Das Bade­mäd­chen und der Aal

Die Klein­stadt Shi­bu­shi in der Prä­fek­tur Kago­shi­ma ganz im Süden von Kyus­hu ist bekannt für ihren Aal, auf Japa­nisch Unagi genannt. Es han­delt sich um eine Lieb­lings­spei­se der Japa­ner, die jeweils im Som­mer kon­su­miert wird. Um die Nach­fra­ge decken zu kön­nen, herrscht in Zucht­far­men wie in Shi­bu­shi jeweils Hoch­be­trieb. Hier wer­den im Win­ter und Früh­ling die gefan­ge­nen Jun­gaal-Wild­be­stän­de gefüt­tert und gross­ge­zo­gen, um sie im Som­mer auszuliefern.

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Um für die­se kuli­na­ri­sche Spe­zia­li­tät zu wer­ben, hat Shi­bu­shi einen 2-minü­ti­gen Film dre­hen las­sen (sie­he Video oben). Ziel war es, auf das lan­des­wei­te Steu­er­spen­de­pro­gramm auf­merk­sam zu machen, bei dem jeder einen Teil sei­ner Steu­er einer länd­li­chen Regi­on zukom­men las­sen kann und im Gegen­zug dafür ein klei­nes Geschenk erhält. Im Fal­le von Shi­bu­shi wäre es ein Unagi. Der Film ver­brei­te­te sich im Netz in Win­des­ei­le – aber nicht im Sin­ne von Shibushi.

Ein Bade­mäd­chen als Aal

Was ist pas­siert? Im äus­serst auf­wen­dig gedreh­ten Wer­be­film wird der Aal von einer jun­gen Frau in einem schwar­zen Bade­kleid per­so­ni­fi­ziert. Anstatt einer Zucht­farm sieht man einen Swim­ming­pool. «Füt­te­re mich!» ist ihre Aufforderung.

Ein Jahr lang wird die jun­ge Frau «gross­ge­zo­gen», mit bes­ten Quell­was­ser und guter Kost. Im Som­mer springt sie in den Pool und ver­ab­schie­det sich. Aus der Frau wird ein Aal, der schliess­lich auf dem Grill lan­det. Und schon war­tet das nächs­te Mäd­chen im Bade­kleid im Was­ser mit der Auf­for­de­rung: «Füt­te­re mich!». 

Nach der Publi­ka­ti­on folg­te der Auf­schrei. In den Kom­men­ta­ren kam es zum Vor­wurf des Sexis­mus und der Kin­der­por­no­gra­phie. Der Film sei eine Fan­ta­sie eines Per­ver­sen. Man habe das Gefühl, hier wer­de ein Mäd­chen ent­führt und ein­ge­sperrt, lau­te­te die Kritik. 

Die Reak­ti­on von Shibushi

Shi­bu­shi reagier­te umge­hend und zog den Wer­be­film zurück, wie Jiji News berich­te­te. Man habe rea­li­siert, dass sich vie­le Men­schen durch die­sen Spot ange­grif­fen füh­len. Es sei ihnen aber nur dar­um gegan­gen, auf ein­fa­che Wei­se auf­zu­zei­gen, dass der Aal sorg­fäl­tig und mit viel Lie­be gezüch­tet wer­de. Das Pro­jekt wur­de vor der Rea­li­sie­rung zwar sorg­fäl­tig geprüft, doch offen­bar schien nie­mand das Skan­dal­po­ten­ti­al bemerkt zu haben. 

Screen­shot: youtube/​ににこさんEine Sze­ne aus dem Werbefilm.
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