News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Gemietete Freunde fürs Selfie

Ein Selfie während der Kirschblütenzeit. (Foto: flickr/ Stephen Kelly)

Ein Selfie während der Kirschblütenzeit. (Foto: flickr/ Stephen Kelly)

In Japan gibt es Agenturen, die für Beerdigungen, Hochzeiten und andere Anlässe falsche Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen «vermieten». Die sogenannten Stand-ins geben sich als Onkel, Freunde oder Vorgesetzte aus, schwingen Reden oder dienen ganz einfach als unauffällige Statisten für das Fest. Denn in Japan gilt es nach aussen eine perfekte Fassaden zu wahren, auch wenn die Realität anders aussehen mag.

Der Dokumentarfilm «Rent a Family Inc.» hat vor drei Jahren diese Branche einem internationalen Publikum bekannt gemacht. Es ist ein intimes Porträt des professionellen Stand-ins Ryuichi Ichinokawa, dessen Agentur mehrere Dutzend Personen zwischen 20 und 60 Jahren für alle möglichen Anlässe vermietet. Den Film haben wir damals im Alternativkino gezeigt (Asienspiegel berichtete).

Freunde fürs Foto mieten

Das Aufkommen der sozialen Medien hat den Boom solcher Agenturen noch verstärkt und das Geschäftsfeld gar auf unerwartete Weise erweitert, wie Jiji News berichtet. Demnach nimmt die Nachfrage nach gemieteten Freunden zu, die gemeinsam mit dem Kunden oder der Kundin für Selfies posieren. Die Fotos werden schliesslich auf Facebook und anderen sozialen Medien hochgeladen, um das Bild einer glücklichen Person zu vermitteln.

Laut den Agenturen ist dieses Angebot insbesondere bei jungen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren gefragt. Für ein Gruppenfoto am Geburtstag oder an einer Girls-Only-Party werden manchmal gleich mehrere Personen gemietet. Früher zählten die Agenturen fast keine Kundschaft in diesem Altersbereich. Die sozialen Medien haben nun aber dazu geführt, dass man nicht nur an besonderen gesellschaftlichen Anlässen, sondern bei jeder Gelegenheit die perfekte Fassade zu wahren hat.

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