News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Japans 2,3 Millionen Ausländer

Japans ausländischer Bevölkerungsanteil nimmt schrittweise zu. (Foto: flickr/ Richard West)

Japans ausländischer Bevölkerungsanteil nimmt schrittweise zu. (Foto: flickr/ Richard West)

In Japan leben zurzeit rund 127 Millionen Menschen. Bis 2030 wird die Einwohnerzahl wegen der anhaltend tiefen Geburtenrate auf voraussichtlich 120 Millionen sinken. Die Zahl der arbeitenden Bevölkerung nimmt gleichzeitig auch rasant ab. Der Personalmangel macht sich derweil schon heute in vielen Branchen bemerkbar (Asienspiegel berichtete).

Politisch will die Regierung dies mit der Einbindung von mehr Frauen und älteren Personen in die Wirtschaft lösen. Die Automatisierung durch Roboter und die Digitalisierung vieler Arbeitsbereiche sollen ebenfalls helfen. Die Lösung des Problems durch mehr Immigration galt im Inselstaat politisch und gesellschaftlich lange Zeit als nicht durchsetzbar.

Tatsache ist jedoch, dass Japan sehr wohl auf ausländische Arbeitskräfte setzt, um den Personalmangel zu bekämpfen. Gerade in der Gastronomie und in den Minimärkten macht sich dieses Phänomen bemerkbar. Die Statistik stützt diesen Eindruck. Denn gemäss dem Justizministerium zählt Japan 2’382’822 Ausländer, wie die Mainichi Shimbun berichtet. Das ist eine Steigerung um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und eine Rekordzahl für den Inselstaat. 1996 waren es erst 1,34 Millionen. Mit einem Anteil von 1,8 Prozent ist die Zahl der Ausländer in Japan aber immer noch verschwindend klein.

Vietnamesen zieht es nach Japan

Die Chinesen mit 695’522, die Südkoreaner mit 453’096 und die Philippiner mit 243’662 Menschen sind am häufigsten vertreten. Viele der Chinesen und Südkoreaner sind seit vielen Generationen im Land. Derweil nimmt die Zahl der Vietnamesen, die in Japan leben, seit einigen Jahren am rasantesten zu. Das hat auch mit den vertieften Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder zu tun (Asienspiegel berichtete).

So leben heute 199’990 Vietnamesen in Japan. Noch vor zwei Jahren waren es erst 124’820 (Asienspiegel berichtete). Sie kommen zumeist als Austauschstudenten oder mit einem speziellen Praktikumsvisum ins Land, um die Sprache zu lernen, zu studieren und gleichzeitig auch zu arbeiten.

Auf diese Weise kompensiert Japan zurzeit den Personalmangel. Es ist jedoch ein kurzfristiger Ansatz, da diese Leute nach ein bis fünf Jahren Japan wieder verlassen müssen. Viel Knowhow geht so verloren, neue Leute müssen daraufhin aufs Neue eingearbeitet werden. Um dieses Problem zu lösen, arbeitet Japans Regierung daher an einer Gesetzesvorlage, mit der Ausländer auch in Dienstleistungsbranchen künftig einfacher ein normales Arbeitsvisum erhalten dürfen. Bislang war dies nur hochqualifizierten Ausländern vorbehalten (Asienspiegel berichtete). Und so passt sich Japan in langsamen Schritten seinen neuen demographischen Realitäten an.

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