Foto: wiki­me­diaPräg­ten die 1980er: Yas­u­hi­ro Naka­so­ne und Ronald Reagan.

Japans ehe­ma­li­ger Pre­mier­mi­nis­ter Yas­u­hi­ro Naka­so­ne wur­de ges­tern 100 Jah­re alt. Das macht ihn zum ältes­ten noch leben­den Ex-Pre­mier­mi­nis­ter Japans und zu einem leben­den Zeit­zeu­gen der abwechs­lungs­rei­chen poli­ti­schen Geschich­te des Lan­des im 20. Jahr­hun­dert. Unter den vie­len Pre­miers, die Japan hat­te, ist sein Name bis heu­te selbst im Aus­land ein Begriff. In sei­ner ver­gleichs­wei­se lan­gen Amts­zeit von 1982 bis 1987 setz­te er dem Land sei­nen Stem­pel nach­hal­tig auf. Sei­ne Ent­schei­dun­gen sind bis heu­te im japa­ni­schen All­tag sichtbar. 

So war eines sei­ner gröss­ten Pro­jek­te die Pri­va­ti­sie­rung der japa­ni­schen Staats­bahn in sechs regio­na­le Bahn­fir­men und eine lan­des­wei­te Fir­ma für Güter­zü­ge unter dem Dach der Japan Rail­ways, kurz JR genannt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch die Pri­va­ti­sie­rung des Tele­kom­kon­zerns NTT fiel in sei­ne Amts­zeit. Unter sei­ner Ägi­de wur­de zudem die Ein­füh­rung der damals stark umstrit­te­nen Mehr­wert­steu­er beschlos­sen. Naka­so­ne war ein natio­nal-kon­ser­va­ti­ver Poli­ti­ker, der ein selbst­be­wuss­te­res Japan und eine Revi­si­on der Frie­dens­ver­fas­sung ein­for­der­te. Sei­ne Freund­schaft zu US-Prä­si­dent Ronald Rea­gan wur­de zum Merk­mal sei­ner Aus­sen­po­li­tik. Er bezeich­ne­te Japans als unsicht­ba­ren Flug­zeug­trä­ger in der anti-sowje­ti­schen Alli­anz. Für die­se mili­tä­ri­sche Wort­wahl und sei­nen offi­zi­el­len Besuch des Yas­uku­ni-Schreins sorg­te er wie­der­holt für Kontroversen.

Auch mit 100 Jah­ren aktiv

Zu sei­nem 100-jäh­ri­gen Geburts­tag schrieb Naka­so­ne, dass er glück­lich sei, gemein­sam mit dem japa­ni­schen Volk nach dem Krieg auf­ge­stan­den zu sein und den Wie­der­auf­bau des Lan­des voll­bracht zu haben. Tat­säch­lich war Naka­so­ne stets nahe an der japa­ni­schen Geschich­te dran. Als er 1918 gebo­ren wur­de, war der Ers­te Welt­krieg gera­de zu Ende. Im Zwei­ten Welt­krieg war er Offi­zier in der japa­ni­schen Mari­ne. Nach der Kapi­tu­la­ti­on stieg er schliess­lich in die Poli­tik ein. Ab den 1950ern besetz­te er mehr­fach Minis­ter­pos­ten. Nach sei­ner Zeit als Pre­mier blieb Naka­so­ne bis 2003 Abge­ord­ne­ter im Par­la­ment. Er war damals schon 85 Jah­re alt. Sei­nen Ein­fluss übt er bis heu­te aus, ins­be­son­de­re wenn es um die Reform der Ver­fas­sung geht. Er sei noch immer bei guter Gesund­heit, lese jeden Tag die Zei­tung und gehe noch in sein Büro, heisst es. 

Naka­so­ne ist erst der zwei­te japa­ni­sche Pre­mier, der die Schwel­le von 100 Jah­ren erreicht hat, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Vor ihm wur­de Prinz Naru­hi­ko Higa­shi­ku­ni, der unmit­tel­bar nach dem Zwei­ten Welt­krieg wäh­rend knapp zwei Mona­ten amte­te, 102 Jah­re alt.