News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Seit 45 Jahren wieder Teil von Japan

Nacht in Naha, der Hauptstadt der Präfektur Okinawa. (Foto: flickr/ Alan Wat)

Nacht in Naha, der Hauptstadt der Präfektur Okinawa. (Foto: flickr/ Alan Wat)

Okinawa ist für die Japaner auf den Hauptinseln das tropische Ferienparadies schlechthin. Wer Okinawa hört, der denkt an viel Sonne, das gute Essen und die traditionellen Volkstänze begleitet von den Klängen des lokalen Saiteninstruments Sanshin. Die sogenannten Ryukyu-Inseln sind für die Japaner ein Ort der Sehnsucht.

Umgekehrt ist die Beziehung der Einwohner Okinawas zum Mutterland von viel Misstrauen geprägt. Die Geschichte hat hier ihre Spuren hinterlassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Okinawa zu einem der grössten Kriegsschauplätze auf japanischem Territorium. Die Invasion der USA forderte 120’000 Tote. Als Japan 1952 seine Souveränität zurückerlangte, blieb Okinawa weitere 20 Jahre unter der Kontrolle der USA.

Erst am 15. Mai 1972, vor exakt 45 Jahren, wurden die Ryukyu-Inseln wieder an Japan zurückgegeben. Die US-Militärstützpunkte blieben. Das hat sich bis heute nicht geändert. Zu gut ist der Ort gelegen. China und Taiwan sind gleich nebenan. Rund 30’000 US-Soldaten und weitere Angestellte der Armee sind hier stationiert. Obwohl Okinawa nur 0,6 Prozent der Landfläche Japans ausmacht, befinden sich 70,6 Prozent aller US-Stützpunkte in Japan in dieser kleinen Inselpräfektur.

Das belastete Verhältnis

Diese grosse Präsenz hat Okinawa Milliarden von Dollars und viele Jobs eingebracht. Denn neben dem Tourismus, der mit 8,76 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr besonders boomt, besitzt Okinawa keine grosse Industrie. Doch gleichzeitig belastet der ständige Lärm durch die Stützpunkte die Bewohner. Wiederholte Verbrechen von US-Soldaten an Einheimischen haben das Image der USA schwer beschädigt (Asienspiegel berichtete).

Ihr Gouverneur Takeshi Onaga liegt im Dauerstreit mit Tokio. Onaga wehrt sich gegen die Verlegung der lärmintensiven US-Marinebasis Futenma nordwärts nach Henoko in der Stadt Nago. Er fordert, dass der US-Stützpunkt in eine andere japanische Präfektur oder nach Guam verlegt werden soll. Trotz des Widerstandes haben die Arbeiten an der Landgewinnung für den neuen Stützpunkt bei Henoko Ende April begonnen.

Bürger zweiter Klasse

Die Zentralregierung in Tokio versucht jeweils, mit finanziellen Versprechungen die Wogen zu glätten. Doch der Preis, den die Inselgruppe dafür bezahlen muss, ist hoch. Entsprechend stark fühlen sich die Bewohner Okinawas auch 45 Jahre nach der Rückgabe als Bürger zweiter Klasse in Japan, deren Anliegen von Tokio nie richtig ernst genommen werden (Asienspiegel berichtete).

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