Foto: flickr/​Nico­las Ray­mondEine Auf­nah­me der Kirsch­blü­ten in Washing­ton aus dem Jahr 2014.

Im Früh­ling zeigt sich Washing­ton jeweils von sei­ner schöns­ten Sei­te. Dann blü­hen die fast 4000 Kirsch­blü­ten ent­lang des Tidal Basin, wo sich auch die Gedenk­stät­ten von Grün­der­va­ter Tho­mas Jef­fer­son, Bür­ger­recht­ler Mar­tin Luther King oder Fran­k­lin D. Roo­se­velt befin­den. Gefei­ert wur­de der Auf­takt der Blü­ten­zeit am ver­gan­ge­nen Frei­tag mit einer Eröff­nungs­ze­re­mo­nie. Das Natio­nal Cher­ry Blossom Fes­ti­val wird noch bis zum 16. April dauern.

Es ist jedoch kein per­fek­tes Jahr für die Kirsch­blü­ten in der US-Haupt­stadt. So fiel die Hälf­te der Blü­ten dem Käl­te­ein­bruch im März zum Opfer. Trotz­dem lässt man sich in Washing­ton die Freu­de nicht neh­men. Der japa­ni­sche Bot­schaf­ter Keni­chi­ro Sasae bezeich­ne­te das Kirsch­blü­ten­fest als die gröss­te Fei­er der japa­nisch-ame­ri­ka­ni­schen Freund­schaft, wie die Jiji News berich­te­te. Tat­säch­lich sind die Kirsch­bäu­me am Tidal Basin das Resul­tat einer unnach­gie­bi­gen diplo­ma­ti­schen Offen­si­ve der Japaner.

1910: Der miss­lun­ge­ne Auftakt

Alles begann 1910, als Japan der US-Regie­rung zum Dank für die Ver­mitt­lung des rus­sisch-japa­ni­schen Frie­dens­ver­trags 2000 Kirsch­bäu­me schenk­te. Wegen Insek­ten­be­falls muss­te die­se jedoch nach der Ankunft in den USA ver­nich­tet wer­den. Die Japa­ner lies­sen sich dadurch nicht ent­mu­ti­gen. Nur zwei Jah­re spä­ter ver­schiff­ten sie gleich 3200 Kirsch­bäu­me nach Washing­ton, die am Tidal Basin eine neue Hei­mat erhiel­ten. Innert weni­ger Jah­re wur­de die Washing­to­ner Kirsch­blü­ten­schau zu einem unver­zicht­ba­ren Fest.

Selbst die Kriegs­jah­re über­stand das Geschenk prak­tisch unver­sehrt. Um eine Pole­mik zu ver­hin­dern, spra­chen die Stadt­be­hör­den nur noch von «ori­en­ta­li­schen Bäu­men». Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Natio­na­le Kirsch­blü­ten­fest wie­der auf­ge­nom­men. 1965 schenk­te der neue Alli­ier­te Japan den USA noch ein­mal 3800 Kirsch­bäu­me. Die Kirsch­blü­ten von Washing­ton sind so zu einem Para­de­bei­spiel gelun­ge­ner japa­ni­scher Kirsch­blü­ten-Diplo­ma­tie geworden.