Hotel Inter­net-Café

Dick Tho­mas John­son / flickrDas Inter­net-Cafe: Ein Rück­zugs­ort im hek­ti­schen Stadtleben.

Die Inter­net-Cafés: Als pri­va­ter Inter­net­zu­gang noch Luxus war, erleb­ten sie in den 1990ern welt­weit eine kur­ze Boom-Pha­se. In Japan exis­tie­ren sie heu­te noch. Über 500 sind es allei­ne im Gross­raum Tokio, die man auch als Net Café oder als Man­ga Kis­sa (Man­ga-Cafés) bezeich­net. Letz­te­rer Begriff ver­weist auf die gros­se Man­ga-Biblio­thek, die die­se Orte anbie­ten. Eine Geträn­ke-Bar, Spiel­kon­so­len und beque­me Sit­ze mit Trenn­wän­den, die eine Pri­vat­sphä­re garan­tie­ren, gehö­ren eben­so dazu. Auf die­se Wei­se wur­den die­se Cafés zu 24 Stun­den geöff­ne­ten Rück­zugs­or­ten im hek­ti­schen Stadt­le­ben. Sie sind vor allem aber auch für jeder­mann erschwing­li­che Über­nach­tungs­or­te. Bereits für 1000 Yen kann man sich hier für eini­ge Stun­den ausruhen.

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Für nicht weni­ge sind die Man­ga-Kis­sa sogar zu per­ma­nen­ten Schlaf­stät­ten gewor­den. Eine Umfra­ge der Tokio­ter Lokal­re­gie­rung zeigt, dass täg­lich 15’300 Men­schen, die Nacht in einem Inter­net-Café ver­brin­gen, wie die Nik­kei Shim­bun berich­tet. 4000 davon haben kei­ne fes­te Blei­be. Sie sind die Stamm­kund­schaft die­ser Cafés. Die Japa­ner bezeich­nen sie als «Net-Café-Flücht­lin­ge». Inter­es­san­ter­wei­se ent­spre­chen sie nicht dem Kli­schee eines Obdach­lo­sen. Über 70 Pro­zent von ihnen gehen einem Beruf nach. Es han­delt sich um Teil­zeit­stel­len oder Arbei­ten mit befris­te­ten Ver­trä­gen. Zwi­schen 50’000 und 150’000 Yen ver­die­nen sie damit monat­lich. Das ist nicht genug, um sich per­ma­nent eine Woh­nung zu leisten.

Nach der Finanz­kri­se kam der Boom

Das Phä­no­men ist nicht neu. Gera­de nach der Finanz­kri­se 2008 wur­den die Inter­net-Cafés wie auch die Kap­sel­ho­tels zu erschwing­li­chen Blei­ben für die Arbeits­lo­sen und die Men­schen, die nicht genug ver­dien­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Lokal­re­gie­rung von Tokio befasst sich seit 2008 mit die­sem Pro­blem und ver­sucht, die Betrof­fe­nen bei der Woh­nungs- und Job­su­che zu unter­stüt­zen. Die Behör­den wol­len die­se Unter­stüt­zungs­mass­nah­men nun ver­bes­sern. Im Gegen­satz zu den Zei­ten der Finanz­kri­se ste­hen die Chan­ce auf erfolg­rei­che Hil­fe gut. Denn der japa­ni­schen Wirt­schaft geht es heu­te wie­der bes­ser. Zudem man­gelt es ihr wegen der Über­al­te­rung zuneh­mend an Arbeits­kräf­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Foto: flickr / Gavin Ander­sonEin Inter­net-Café in Japan bie­tet alle Annehmlichkeiten.
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