News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Tokio – Osaka: 1700, 1889 & 2017

Die alte und die neue Tōkaidō. (Fotos: wikimedia / links: Felice Beato / rechts: Mitsuki-2368)

Die alte und die neue Tōkaidō. (Fotos: wikimedia / links: Felice Beato / rechts: Mitsuki-2368)

In der Edo-Zeit (1603 bis 1868) führten zwei Wege von der Hauptstadt Edo (dem damaligen Tokio) zur Kaiserstadt Kyoto. Die 492 Kilometer lange Tōkaidō, die entlang der Pazifikküste führte, war die wichtigste und meist benutzte Route der damaligen Zeit. Daneben gab es mit der 534 Kilometer langen Nakasendō auch noch eine Inlandsroute, die durch die unzugänglichere Bergregion führte. Die Reise dauerte eine kleine Ewigkeit. Historische Dokumente zeigen, dass es auf der Tokaido geschätzte 13 bis 15 Tage Fussmarsch waren, um von Kyoto nach Edo zu gelangen. Auf der bergigen Nakasendō musste man mit 16 oder mehr Tagen rechnen.

Die Eisenbahn

Die Grossräume Tokio-Yokohama und Osaka-Kyoto-Kobe sind auch im 21. Jahrhundert die wirtschaftlich wichtigsten Zentren des Landes. Diese verkehrstechnisch noch effizienter und noch schneller zu verbinden, ist für jede Generation eine neue Herausforderung.

Die Eisenbahn brachte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den grossen Durchbruch. Auf einen Schlag dauerte eine Reise zwischen den beiden urbanen Regionen nicht mehr Wochen, sondern nur noch einen Tag. 1889 waren es fast exakt 20 Stunden Zugfahrt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts konnte dank neuer Technik, verbesserter Streckenführung und mehr Tunnels die Reisezeit zwischen den beiden urbanen Regionen alle paar Jahre entscheidend verkürzt werden. 1909 waren es nur noch 12 Stunden 50 Minuten, 1934 war man auf 8 Stunden 37 Minuten angekommen.

Die Geburt des Shinkansens

Es folgte der Krieg und ein langer Unterbruch der Zugverbindungen. Der erste Expresszug der Nachkriegszeit zwischen Tokio und Osaka wurde 1949 in Betrieb genommen. Die Elektrifizierung der Bahn führte in den 1950er-Jahren zum grossen Entwicklungssprung. 1960 dauerte die Fahrt 6 Stunden 30 Minuten.

1964 begann schliesslich das Zeitalter des Shinkansen, des ersten Hochgeschwindigkeitszuges der Welt (Asienspiegel berichtete). Pünktlich zu den Sommerspielen 1964 in Tokio dauerte die Fahrt zwischen der Hauptstadt und Tokio somit nur noch 4 Stunden. Nach weiteren baulichen Massnahmen war man ein Jahr später schon bei den ursprünglich geplanten 3 Stunden 10 Minuten angekommen.

Die Gegenwart

Der nächste grosse Schritt folgte 1986. Mit der Einführung des Shinkansen-Modells 100 konnte die Höchstgeschwindigkeit von 210km/h auf 220km/h erhöht werden. 2 Stunden 56 Minuten dauerte die Fahrt noch zwischen Tokyo und Osaka.

Die Einführung des Zugtyps Nozomi (Modelle 300, 500 und 700) erhöhte die Geschwindigkeit 1992 auf sagenhafte 270km/h und verkürzte die Reisezeit auf 2 Stunden 30 Minuten. Seit 2015 darf der Shinkansen auf gewissen Abschnitten der Tōkaidō-Linie 285km/h fahren. Diese Anpassung hat die Reisedauer nochmals auf 2 Stunden 22 Minuten verringert (Asienspiegel berichtete).

Die Zukunft

Und schon in ein paar Jahren wird Japan eine neue Generation in Betrieb nehmen. 2027 soll die futuristische, mehrheitlich unterirdisch geführte Magnetschwebebahn (Asienspiegel berichtete) mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometern zwischen Tokio und Nagoya eröffnet werden. 2045 soll schliesslich die Verlängerung nach Osaka erfolgen. Die Reisezeit wird dann nur noch 67 Minuten dauern (Asienspiegel berichtete).

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