News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Kaiser deutet Rücktrittswunsch an

Kaiser Akihito während seiner Fernsehansprache. (Screenshot: youtube/ANNnewsCH)

Kaiser Akihito während seiner Fernsehansprache. (Screenshot: youtube/ANNnewsCH)

In einer seltenen Fernsehansprache hat der 82-jährige japanische Kaiser Akihito, seinen Wunsch nach einem vorzeitigen Rücktritt angedeutet. Damit bestätigte er die Gerüchte, die seit einigen Woche kursieren, vom Hofamt aber jeweils dementiert wurde (Asienspiegel berichtete).

Er äusserte seine Sorge, dass es mit fortgeschrittenem Alter schwieriger werde, mit voller Kraft die Aufgabe als Symbol der Nation zu erfüllen. Er sprach in einer 10-minütigen Rede von seinen zwei Operationen, seinen täglichen Aufgaben und der nachlassenden körperlichen Kraft, ohne direkt von einer Abdankung zu sprechen. Denn dem Kaiser ist per Verfassung jeglicher politischer Einfluss untersagt.

Die Botschaft ist dennoch klar. Tenno Akihito hat damit Regierung und Parlament indirekt gebeten, die entsprechenden Massnahmen zu ergreifen, um ihm einen Rücktritt zu ermöglichen. Denn das Gesetz über die kaiserliche Familie kennt keine Regelung für diesen Fall. Die Amtszeit eine japanischen Kaisers endet seit Beginn der Meiji-Zeit 1868 jeweils mit dessen Tod. Der letzte Thronwechsel fand 1989 statt, nachdem Kaiser Hirohito nach 63-jähriger Amtszeit verstorben war.

Der letzte Kaiser, der noch zu Lebzeiten einem Nachfolger wich, war Kaiser Kokaku im Jahr 1817. Zuvor war die Abdankung jedoch nichts Unübliches. Immer wieder wurden die Tennos vom Shogunat gezwungen, vorzeitig zurückzutreten. Unter den 125 Kaisern trat rund die Hälfte zu Lebzeiten ab.

Starker Wandel

Die Rolle des Kaisers hat sich stark gewandelt. Seit 1947 ist der Tenno per Verfassung nicht mehr das Staatsoberhaupt, sondern lediglich noch ein Symbol. Die US-Besatzer entzogen dem Kaiser und dem Hofstaat damit jegliche Macht. Seither hat er ausschliesslich eine repräsentative Funktion.

Akihito verkörpert diese Rolle in Perfektion. Im Gegensatz zu seinem Vater Hirohito, in dessen Namen Japan im Zweiten Weltkrieg kämpfte und der dadurch ein zwiespältiges Bild hinterliess, ist Akihito der erste Kaiser, der unter den neuen Verfassung inthronisiert wurde. Er gilt als ein überzeugter Vertreter der pazifistischen Verfassung. Trotz seines praktisch inexistenten politischen Aktionsradius verstand er es stets, klare symbolische Worte und Gesten zu finden und indirekt Kritik an denen zu üben, die noch heute versuchen, die japanische Kriegsvergangenheit zu rechtfertigen (Asienspiegel berichtete).

Ein nahbarer Kaiser

Akihito ist auch so nahbar wie kein anderer Kaiser vor ihm. Er heiratete mit Michiko Shoda eine Bürgerliche. Nach Naturkatastrophen, wie beispielsweise 2011, besuchte er wiederholt die Krisenregionen und suchte das Gespräch mit der Bevölkerung. Es sind diese Gesten und Worte, die ihm in Japan einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung eingebracht haben.

Gemäss der Asahi Shimbun zeigen erste Umfragen, dass 84 Prozent der Befragten seinen Wunsch nach einer Abdankung unterstützen. Auch Premierminister Shinzo Abe hat schon früher angedeutet, die Botschaft des Kaisers ernst zu nehmen. Damit verbunden ist ein aufwendiger politischer Prozess, bei dem zahlreiche Fragen geklärt werden müssen. Und so passt auch dieser Schritt zu Akihitos modernen Interpretation des Kaiserhauses. Nachfolger wäre sein 56-jähriger Sohn Naruhito. Dieser hat schon früher angekündigt, den Stil seines Vaters weiterführen zu wollen.

Eine Abdankung hätte Auswirkungen auf die traditionelle Zeitrechnung. In Japan schreibt man heute offiziell das Jahr «Heisei 28». Heisei (kann als «Friede überall» übersetzt werden) ist die Äradevise des derzeitigen Kaisers Akihito und die Zahl steht für dessen Amtsjahre. Mit einem Thronwechsel würde es mit einer neuen Devise zurück zum Jahr 1 gehen (Asienspiegel berichtete).

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