Foto: wikimedia/​mofa​.go​.jpDie kai­ser­li­che Fami­lie in einer Auf­nah­me von 2013.

Der 83-jäh­ri­ge Ten­nō Aki­hi­to wird vor­aus­sicht­lich Ende 2018 abtre­ten. Er ist somit der ers­te japa­ni­sche Kai­ser seit 1817, der noch zu Leb­zei­ten sei­nem Nach­fol­ger wei­chen wird (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die gesetz­li­chen Anpas­sun­gen wur­den im Mai in die Wege geleitet.

Die Regie­rung unter Pre­mier Shin­zo Abe macht dar­aus jedoch eine Aus­nah­me­re­ge­lung, die ein­zig Aki­hi­to den Rück­tritt ermög­licht. Sein Sohn und Nach­fol­ger Naru­hi­to wird somit bis zu sei­nem Lebens­en­de Kai­ser blei­ben, aus­ser man wird auch für ihn der­einst eine Aus­nah­me­re­ge­lung tref­fen. Die Zustim­mung des Par­la­ments zum aktu­el­len Gesetz ist nur noch eine Form­sa­che, da sowohl die Regie­rungs­par­tei LDP wie auch die gröss­te Oppo­si­ti­ons­par­tei DP dahinterstehen.

Es fehlt der Nachwuchs

Die Kri­ti­ker wer­den von einer kurz­fris­ti­gen Lösung und einer ver­pass­ten Chan­ce spre­chen. Denn die Pro­ble­me rund um das Kai­ser­haus sind damit nicht gelöst. Der Fami­lie geht der Nach­wuchs aus. In der jüngs­ten Gene­ra­ti­on der Kai­ser­fa­mi­lie gibt es mit dem 10-jäh­ri­gen Prinz Hisa­to ledig­lich einen ein­zi­gen Jun­gen, dafür aber vie­le Prin­zes­sin­nen. Neben Kronz­prinz Naru­hi­to könn­ten somit nur noch sein jün­ger Bru­der Prinz Fumi­hi­to von Akis­hi­no (41 Jah­re alt), des­sen Sohn Prinz Hisa­hi­to von Akis­hi­no (10 Jah­re alt) und Kai­ser Aki­hi­tos Bru­der Prinz Masa­hi­to von Hita­chi (81 Jah­re alt) theo­re­tisch den Thron besteigen.

Die weib­li­chen Mit­glie­der der Fami­lie haben der­weil kei­nen Anspruch auf den Thron. Sobald sie hei­ra­ten, schei­den sie sogar auto­ma­tisch aus der Kai­ser­fa­mi­lie aus und wer­den zu nor­ma­len Pri­vat­per­so­nen. Wären auch die Frau­en Teil der kai­ser­li­chen Erb­fol­ge, dann wäre das Nach­wuchs­pro­blem auf einen Schlag gelöst. Mit den Frau­en stün­den theo­re­tisch 11 anstatt aktu­ell 4 Per­so­nen zur Aus­wahl. Die 15-jäh­ri­ge Prin­zes­sin Aiko, Toch­ter des kom­men­den Kai­sers Naru­hi­to, wäre dann sogar die Kronprinzessin.

Japans 8 Kaiserinnen

Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe hat jedoch eine umfas­sen­de Reform des kai­ser­li­chen Geset­zes, das auch den Frau­en die Thron­be­stei­gung ermög­licht hät­te, abge­lehnt. Denn gera­de sei­ne kon­ser­va­ti­ven Wäh­ler­schaft und vie­le Abge­ord­ne­te sei­ner Par­tei wei­sen die Idee einer Kai­se­rin mehr­heit­lich ab. Die Kon­ser­va­ti­ven wür­den lie­ber eine Wie­der­auf­nah­me eini­ger Adels­fa­mi­li­en, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg alle­samt ihren Sta­tus ver­lo­ren hat­ten, sehen.

Dabei zeigt ein Blick in die Geschich­te, dass es bereits acht japa­ni­sche Kai­se­rin­nen gege­ben hat. Die letz­te Frau auf dem Thron in Japan war Kai­se­rin Go-Sakur­ama­chi, die zwi­schen 1762 und 1771 regier­te. Eine Umfra­ge der Mai­ni­chi Shim­bun zeigt, dass auch 68 Pro­zent der Bevöl­ke­rung eine Kai­se­rin befür­wor­ten wür­den. Nur 12 Pro­zent wären dage­gen. 2005 lag die Zustim­mung sogar bei 85 Pro­zent. Damals war die Nach­fol­ge­kri­se akut. Die bei­den Söh­ne von Kai­ser Aki­hi­to hat­ten kei­nen männ­li­chen Nach­wuchs. 2006 wur­de schliess­lich Prinz Hisa­hi­to gebo­ren. Und plötz­lich moch­te nie­mand mehr über das The­ma Kai­se­rin sprechen.