Bild: ja2100​.orgKabi­netts­se­kre­tär Kei­zo Obuchi gibt 1989 den neu­en Ärana­men am Fern­se­hen bekannt.

In Japan schreibt man gemäss tra­di­tio­nel­ler Zeit­rech­nung das Jahr «Heisei 30». Heisei (kann als «Frie­de über­all» über­setzt wer­den) ist die Ärade­vi­se – auf Japa­nisch Gen­gō genannt – des der­zei­ti­gen Kai­sers Aki­hi­to und die Zahl steht für des­sen Amts­jah­re. Seit dem Jahr 45 hat Japan 247 unter­schied­li­che Epo­chen­na­men erlebt. Frü­her wechsel­ten die Herr­scher die­se Bezeich­nun­gen regel­mäs­sig, ins­be­son­de­re nach gros­sen Kata­stro­phen. Das änder­te sich erst 1868 mit dem Beginn der Mei­ji-Zeit. Seit­her endet eine Ärade­vi­se jeweils mit dem Tod des Kai­sers. Noch am Tag des Able­bens wird der neue Ärana­me verkündet. 

Am 1. Mai 2019 steht nun der nächs­te Ärawech­sel bevor, wenn Kai­ser Aki­hi­to frei­wil­lig den Thron für sei­nen Sohn Naru­hi­to frei machen wird. Es wird die ers­te Abdan­kung die­ser Art in der moder­nen Geschich­te Japans sein. Nun rät­selt ganz Japan, wie die neue Ära heis­sen könn­te und wie trans­pa­rent die Ent­schei­dungs­trä­ger dabei vor­ge­hen werden?

Die Eile und Ver­schwie­gen­heit von 1989

Denn der letz­te Ärawech­sel 1989 war von Eile und Ver­schwie­gen­heit geprägt. Damals wur­den bereits über ein Jahr vor dem Able­ben des Kai­sers Hiro­hi­to 8 Gelehr­te beauf­tragt, Vor­schlä­ge für neue Gen­gō-Namen zu machen, wie Jiji News in einem aus­führ­li­chen Arti­kel beschreibt. Beim Kai­ser wur­de Krebs dia­gnos­ti­ziert, die Regie­rung muss­te daher zügig han­deln, dies aber in höchs­ter Ver­schwie­gen­heit. Die Öffent­lich­keit durf­te nichts dar­über erfah­ren. Nur schon die Andeu­tung eines bevor­ste­hen­den Todes des Kai­sers war tabu. 

Es war auch das ers­te Mal über­haupt, dass es an der Regie­rung war, die­sen Ent­scheid zu fäl­len. So woll­te es ein neu erschaf­fe­nes Gesetz von 1979. Die­ses besag­te auch, dass der Ärana­me einem bestimm­ten Ide­al, wie zum Bei­spiel Frie­den oder Sicher­heit, ent­spre­chen muss. Er soll zudem ein­fach les- und schreib­bar sein. Frü­he­re Ärana­men oder bereits bestehen­de Wör­ter dür­fen nicht benutzt wer­den. Aus­ser­dem ist der Name auf zwei Schrift­zei­chen beschränkt. Die Gelehr­ten unter­brei­te­ten schliess­lich 3 Vor­schlä­ge: Heisei (平成), Shubun (修文) und Sei­ka (正化).

Als um 6:33 Uhr des 7. Janu­ars 1989 Kai­ser Hiro­hi­to ver­starb, galt es schnell zu han­deln. 8 vor­be­stimm­te Exper­ten wur­den sogleich zu einer dring­li­chen Sit­zung zusam­men­be­ru­fen, die um 13 Uhr star­te­te. 3 Optio­nen stan­den zur Aus­wahl, sie einig­ten sich schliess­lich auf den Ärana­men Heisei. Kurz dar­auf wur­den die Vor­sit­zen­den und Vize-Vor­sit­zen­den des Unter- und Ober­hau­ses benach­rich­tigt, die ihre Ein­wil­li­gung gaben. Um 14 Uhr kam es zum defi­ni­ti­ven Beschluss durch das Kabi­nett, das dem Hof­amt anrief, um den Ten­no zu infor­mie­ren. Kabi­netts­se­kre­tär Kei­zo Obuchi gab den Namen schliess­lich der Öffent­lich­keit bekannt. Sein Fern­seh­auf­tritt mit der Tafel in der Hand, auf der Heisei stand, wur­de zu einem wich­ti­gen Stück Zeit­ge­schich­te, an das sich vie­le Japa­ner erin­nern. Am 8. Janu­ar 1989 begann das Jahr Heisei 1.

2019: Man bleibt diskret

Für 2019 gibt es nun Stim­men, die ein trans­pa­ren­te­res Aus­wahl­ver­fah­ren for­dern. Immer­hin hand­le es sich um einen geplan­ten Kai­ser­wech­sel, so die Argu­men­ta­ti­on. Zur­zeit scheint es aber so, dass sich die Regie­rung in Dis­kre­ti­on und Ver­schwie­gen­heit übt. Sie möch­te kei­ne hit­zi­gen öffent­li­chen Debat­ten über mög­li­che neue Namen ent­fa­chen. Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe liess im Janu­ar auch ver­lau­ten, dass man auf den Erfah­run­gen von 1989 auf­bau­en werde. 

Die Wirt­schaft und die öffent­li­chen Ämter wün­schen sich der­weil einen mög­lichst schnel­len Ent­scheid, damit man genü­gend Zeit hat, um die tech­ni­sche Umstel­lung recht­zei­tig umzu­set­zen. So han­delt es sich immer­hin um den ers­ten Ärawech­sel im digi­ta­len Zeitalter.