Foto: flickr/​Matt Per­re­aultDas Steh­klo: Kei­ne Sel­ten­heit in öffent­li­chen Anla­gen in Japan.

Die Steh­klos, auf Japa­nisch Washi­ki-Toire («Toi­let­ten im japa­ni­schen Stil») genannt, waren lan­ge der Stan­dard in Japan. Doch sie wer­den immer weni­ger. Die Yōs­hi­ki-Toire («Toi­let­ten im west­li­chen Stil») haben ihnen schon lan­ge den Rang abgelaufen.

Heu­te domi­niert sogar eine Wei­ter­ent­wick­lung des Yōs­hi­ki-Toire, das Dusch-WC, auch Wash­let genannt. Die­se von Toto 1980 ein­ge­führ­te High­tech-Toi­let­ten fin­det man inzwi­schen über­all. Über 70 Pro­zent der Haus­hal­te und prak­ti­sche alle öffent­li­chen Neu­bau­ten set­zen ganz auf die­se moder­nen Toi­let­ten mit Spül­funk­ti­on für den Hin­tern (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Gan­ze 9 Her­stel­ler von Dusch-WCs gibt es inzwi­schen in Japan (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Doch nicht über­all ist das Washi­ki-Toire ver­schwun­den. In den öffent­li­chen Schu­len, Bahn­hö­fen, Park- und Tem­pel­an­la­gen sind die Steh­klos teil­wei­se noch in der Mehr­zahl. Die­se Orte sind die letz­te Bas­ti­on die­ser klas­si­schen Toilette.

Umrüs­tung im gros­sen Stil

Das soll sich nun aber ändern. Die Tou­ris­mus­be­hör­de hat ange­kün­digt, an Orten, wo sich vie­le Tou­ris­ten auf­hal­ten, die Umstel­lung von Steh­klos auf west­li­che Toi­let­ten finan­zi­ell unter­stüt­zen zu wol­len, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Hier­zu steht ihr ein Teil eines Regie­rungs­bud­gets zur Ver­fü­gung, das der Ver­bes­se­rung der Tou­ris­mus-Infra­struk­tur die­nen soll. Bereits haben Städ­te wie Kyo­to in den letz­ten zwei Jah­ren die Zahl der Yōs­hi­ki-Toi­let­ten in öffent­li­chen Anla­gen mas­siv erhöht.

Auch die Haupt­stadt will auf­rüs­ten. Gan­ze 3,77 Mil­li­ar­den Yen inves­tiert die Prä­fek­tur Tokio in die Umrüs­tung ihrer öffent­li­chen Toi­let­ten in Schu­len, Park­an­la­gen und U-Bah­nen, wie die Tokyo Shim­bun berich­tet. Ins­be­son­de­re die 28 Sta­tio­nen der Toei-Bahn­li­ni­en sol­len reno­viert wer­den. In 272 Schu­len wird eben­falls eine Anpas­sung erfol­gen. Ziel ist es, den Anteil an Yōs­hi­ki-Toi­let­ten an öffent­li­chen Orten bis 2020 auf 80 bis 90 Pro­zent zu erhöhen.

Nicht nur für Touristen

Die Mass­nah­men die­nen nicht nur den aus­län­di­schen Tou­ris­ten, die sich mit der Benut­zung des Steh­klo oft schwer­tun (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch die japa­ni­schen Kin­der im Schul­al­ter haben sich an den Kom­fort des Dusch-WCs gewöhnt. Das führt dazu, dass vie­le Schü­ler die Toi­let­ten in den Schu­len kon­se­quent mei­den, mit allen nega­ti­ven Fol­gen für die Gesund­heit (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Hin­zu kommt, dass vie­len Schu­len, aber auch Park­an­la­gen, bei Natur­ka­ta­stro­phen zu Eva­ku­ie­rungs­zen­tren umfunk­tio­niert wer­den, die wäh­rend Wochen, ja sogar Mona­ten benutzt wer­den. Die Steh­klos wer­den dann nicht nur für die Kin­der, son­dern auch für die älte­ren und schwä­che­ren Per­so­nen zum Pro­blem. Denn ab einem gewis­sen Alter kann die Ver­wen­dung eines Steh­klos zu einer müh­sa­men Auf­ga­be werden.