Bob Dylan hat den Lite­ra­tur­no­bel­preis gewon­nen. Die Wahl des Musi­kers ist für vie­le eine posi­ti­ve Über­ra­schung. In Japan war der­weil die Hoff­nung gross, dass Haru­ki Mura­ka­mi end­lich die Aus­zeich­nung erhal­ten wür­de. Der japa­ni­sche Schrift­stel­ler gehör­te bei den Buch­ma­chern ein wei­te­res Mal zu den Favo­ri­ten, wie die Yomi­uri Shim­bun berichtete. 

Trotz allem wird sich auch Haru­ki Mura­ka­mi über die Aus­zeich­nung Bob Dylans gefreut haben, weil ihn eini­ges mit der Lebens­welt des Musi­kers ver­bin­det. Der Japa­ner ist eben­falls ein Kind der beweg­ten 60er-Jah­re, die in sei­nen Roma­nen ein wie­der­keh­ren­des The­ma sind. Als poli­tisch den­ken­der Mensch gehört er bis heu­te zu den intel­lek­tu­el­len Takt­ge­bern sei­nes Lan­des (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der Jazz stand am Anfang

In sei­nen Erzäh­lun­gen ist aus­ser­dem der Ein­fluss der ame­ri­ka­ni­schen Lite­ra­tur und Musik all­ge­gen­wär­tig. Es war ganz neben­bei Mura­ka­mi, der den Kult­ro­man «Der Fän­ger im Rog­gen» von J.D. Salin­ger ins Japa­ni­sche über­trug. Und ganz am Anfang sei­ner Kar­rie­re war der Jazz. Mit sei­ner Frau Yoko eröff­ne­te er 1974 in Koku­bun­ji bei Tokio eine klei­ne Jazz-Bar, weil er nach sei­nem Stu­di­um an der Uni­ver­si­tät Wase­da kein Leben als Sala­ry­man füh­ren woll­te. Er gab ihr den Namen sei­ner ver­stor­be­nen Kat­ze, Peter Cat. Fotos aus einem Jazz-Maga­zin erlau­ben einen Ein­blick in jene Jah­re (sie­he Tweet oben).

1977 ver­leg­te er die Bar ins zen­tra­ler gele­ge­ne Sen­da­ga­ya in den ers­ten Stock eines Geschäfts­hau­ses (kli­cke auf den Link für Goog­le Maps, sie­he Tweet unten), gleich in der Nähe des Olym­pia­sta­di­ons. Hier schrieb er 1979 sei­nen ers­ten Roman Hear the Wind Sing, der zuerst im Lite­ra­tur­ma­ga­zin Gun­zo und spä­ter in Buch­form erschien. Kurz dar­auf folg­te sein zwei­ter Roman Pin­ball 1973. Mit dem Schrei­ben wur­de er so erfolg­reich, dass er 1981 die Bar ver­kauf­te. Bereits 1987 folg­te mit Nao­kos Lächeln (Ori­gi­nal­ti­tel: Nor­wei no Mori, engl. Nor­we­gi­an Wood) sein ganz gros­ser Durch­bruch (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Eine Kult­stät­te

Peter Cat mag schon lan­ge nicht mehr exis­tie­ren. Doch das Gebäu­de in Sen­da­ga­ya, wo die Jazz-Bar war, gibt es noch immer und hat sich für vie­le Mura­ka­mi-Fans zu einer Kult­stät­te ent­wi­ckelt. Heu­te befin­det sich hier ein Café, das mehr als ein­mal den Besit­zer gewech­selt hat. Man kann nur noch erah­nen, wie das Lokal zu Mura­ka­mis Zei­ten aus­ge­se­hen haben muss. Fotos einer Repor­ta­ge des Maga­zins Bru­tus von 1980 sowie Inse­ra­te von damals sind die leben­digs­ten Erin­ne­rungs­stü­cke an das Peter Cat. Für Mura­ka­mi-Fans rei­chen sie aus, um sich von die­sem Ort magisch ange­zo­gen zu füh­len. Und irgend­wann, da sind sie sich sicher, wird auch ihrem Rock­star der Lite­ra­tur­sze­ne die Ehre eines Nobel­prei­ses zuteil werden.

Im ers­ten Stock die­ses Gebäu­des war das «Peter Cat» zuhause: 

So sieht es heu­te dar­in aus: 

Die Mura­ka­mi-Fans besu­chen ger­ne die­sen Ort: 

Ein altes Inse­rat für das Peter Cat 2:

Ein altes Inse­rat für das Peter Cat 1:

In die­sem Gebäu­de in Koku­bun­ji befand sich das ers­te Peter Cat, das er zwi­schen 1974 und 1977 führte: