News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Der Tsukiji-Fischmarkt bleibt vorerst

Eigentlich war schon alles gebaut, vorbereitet und geplant. Am 2. November sollte die letzte Thunfischauktion im alten Tsukji-Fischmarkt in Tokio stattfinden und schon am 7. November würde nach 15-jähriger Planungs- und Bauzeit der neue Fischmarkt in Toyosu, 2,3 Kilometer südlich von Tsukiji, für rund 600 Grosshändler eröffnet. Der Countdown lief, der 580 Milliarden Yen (5 Mia Euro) teure Neubau in Toyosu war fertiggestellt.

Doch nun erhält der 1935 gebaute, altehrwürdige Tsukiji-Fischmarkt offenbar einen neue Chance – zumindest für ein paar Monate. Tokios neue Gouverneurin Yuriko Koike hat diesen Umzugstermin nun verschieben, wie sie heute in einer Pressekonferenz mitteilte. An der neuen Stätte in Toyosu soll das Grundwasser erneut auf mögliche Verschmutzungen getestet werden. Die Sicherheit für die Verbraucher habe oberste Priorität, wie sie sagte.

Ein altbekanntes Problem

Es ist ein Problem, das den neuen Ort schon länger belastet. Der städtische Gasproduzent Tokyo Gas betrieb hier zwischen 1956 und 1976 eine Fabrik, die für den Ort zu einer Umweltbelastung wurde. Die Erde und das Grundwasser auf dem Toyosu-Areal war derart stark mit krebserregendem Benzol und Zyanid verseucht, dass die Dekontamination länger dauerte als geplant (Asienspiegel berichtete).

Der Aufwand war gigantisch. Rund zwei Meter der obersten Erdschicht wurden komplett abgetragen und mit neuer Erde ersetzt. Trennwände mussten gebaut und verseuchtes Grundwasser abgepumpt werden. Nach jahrelanger Arbeit erklärten die Behörden den Ort für sicher und sauber.

Die Sorgen vieler Fischhändler und Konsumentenschutzverbänden konnten damit aber nicht beseitigt werden. Sie beklagten sich zudem, dass ihre Meinungen bei der Planung und der Ausgestaltung des neuen Fischmarktes in Toyosu nicht genügend berücksichtigt worden seien. Eine Kritik lautet, dass die Räumlichkeiten für die Grosshändler zu eng bemessen seien. Man fühlte sich von Behörden und den Interessen der Wirtschaft umgangen. Andere Händler hielten den Umzugstermin am Jahresende für unpassend, da es sich um eine der profitabelsten Zeiten handelt.

Erste Resultate im Januar 2017

Nun scheint bei einem Teil der Fischhändler neue Hoffnung aufzukommen. Gouverneurin Koike hat angeordnet, das Grundwasser und die allgemeinen Bedingungen in Toyosu nochmals gründlich unter die Lupe zu nehmen. Mit ersten Resultaten kann erst im Januar 2017 gerechnet werden. Auch die horrenden Kosten und die bisherige undurchsichtige Informationspolitik sind ein Thema. So lange wird der altehrwürdige und bei Besuchern äusserst beliebte Tsukiji-Fischmarkt offen bleiben. Die vielen Touristen, die sich unbedingt noch die frühmorgendliche Thunfischauktion anschauen wollten (Asienspiegel berichtete), wird es ebenfalls freuen.

Übrigens wird der historische Ort in Tsukiji – selbst nach einem Umzug nach Toyosu – nicht ganz verschwinden. Der sogenannte äussere Markt in Tsukiji, der allen zugänglich ist und bis heute mit seinen engen Gässchen, unzähligen Ständen und Restaurants den Charme der Nachkriegszeit versprüht, wird erhalten bleiben. Hier entsteht sogar ein neuer Komplex mit 61 Lebensmittelgeschäften für die Händler. Dieses Gebäude mit dem Namen Tsujiki Uogashi soll zum neuen Zentrum des äusseren Marktes werden.

Die Thunfischauktion in Tsukiji. (Foto: Asienspiegel)

Die Thunfischauktion in Tsukiji. (Foto: Asienspiegel)

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