Foto: flickr/​John Gil­le­spieHei­li­ge Tie­re: Sika­hir­sche in Nara.

Im weit­läu­fi­gen Park der alten Haupt­stadt Nara am Fus­se des Haus­ber­ges Waka­ku­sa kann man durch Japans rei­che Geschich­te spa­zie­ren. Hier sind die ein­drück­li­chen Tem­pel­an­la­gen des Tōdai­ji und des Kōfu­ku­ji sowie der Kasu­­ga-Schrein und das Nara Natio­nal­mu­se­um zuhau­se. Die heim­li­chen Stars die­ser grü­nen Anla­gen sind jedoch die rund 1200 frei leben­den japa­ni­schen Sika­hir­sche. Die hei­li­gen Tie­re sind seit 1957 vom Staat erklär­te Natur­denk­mä­ler (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ent­spre­chend kön­nen sie tun und las­sen, was sie wol­len. Regel­mäs­sig ver­ur­sa­chen sie mit Sitz­blo­cka­den und Stras­sen­über­que­run­gen einen Ver­kehrs­stau vor dem Park (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Ande­re Hir­sche hal­ten sich der­weil fleis­sig an die Ver­kehrs­re­geln und sor­gen damit für amü­san­te Momen­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Dass die­se süss aus­se­hen­den Tie­re auch einen eige­nen Kopf haben und forsch auf­tre­ten kön­nen, ist hin­läng­lich bekannt. Gera­de wenn es um das Essen geht, ken­nen sie kei­ne Zurück­hal­tung. Zuwei­len umzin­geln und stos­sen sie die Park­be­su­cher, die die spe­zi­el­len Sem­bei-Reiscra­cker für die Hir­sche in den Hän­den hal­ten. Selbst Bis­se kom­men vor. Im ver­gan­ge­nen Jahr kam es zu 180 Ver­let­zun­gen, davon waren 138 aus­län­di­sche Tou­ris­ten, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berichtet. 

Die Prä­fek­tur­re­gie­rung von Nara hat nun reagiert. Mit Hin­weis­ta­feln auf Eng­lisch, Chi­ne­sisch und Japa­nisch erklärt sie, wie mit den hei­li­gen Tie­ren beim Füt­tern umzu­ge­hen ist, damit es nicht zu Unfäl­len kommt (sie­he unten). Dar­in heisst es bei­spiels­wei­se, dass man das Essen dem Tier sofort über­rei­chen soll. Ansons­ten füh­len die­se sich pro­vo­ziert und wer­den angrif­fig. Um dem Hirsch klar zu machen, dass man nichts mehr zu Essen hat, wird emp­foh­len, ihm die lee­ren Hän­de zu zeigen.

Die Hör­ner schneiden

Ledig­lich ein­mal im Jahr wird die Frei­heit der hei­li­gen Tie­re für kur­ze Zeit ein­ge­schränkt. Dann wer­den ihnen von einem Shin­tō-Pries­­ter in einer öffent­li­chen Zere­mo­nie die Hör­ner geschnit­ten, um für die Park­be­su­cher nicht zur Gefahr zu wer­den. Das soge­nann­te «Shi­ka no Tsuno­ki­ri» fin­det jeweils im Okto­ber statt. Aus­ser­dem ver­brei­te­ten sich die Sika­hir­sche im ver­gan­ge­nen Jahr so zahl­reich, dass sie in den Aus­sen­quar­tie­ren der Stadt für vie­le Bau­ern zum Pro­blem wur­den. Aus die­sem Grund hat­te die Stadt Nara zum ers­ten Mal seit 1957 beschlos­sen, an 6 Orten die frei leben­den Tie­re ein­zu­fan­gen. In der Park­an­la­ge sel­ber bleibt jedoch alles beim Alten. Hier gel­ten sie als unan­tast­bar. Die Park­be­su­cher haben sich ihnen anzupassen. 

Bild: pref​.nara​.jpTipps fürs Füttern.
Bild: pref​.nara​.jpTipps fürs Füttern.