Män­ner mitspielen.

Die Taka­ra­zu­ka Revue besitzt ihr eige­nes rie­si­ges Thea­ter, zählt jähr­lich 2,5 Mil­lio­nen Zuschau­er und hat ins­be­son­de­re die japa­ni­sche Man­ga- und Anime­kul­tur der Nach­kriegs­zeit geprägt. Auf die Arbeit von Man­ga-Legen­de Osa­mu Tezu­ka (Asi­en­spie­gel berich­te­te), der in Taka­ra­zu­ka auf­wuchs und die Revue als Kind besuch­te, hat­te sie nach­weis­lich einen nach­hal­ti­gen Einfluss.

Nun macht sich Taka­ra­zu­ka auch bei der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft zu einem Vor­rei­ter. Die dor­ti­gen Behör­den haben zudem ange­kün­digt, dass man Woh­nun­gen, die im Besitz der Stadt sind, künf­tig auch an homo­se­xu­el­le Paa­re ver­mie­ten wer­de. Bis­lang war dies nicht mög­lich, da die­se nur an Ehe­paa­re und Fami­li­en ver­ge­ben wer­den konnten.

Oki­na­wa folgt

Es wird nicht bei Shi­bu­ya, Setaga­ya, Iga und Taka­ra­zu­ka blei­ben. Oki­na­was Haupt­stadt Naha wird bereits im Juli nach­zie­hen und ent­spre­chen­de Part­ner­schafts­zer­ti­fi­ka­te ausstellen.

Auch die Wirt­schaft hat die Zei­chen der Zeit erkannt. Gross­kon­zer­ne wie Pana­so­nic oder IBM haben ange­kün­digt, dass gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re, die ihre Part­ner­schaft ein­ge­tra­gen haben, in den Genuss aller sozia­ler Vor­zü­ge kom­men, die bereits ver­hei­ra­te­ten Ange­stell­ten zuste­hen. Bei­spiels­wei­se wird es mög­lich sein, bei fami­liä­ren Hoch­zei­ten oder Beer­di­gun­gen in der Fami­lie frei zu neh­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Inzwi­schen haben zahl­rei­che Unter­neh­men, wie die gros­sen Tele­kom­fir­men, ange­fan­ge, die ange­bo­te­nen Fami­li­en­ra­bat­te auf gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re aus­zu­wei­ten. Die Stadt Nara hat der­weil ein Bud­get gespro­chen, um die loka­le Tou­ris­mus­bran­che mit der LGBT-Kul­tur ver­traut zu machen, um die­se als Kund­schaft künf­tig vor­ur­teils­los und gast­freund­lich will­kom­men zu heissen.

Die neue Offenheit

Die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft, wenn auch nicht recht­lich bin­dend, soll im All­tag Dis­kri­mi­nie­run­gen, wie bei­spiels­wei­se bei der gemein­sa­men Woh­nungs­su­che oder bei einem Besuch des Part­ners im Kran­ken­haus, besei­ti­gen hel­fen. Aus­ser­dem kön­nen die Behör­den in Shi­bu­ya Leu­te und Unter­neh­men bestra­fen, denen man ein dis­kri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten gegen­über sexu­el­len Min­der­hei­ten nach­wei­sen kann.