News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Frauen nicht erwünscht

Eine Luftaufnahme des Kasumigaseki Golf Club. (Foto: wikimedia/ © National Land Image Information (Color Aerial Photographs), Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism)

Eine Luftaufnahme des Kasumigaseki Golf Club. (Foto: wikimedia/ © National Land Image Information (Color Aerial Photographs), Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism)

Der Kasumigaseki Golf Club in der Präfektur Saitama unweit von Tokio ist ein Ort mit viel Geschichte. 1929 wurde die Anlage eröffnet. Kein anderer Klub in Japan durfte mehr prestigeträchtige Turniere austragen. Und dabei steht das ganz grosse Ereignis erst noch bevor. 2020 soll im Kasumigaseki Golf Club das olympische Golfturnier ausgetragen werden. So wollen es das Organisationskomitee und die Japan Golf Association.

Doch nun stehen dem Klub seine eigenen Traditionen im Weg. Denn Frauen haben hier kein Anrecht auf eine volle Mitgliedschaft. Ausserdem dürfen sie sonntags nicht spielen. Diese Regelung ist jedoch ein klarer Verstoss gegen die olympische Charta, die die Gleichberechtigung der Geschlechter hochhält. Seit dies in den Medien publik wurde, hat Kasumigaseki Golf Club ein grösseres Image-Problem.

Druck von ganz oben

Daichi Suzuki, Olympiasieger im 100 Meter Rückenschwimmen von 1988 und aktueller Chef der japanischen Sportbehörde, macht seither Druck auf den Klub, wie NHK News berichtet. Das olympische Golfturnier habe an einem Ort stattzufinden, wo Frauen und Männer gleichberechtigt behandelt werden, betonte er an einer Pressekonferenz. Und bereits werden Stimmen laut, die eine Verlegung des olympischen Golfturniers fordern. Als Alternative wird schon länger der öffentliche Golfklub Wakasu Golf Links in der Bucht von Tokio vorgeschlagen.

Trotz des Drucks von oben zögert die Klubführung des Kasumigaseki Golf Club; zumindest vorerst. Von einer politischen Kontroverse, in die man geraten sei, ist vor Ort die Rede. Eine erste interne Besprechung am 7. Februar zu diesem Thema hat zu keinem Ergebnis geführt, wie die Yomiuri Shimbun berichtet. Man wolle sich noch mehr Meinungen anderer Klubmitglieder einholen, hiess es lediglich.

Eine Männerwelt

Tatsächlich ist Golf in vielerlei Hinsicht ein Männersport in Japan geblieben. Für höhere Angestellte in einem Unternehmen war während der wirtschaftlichen Boom-Jahre eine Mitgliedschaft in einem Golfverein ein unerlässliches Statussymbol. Golf war die Sportart, wo Mann seinen Wohlstand zur Schau zu stellte. Ein Golfspiel eignete sich auch bestens, um seine Kunden bei Laune zu halten und um das nächste lukrative Geschäft einzufädeln.

Bis Ende der 1980er-Jahre vervielfachte sich die Anzahl der Golfplätze auf rund 2000. Die astronomischen Kosten für den Bau dieser Anlagen spielte damals keine keine Rolle, die Nachfrage war derart gross. Für eine Mitgliedschaft waren viele bereit, ein kleines Vermögen hinzublättern.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Der Golfsport ist zu teuer geworden, die Mitgliedschaften sind seit Jahren rückläufig. Die junge Generation zeigt wenig Interesse an diesem Sport. Eine Modernisierung dieses Sports ist somit eine Notwendigkeit, um ein weiteres Golfklubsterben zu verhindern.

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