Foto: flickr/​Mar­ko Kud­jer­ski24h Open: Die­ses Kon­zept geht immer weni­ger auf in Japan.

Zu jeder Uhr­zeit ein­kau­fen und essen gehen, gehört zum Selbst­ver­ständ­nis des urba­nen Japa­ners. Für die Auf­recht­erhal­tung die­ser 24-Stun­den-Welt sor­gen vor­nehm­lich die Con­ve­ni­en­ce Stores, ein­zel­ne klei­ne Restau­rants sowie eine gan­ze Rei­he an Fast­food-Ket­ten im ame­ri­ka­ni­schen und japa­ni­schen Stil. Doch die­se Epo­che neigt sich all­mäh­lich ihrem Ende zu.

Der Kon­zern Sky­lark, der so bekann­te Restau­rant­ket­ten wie Gus­to, Jonathan’s oder Bamiyan besitzt, hat erst letz­te Woche ange­kün­digt, die Öff­nungs­zei­ten von 310 sei­ner 428 Able­ger, die bis­lang 24 Stun­den geöff­net haben, anzu­pas­sen, wie die Asahi Shim­bun berich­te­te. Künf­tig wer­den die­se nur noch bis 2 Uhr mor­gens Kun­den bedie­nen. Zwi­schen 2 und 7 Uhr blei­ben die­se Restau­rants geschlos­sen. Bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat Sky­lark die Öff­nungs­zei­ten ver­schie­de­ner Able­ger schritt­wei­se reduziert.

Nicht das ein­zi­ge Beispiel

Auch McDonald’s Japan hat in den letz­ten zwei Jah­ren bei über 1000 Able­gern den 24-Stun­den-Betrieb ein­ge­stellt. Die Restau­rant­ket­te Roy­al Host beschrei­tet den­sel­ben Weg. Ab nächs­tem Monat wird der 24-Stun­den-Betrieb gar voll­stän­dig aufgegeben.

Die japa­ni­sche Fast­food-Ket­te Sukiya muss eben­falls seit eini­gen Jah­ren umden­ken. 60 Pro­zent ihrer Able­ger haben die durch­ge­hen­den Öff­nungs­zei­ten auf­ge­ge­ben. Das Sys­tem, nur eine Per­son für die gesam­te Nacht­schicht ein­zu­stel­len, ende­te in Über­schöp­fung, Unzu­frie­den­heit und in einem Mas­sen­exo­dus der Beleg­schaft. Ein mas­si­ver Image-Ver­lust in der Öffent­lich­keit war die Fol­ge (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Zu wenig Per­so­nal in Japan

Sky­lark sel­ber begrün­det den Schritt mit weni­ger Gäs­ten wäh­rend der Nacht­zei­ten. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahr­heit. Tat­sa­che ist, dass es in Japan durch die Über­al­te­rung der Gesell­schaft und den rapi­den Rück­gang der Bevöl­ke­rungs­zahl bereits heu­te einen aku­ten Per­so­nal­man­gel gibt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Infol­ge­des­sen stel­len die Ket­ten heu­te zuneh­mend Aus­tausch­stu­den­ten an. Aus­ser­dem müs­sen die Löh­ne der Teil­zeit­an­ge­stell­ten wegen des Man­gels an Arbeits­kräf­ten nach oben ange­passt wer­den. Höhe­re Kos­ten und gleich­zei­tig weni­ger Gäs­te wäh­rend der Nacht­schich­ten füh­ren schliess­lich zum Abbau des 24-Stun­den-Betriebs, wie NHK News berichtet.

Die­ser Trend wird sich in den nächs­ten Jah­ren ver­schär­fen. Auch die Mini­märk­te beschäf­ti­gen ver­mehrt Aus­tausch­stu­den­ten aus Süd­ost­asi­en – und trotz­dem fehlt es immer noch an genü­gend Per­so­nal. Die Mini­markt-Ket­te Law­son inves­tiert daher ins eigens ent­wi­ckel­te Selbst­be­die­nungs­kas­sen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). In der Bran­che wird erwar­tet, dass der 24-Stun­den-Betrieb nicht über­all auf­recht­erhal­ten wer­den kann. Statt­des­sen wird man wie bei den Restau­rants zuneh­mend auf «lan­ge Öff­nungs­zei­ten» setzen.