Fotos: wiki­me­dia / links: Feli­ce Bea­to / rechts: Mit­suki-2368Die alte und die neue Tōkaidō.

In der Edo-Zeit (1603 bis 1868) führ­ten zwei Wege von der Haupt­stadt Edo (dem dama­li­gen Tokio) zur Kai­ser­stadt Kyo­to. Die 492 Kilo­me­ter lan­ge Tōkai­dō, die ent­lang der Pazi­fik­küs­te führ­te, war die wich­tigs­te und meist benutz­te Rou­te der dama­li­gen Zeit. Dane­ben gab es mit der 534 Kilo­me­ter lan­gen Naka­sen­dō auch noch eine Inlands­rou­te, die durch die unzu­gäng­li­che­re Berg­re­gi­on führ­te. Die Rei­se dau­er­te eine klei­ne Ewig­keit. His­to­ri­sche Doku­men­te zei­gen, dass es auf der Toka­i­do geschätz­te 13 bis 15 Tage Fuss­marsch waren, um von Kyo­to nach Edo zu gelan­gen. Auf der ber­gi­gen Naka­sen­dō muss­te man mit 16 oder mehr Tagen rechnen.

Die Eisen­bahn

Die Gross­räu­me Tokio-Yoko­ha­ma und Osa­ka-Kyo­to-Kobe sind auch im 21. Jahr­hun­dert die wirt­schaft­lich wich­tigs­ten Zen­tren des Lan­des. Die­se ver­kehrs­tech­nisch noch effi­zi­en­ter und noch schnel­ler zu ver­bin­den, ist für jede Gene­ra­ti­on eine neue Herausforderung.

Die Eisen­bahn brach­te in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts den gros­sen Durch­bruch. Auf einen Schlag dau­er­te eine Rei­se zwi­schen den bei­den urba­nen Regio­nen nicht mehr Wochen, son­dern nur noch einen Tag. 1889 waren es fast exakt 20 Stun­den Zug­fahrt. Bereits Anfang des 20. Jahr­hun­derts konn­te dank neu­er Tech­nik, ver­bes­ser­ter Stre­cken­füh­rung und mehr Tun­nels die Rei­se­zeit zwi­schen den bei­den urba­nen Regio­nen alle paar Jah­re ent­schei­dend ver­kürzt wer­den. 1909 waren es nur noch 12 Stun­den 50 Minu­ten, 1934 war man auf 8 Stun­den 37 Minu­ten angekommen.

Die Geburt des Shinkansens

Es folg­te der Krieg und ein lan­ger Unter­bruch der Zug­ver­bin­dun­gen. Der ers­te Express­zug der Nach­kriegs­zeit zwi­schen Tokio und Osa­ka wur­de 1949 in Betrieb genom­men. Die Elek­tri­fi­zie­rung der Bahn führ­te in den 1950er-Jah­ren zum gros­sen Ent­wick­lungs­sprung. 1960 dau­er­te die Fahrt 6 Stun­den 30 Minuten.

1964 begann schliess­lich das Zeit­al­ter des Shink­an­sen, des ers­ten Hoch­ge­schwin­dig­keits­zu­ges der Welt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Pünkt­lich zu den Som­mer­spie­len 1964 in Tokio dau­er­te die Fahrt zwi­schen der Haupt­stadt und Tokio somit nur noch 4 Stun­den. Nach wei­te­ren bau­li­chen Mass­nah­men war man ein Jahr spä­ter schon bei den ursprüng­lich geplan­ten 3 Stun­den 10 Minu­ten angekommen.

Die Gegen­wart

Der nächs­te gros­se Schritt folg­te 1986. Mit der Ein­füh­rung des Shink­an­sen-Modells 100 konn­te die Höchst­ge­schwin­dig­keit von 210km/​h auf 220km/​h erhöht wer­den. 2 Stun­den 56 Minu­ten dau­er­te die Fahrt noch zwi­schen Tokyo und Osaka.

Die Ein­füh­rung des Zug­typs Nozo­mi (Model­le 300, 500 und 700) erhöh­te die Geschwin­dig­keit 1992 auf sagen­haf­te 270km/​h und ver­kürz­te die Rei­se­zeit auf 2 Stun­den 30 Minu­ten. Seit 2015 darf der Shink­an­sen auf gewis­sen Abschnit­ten der Tōkai­dō-Linie 285km/​h fah­ren. Die­se Anpas­sung hat die Rei­se­dau­er noch­mals auf 2 Stun­den 22 Minu­ten ver­rin­gert (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Zukunft

Und schon in ein paar Jah­ren wird Japan eine neue Gene­ra­ti­on in Betrieb neh­men. 2027 soll die futu­ris­ti­sche, mehr­heit­lich unter­ir­disch geführ­te Magnet­schwe­be­bahn (Asi­en­spie­gel berich­te­te) mit Spit­zen­ge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 500 Stun­den­ki­lo­me­tern zwi­schen Tokio und Nago­ya eröff­net wer­den. 2045 soll schliess­lich die Ver­län­ge­rung nach Osa­ka erfol­gen. Die Rei­se­zeit wird dann nur noch 67 Minu­ten dau­ern (Asi­en­spie­gel berich­te­te).