Foto: wikimedia/​Actor1989Der Tsuku­ba-Express.

Tokios rie­si­ges Bahn­netz ist die Lebens­ader der Haupt­stadt. Das Ver­kehrs­mit­tel wird täg­lich von Mil­lio­nen von Pend­lern benutzt. Pünkt­lich­keit wird gross­ge­schrie­ben. Selbst kür­zes­te Ver­spä­tun­gen von 2 Minu­ten wer­den per Laut­spre­cher den Pas­sa­gie­ren über­mit­telt. Alle Zwi­schen­fäl­le, mögen sie noch so klein sein, wer­den pflicht­be­wusst doku­men­tiert und in einer Pres­se­mit­tei­lung detail­liert aus­ge­führt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Man ent­schul­digt sich dar­in und ver­spricht Besserung.

Und so gehört es sich auch, dass man sich ent­schul­digt, wenn der Zug 20 Sekun­den zu früh abfährt. Genau die­ses Sze­na­rio ist am Mor­gen des 14. Novem­bers beim Tsuku­ba-Express, der von Aki­ha­ba­ra in Tokio nach Tsuku­ba in der Prä­fek­tur Iba­ra­ki fährt, ein­ge­trof­fen. «Der Tsuku­ba-Express ist beim Bahn­hof Min­a­mi-Naga­rey­a­ma um 9:44 Uhr 20 Sekun­den frü­her als geplant abge­fah­ren. Für die Unan­nehm­lich­kei­ten, die wir unse­ren Kun­den hier­mit berei­tet haben, möch­ten wir uns zutiefst ent­schul­di­gen», stand ganz zu Beginn der Mit­tei­lung der Metro­po­li­tan Inter­ci­ty Rail­way Com­pa­ny, die noch am sel­ben Tag ver­öf­fent­licht wurde.

Genau­er Ablauf wird dokumentiert

Dem­nach kam der Tsuku­ba-Express um 9:43:40 Uhr in Min­a­mi-Naga­rey­a­ma an. Die Türen wur­den geöff­net. Exakt eine Minu­te spä­ter, also um 9:44:40 Uhr, hät­te der Zug gemäss inter­nem Fahr­plan abfah­ren sol­len. Statt­des­sen ver­liess die­ser schon um 9:44:20 Uhr den Bahn­hof. In der Mit­tei­lung wird betont, dass es gemäss offi­zi­el­lem Fahr­plan im Bahn­hof (Abfahrt: 9:44 Uhr) kei­ne zeit­li­chen Dif­fe­ren­zen gege­ben habe. Den­noch habe man den fest­ge­setz­ten inter­nen Zeit­plan nicht kor­rekt ein­ge­hal­ten. Bean­stan­dun­gen von Kun­den habe es kei­ne gege­ben, steht weiter.

In Japans haben sich vie­le Pend­ler der­art an ihre mor­gend­li­chen zeit­li­chen Abläu­fe gewöhnt, dass die Bahn­be­trei­ber selbst bei kleins­ten Abwei­chun­gen anneh­men müs­sen, dass sie den Zeit­plan der Kun­den durch­ein­an­der brin­gen. Eine Mit­tei­lung und Ent­schul­di­gung ist die Folge.

Beschei­ni­gung für die Verspätung

Übri­gens erhal­ten Pas­sa­gie­re, die wegen irgend­wel­cher Vor­fäl­le im Zusam­men­hang mit der Bahn zu spät zur Arbeit kom­men, eine soge­nann­ten «Beschei­ni­gung für die Ver­spä­tung» (sie­he Foto) von der Bahn aus­ge­hän­digt, die sie dem Arbeit­ge­ber als Beweis vor­le­gen kön­nen. Eine Beschei­ni­gung für Über­pünkt­lich­keit scheint es jedoch nicht zu geben.

Foto: JR WestEine Bestä­ti­gung für die Pas­sa­gie­re, die wegen einer Bahn­ver­spä­tung nicht pünkt­lich zur Arbeit gekom­men sind.