Das Bade­mäd­chen und der Aal

Die Klein­stadt Shi­bu­shi in der Prä­fek­tur Kago­shi­ma ganz im Süden von Kyus­hu ist bekannt für ihren Aal, auf Japa­nisch Unagi genannt. Es han­delt sich um eine Lieb­lings­spei­se der Japa­ner, die jeweils im Som­mer kon­su­miert wird. Um die Nach­fra­ge decken zu kön­nen, herrscht in Zucht­far­men wie in Shi­bu­shi jeweils Hoch­be­trieb. Hier wer­den im Win­ter und Früh­ling die gefan­ge­nen Jun­gaal-Wild­be­stän­de gefüt­tert und gross­ge­zo­gen, um sie im Som­mer auszuliefern.

Janu­ar 2021 – Die­ser Japan-Blog kann auch 2021 nur mit der akti­ven Unter­stüt­zung der Leser über­le­ben. Mit einem Abo sichern sie die Zukunft des Asi­en­spie­gels. Vie­len Dank!

Um für die­se kuli­na­ri­sche Spe­zia­li­tät zu wer­ben, hat Shi­bu­shi einen 2-minü­ti­gen Film dre­hen las­sen (sie­he Video oben). Ziel war es, auf das lan­des­wei­te Steu­er­spen­de­pro­gramm auf­merk­sam zu machen, bei dem jeder einen Teil sei­ner Steu­er einer länd­li­chen Regi­on zukom­men las­sen kann und im Gegen­zug dafür ein klei­nes Geschenk erhält. Im Fal­le von Shi­bu­shi wäre es ein Unagi. Der Film ver­brei­te­te sich im Netz in Win­des­ei­le – aber nicht im Sin­ne von Shibushi.

Ein Bade­mäd­chen als Aal

Was ist pas­siert? Im äus­serst auf­wen­dig gedreh­ten Wer­be­film wird der Aal von einer jun­gen Frau in einem schwar­zen Bade­kleid per­so­ni­fi­ziert. Anstatt einer Zucht­farm sieht man einen Swim­ming­pool. «Füt­te­re mich!» ist ihre Aufforderung.

Ein Jahr lang wird die jun­ge Frau «gross­ge­zo­gen», mit bes­ten Quell­was­ser und guter Kost. Im Som­mer springt sie in den Pool und ver­ab­schie­det sich. Aus der Frau wird ein Aal, der schliess­lich auf dem Grill lan­det. Und schon war­tet das nächs­te Mäd­chen im Bade­kleid im Was­ser mit der Auf­for­de­rung: «Füt­te­re mich!». 

Nach der Publi­ka­ti­on folg­te der Auf­schrei. In den Kom­men­ta­ren kam es zum Vor­wurf des Sexis­mus und der Kin­der­por­no­gra­phie. Der Film sei eine Fan­ta­sie eines Per­ver­sen. Man habe das Gefühl, hier wer­de ein Mäd­chen ent­führt und ein­ge­sperrt, lau­te­te die Kritik. 

Die Reak­ti­on von Shibushi

Shi­bu­shi reagier­te umge­hend und zog den Wer­be­film zurück, wie Jiji News berich­te­te. Man habe rea­li­siert, dass sich vie­le Men­schen durch die­sen Spot ange­grif­fen füh­len. Es sei ihnen aber nur dar­um gegan­gen, auf ein­fa­che Wei­se auf­zu­zei­gen, dass der Aal sorg­fäl­tig und mit viel Lie­be gezüch­tet wer­de. Das Pro­jekt wur­de vor der Rea­li­sie­rung zwar sorg­fäl­tig geprüft, doch offen­bar schien nie­mand das Skan­dal­po­ten­ti­al bemerkt zu haben. 

Screen­shot: youtube/​ににこさんEine Sze­ne aus dem Werbefilm.
Im Shop
An alle Leser
Freiwilliges Abo

An alle Leser

Mit einem frei­wil­li­gen Abo sichern Sie die Zukunft die­ses unab­hän­gi­gen Blogs.

MEHR ERFAHREN

Jan in Japan
Buch

Jan in Japan

60 Orte abseits von Tokio und Kyo­to: Eine Rei­se durch den viel­fäl­ti­gen Inselstaat.

BUCH KAUFEN

In Japan
Buch

In Japan

Der prak­ti­sche Rei­se­füh­rer von Jan Knü­sel in der 6. Auflage.

BUCH KAUFEN

Maru
Shinsen
Kabuki Artikel
asia-intensiv
Negishi Delivery
Kabuki
Negishi Kitchen Republic
Radio Lora
Kalligrafie
Aero Telegraph
Gustav Gehrig
Edomae
Schuler Auktionen
Kokoro
G-S-Japan
Sato
Shizuku
Miss Miu
Prime Travel
cas-ostasien
Yu-an
Bimi
Depositphotos 1b
Depositphotos 2
Japan Wireless
Keto-Shop