News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Ukiyoe zum Leben erweckt

Die Kunst der Ukioye («Bilder der fliessenden Welt») gibt uns anhand von Farbholzschnitten wie auch Gemälden einen lebendigen Einblick in die Welt der damals aufkommenden Kaufleute und der lebendigen Vergnügungs- und Theatervierteln (Asienspiegel berichtete).

Ihre Blüte erlebte die Kunst in der Edo-Zeit (1603–1868). Ukiyoe wurde zur Popkultur der damaligen Zeit (Asienspiegel berichtete), welche die Kabuki-Schauspieler, Kurtisanen und schliesslich auch die Künstler selbst zu Stars machte. Hokusais Farbholzschnitt-Serie Die 36 Ansichten des Fuji haben unser Bild von Japan nachhaltig geprägt. Sie hat es sogar in den neuen japanischen Pass geschafft (Asienspiegel berichtete).

Mit der Öffnung und Modernisierung des Landes kam das schleichende Ende dieser Tradition. Es waren schliesslich die Impressionisten im Westen, welche sich vom Ukiyoe-Stil inspirieren liessen und Katsuhika Hokusai, Ando Hiroshige, Sharaku oder Kitagawa Utamaro zu weltweit gefeierten Meistern der japanischen Kunst machten (Asienspiegel berichtete).

Ukiyoe fürs 21. Jahrhundert

Der japanische Künstler Segawa 37 hat derweil seinen ganz eigenen Umgang mit den berühmten Farbholzschnitten gefunden. Anhand von GIF-Animationen erweckt der 28-Jährige die Werke aus der Edo-Zeit zu neuem Leben und gibt ihnen einen modernen Anstrich.

Leuchttafeln, Drohnen, Laptops, Fernseher, Shinkansen-Züge, Tastaturen, iPads, Baseball-Handschuhe, Segways oder Smartphones tauchen wie selbstverständlich in seinen bewegten humorvollen Farbholzschnitten auf. Es ist seine ganz persönliche Neuinterpretation einer alten japanischen Eigenheit: die Verbindung von Tradition und Moderne. Auf Twitter und auf seiner Website sind regelmässig neue Werke zu sehen.

Ein Shinkansen im Ukiyoe: Ein Werk von Segawa 37. (Foto: twitter/ @s07741657)

Ein Shinkansen im Ukiyoe: Ein Werk von Segawa 37. (Foto: twitter/ @s07741657)

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