News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Japans schrumpfende Grossstadt

Shizuoka und der Fuji im Hintergrund. (Foto: wikimedia/ Alpsdake)

Shizuoka und der Fuji im Hintergrund. (Foto: wikimedia/ Alpsdake)

Japan zählt neben der Metropolregion Tokio weitere 20 Grossstädte, die einen von der Regierung speziellen Verwaltungsstatus erhalten haben (jap. seirei shite toshi). Es sind dies Yokohama, Osaka, Nagoya, Sapporo, Kobe, Fukuoka, Kyoto, Kawasaki, Saitama, Hiroshima, Sendai, Kitakyushu, Chiba, Sakai, Niigata, Hamamatsu, Kumamoto, Sagamihara, Shizuoka und Okayama.

Der spezielle Grossstadt-Status gewährt ihnen mehr Autonomie in verschiedenen Bereichen wie der Bildung, Sozialleistungen, Stadtplanung oder der Lizenzierung für Geschäfte. Alle diese Orte haben auch gemeinsam, dass sie mindestens 700’000 Einwohner zählen.

Der rasante Bevölkerungsrückgang in Japan stellt dieses System jedoch vor neue Probleme. So ist die Einwohnerzahl der offiziellen Grossstadt Shizuoka erstmals auf unter 700’000 Personen gefallen, wie Sankei Biz berichtet. Das gab es für eines Stadt mit diesem Status so noch nie.

Junge wandern ab

Es überrascht zudem, dass ausgerechnet Shizuoka von diesem Phänomen betroffen ist. Die Stadt liegt geographisch ideal zwischen den urbanen Ballungsräumen Tokio und Nagoya. Dank des Shinkansen ist man in nur einer Stunde an beiden Orten. Shizuoka bietet nebenbei auch noch eine perfekte Sicht auf den Fuji. Dennoch ist die Grossstadt offenbar wirtschaftlich zu wenig attraktiv. Denn es sind gerade die 18 bis 22-Jährigen, die fürs Studium oder für die Arbeit Shizuoka verlassen und somit zum Bevölkerungsrückgang beitragen.

Und dabei wurde der Stadt erst 2005 der Status einer Grossstadt erteilt. Möglich machte dies die Eingemeindung verschiedener Orte. Der Fall unter die kritische Schwelle von 700’000 Einwohnern hat für Shizuoka jedoch keine Konsequenzen. Sie wird auch künftig ihre autonome Grossstadt-Funktion behalten, wie die Regierung versichert. Einerseits gibt es keine Bestimmung, die den Status automatisch aberkennen würde. Andererseits schreibt das Gesetz für die Erteilung des Status neben anderen Vorgaben offiziell eine Mindesteinwohnerzahl von 500’000 Einwohner vor, auch wenn die Regierung bislang nur Städte mit mindestens 700’000 in diesen speziellen Kreis aufgenommen hat.

Dennoch zeigt das Beispiel Shizuoka, dass der rasante Bevölkerungsrückgang, der Japan seit einigen Jahren erfasst hat, nicht nur die ländlichen Gegenden betrifft. Nebenbei kämpfen auch die Grossstädte Kumamoto und Okayama mit demselben Phänomen.

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