Foto: wiki­me­diaZwei his­to­ri­sche Pre­miers: Sato Eis­a­ku (ganz links) und Yoshi­da Sige­ru (Mit­te) auf einem Foto von 1953.

Kurz­zeit-Pre­mier­mi­nis­ter sind in der japa­ni­schen Nach­kriegs­zeit mehr die Regel als die Aus­nah­me. Nur weni­ge Regie­rungs­chefs haben sich im Insel­staat lan­ge an der Macht hal­ten kön­nen. Gera­de mal 6 von 31 haben seit Ende des Zwei­ten Welt­kriegs mehr als 1000 Tage die Geschi­cke des Lan­des gelei­tet. Es ist der wohl exklu­sivs­te Klub Japans.

Dazu gehört auch der aktu­el­le Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe. Er ist seit heu­te gar an drit­ter Stel­le, noch vor sei­nem Men­tor Juni­chi­ro Koi­zu­mi (1980 Tage). Exakt 1981 Tage hat er bis­her als Regie­rungs­chef geam­tet. Vor ihm lie­gen nur noch Shi­ge­ru Yoshi­da (2616 Tage, 1946 bis 1947 und 1948 bis 1954) und Eis­a­ku Sato (2798 Tage, 1964 bis 1972).

Schon bald könn­te Abe sogar einen neu­en All­zeit­re­kord in der moder­nen Geschich­te Japans ein­stel­len. Hält er bis Novem­ber 2019 durch – und danach sieht es zur­zeit aus – dann wird Abe nicht nur Sato Eis­a­ku, son­dern auch so his­to­ri­sche Figu­ren wie Ito Hiro­bu­mi (2720 Tage, 1885 bis 1888, 1892 bis 1896, 1898) und Taro Kats­ura (2886 Tage, 1906 bis 1906, 1908 bis 1911, 1912 bis 1913) über­holt haben.

Ein erstaun­li­ches Comeback

Es wäre einer­seits eine erstaun­li­che Geschich­te. Denn lan­ge galt der heu­ti­ge Pre­mier­mi­nis­ter als Fehl­be­set­zung. So trat er 2006 nach nur einem Jahr im Amt aus gesund­heit­li­chen Grün­den zurück. Er hat­te den Ruf, ein Poli­ti­ker zu sein, der dem Stress die­ser ver­ant­wor­tungs­vol­len Auf­ga­be nicht gewach­sen war. Im Dezem­ber 2012 folg­te schliess­lich das uner­war­te­te Comeback.

Ande­rer­seits ist Abes Auf­stieg kein Zufall. So gehört Abe zur wohl ein­fluss­reichs­ten Poli­ti­ker-Fami­lie der Nach­kriegs­zeit. Abes Vor­fah­ren waren väter­li­cher- wie auch müt­ter­li­cher­seits stets in die Poli­tik des Lan­des invol­viert. Sein Gross­va­ter Nobusuke Kishi war zwi­schen 1957 und 1960 Regie­rungs­chef. Eis­a­ku Sato, der von 1964 bis 1974 Japan poli­tisch präg­te, war des­sen jün­ge­rer Bru­der. Shin­zo Abes Vater Shin­t­a­ro Abe war wie­der­um Aus­sen­mi­nis­ter Japans zwi­schen 1982 und 1986.

Die Rang­lis­te

Hier die Rang­lis­te der Nach­kriegs-Pre­miers mit den längs­ten Amts­zei­ten (Stand, 28. Mai 2017):

  1. Eis­a­ku Sato (2798 Tage, 1964 bis 1972)
  2. Shi­ge­ru Yoshi­da (2616 Tage, 1946 bis 1947 und 1948 bis 1954)
  3. Shin­zo Abe (1981 Tage, 2006 bis 2007 und 2012 bis 2017)
  4. Juni­chi­ro Koi­zu­mi (1980 Tage, 2001 bis 2006)
  5. Yas­u­hi­ro Naka­so­ne (1806 Tage, 1982 bis 1987)
  6. Haya­to Ike­da (1575 Tage, 1960 bis 1964)
  7. Nobusuke Kishi (1241 Tage, 1957 bis 1960)