News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Nageiredo: Der schwebende Tempel

Nageirdo: Die Tempelhalle im Felsen. (Foto: wikimedia / David Monniaux)

Nageirdo: Die Tempelhalle im Felsen. (Foto: wikimedia / David Monniaux)

In der Bergregion der Präfektur Tottori befindet sich der Sanbutsu-ji. Es ist eine geheimnisvolle buddhistische Tempelanlage, deren Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Das berühmteste und wichtigste Element dieser heiligen Stätte ist die Nage’iredō-Halle, die perfekt auf Stelzen stehend, unter einem Felsvorsprung am Berg Mitoku eingepasst ist. Die Halle sieht so aus, als würde sie schweben. So delikat wirken die Stelzen. Die Nagereidō stammt aus der zweiten Hälfte der Heian-Zeit (794 bis 1185). Bis heute ist es ein Mysterium, wie man dieses Gebäude damals so perfekt bauen konnte. Der Name bedeutet denn auch sinngemäss, «die Halle, die (in den Berg) hineingeworfen wurde». Heute gehört sie zum nationalen Kulturschatz Japans.

Gründer des Sanbutsuji-Tempels war der Mönch En no Gyoja. Die Anlage verteilt sich auf mehrere heilige Hallen am Berg Mitoku, die man nur zu Fuss erreichen kann. Rund 40 Minuten dauert die Besteigung, die durch steile Wald- und Felswege führt. Auf dem Weg stösst man gleich auf mehrere eindrückliche Tempelbauten wie die Monjudō– und die Jizōdō-Hallen, die ebenfalls auf Stelzen am Hang gebaut wurden. Ein weiterer Bau mit einer 3 Tonnen schweren Glocke sowie eine zusätzliche Halle erwarten die Pilger bevor sie die perfekte Sicht auf die Nageiredō erhalten.

Mit Strohsandalen den Berg hoch

Den Marsch antreten darf man nur mit Schuhen, die über gute Sohlen verfügen. Viele Besucher benutzen daher  die traditionellen Warazōri, die man im Tempel kaufen kann. Diese von Hand gefertigten Reisstrohsandalen haben den Vorteil, das sie einen guten Halt auf dem rutschigen und steilen Bergweg bieten. 4000 Paare werden jährlich produziert. Inzwischen kämpft der Tempel jedoch mit einem Lieferproblem, wie die Asahi Shimbun berichtet. Die Berufsleute, die dieses Handwerk beherrschen, werden immer älter und weniger. Hinzu kommt der zunehmende Besucherstrom. 50’000 sind es inzwischen pro Jahr.

Ein Foto der Nageiredo aus dem Jahr 1938. (Foto: wikimedia / 日本旅行協会)

Ein Foto der Nageiredo aus dem Jahr 1938. (Foto: wikimedia / 日本旅行協会)

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