Foto: flickr / Haji­me NAKA­NOEine Bären­sich­tung in Hokkaido.

Ris­hiri ist eine klei­ne Insel im hohen Nor­den von Hok­kai­do. Wak­ka­nai, die nörd­lichs­te Stadt Japans, ist rund 20 Kilo­me­ter von die­sem Natur­pa­ra­dies ent­fernt, das rund 5000 Ein­woh­ner zählt. Die Fische­rei und der Tou­ris­mus sind die Haupt­ein­nah­me­quel­len. Und seit eini­gen Tagen sorgt die­ser abge­le­ge­ne Ort für Schlag­zei­len. Denn am 30. Mai wur­den an der Küs­te der Insel Fuss­spu­ren eines Bären ent­deckt, wie die Asahi Shim­bun berich­te­te. Spä­ter stiess man in einem Wald­stück auf des­sen Kot, was die Ver­mu­tung bestä­tig­te: Zum ers­ten Mal seit 106 Jah­ren hält sich auf Ris­hiri wie­der ein Braun­bär auf. 

Damals wie heu­te hat es die­ses Tier geschafft, von der Küs­te Hok­kai­dos auf die klei­ne Insel zu schwim­men. Anhand der Fuss­spu­ren, die eine Län­ge von 25 Zen­ti­me­ter auf­wie­sen, ver­mu­te­tet man, dass das Tier rund 6 bis 7 Jah­re alt ist. Weil kurz dar­auf ein Lauf­wett­be­werb mit über 560 Teil­neh­mern statt­fand, bekam die Ent­de­ckung lan­des­weit eine erhöh­te Auf­merk­sam­keit. Vie­le Läu­fer tru­gen eigens eine Bären­glo­cke oder eine Pfei­fe mit sich, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Zu einer unvor­her­ge­se­he­nen Begeg­nung mit eine Läu­fer kam es jedoch nicht. Die Insel­ge­mein­schaft bleibt in erhöh­ter Alarm­be­reit­schaft. 1912 gelang es Jägern auf der Insel, das Tier nach eini­gen Tagen ein­zu­fan­gen. Es gibt sogar noch ein Foto aus die­ser Zeit. Der dama­li­ge Braun­bär hat­te eine Kör­per­län­ge von 2,4 Metern und ein Gewicht von über 300 Kilo. 

Bären in Japan

Bären sind in Japan sind nichts Unge­wöhn­li­ches. Einst leb­ten sie auf allen vier Haupt­in­seln. Heu­te sind die asia­ti­schen Schwarz­bä­ren (Kra­gen­bär) vor­nehm­lich in der Alpen­re­gi­on und im Nor­den von Hons­hu in grös­se­rer Zahl zu fin­den. Auf der Nord­in­sel Hok­kai­do lebt der­weil der Braun­bär, der aus­ge­wach­sen meh­re­re hun­dert Kilo schwer wird. Es wird grob geschätzt, dass rund 10’000 Braun­bä­ren in Hok­kai­do leben. 

Immer wie­der kommt es zu unge­woll­ten Begeg­nun­gen. Bei Nah­rungs­man­gel drin­gen die Bären teil­wei­se bis in Wohn­ge­bie­te vor. Die Ent­völ­ke­rung der länd­li­chen Gegen­den hat zu einer Häu­fung sol­cher Fäl­le bei­ge­tra­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). 2017 kam es [gemäss dem japa­ni­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­um zu ins­ge­samt 12’812 gemel­de­ten Sich­tun­gen und 100 Angrif­fen, bei denen 108 Men­schen ver­letzt wur­den, 2 Men­schen star­ben. Am meis­ten Zwi­schen­fäl­le gibt es regel­mä­sig in den nörd­li­chen Prä­fek­tu­ren Aom­ori, Iwa­te und Aki­ta. In Hok­kai­do waren es 2017 ledig­lich 4 Vor­fäl­le, wobei 1 töd­lich endete. 

Regeln

Um das Risi­ko eines Bären­an­griffs zu mini­mie­ren, gibt es ein paar Regeln zu beach­ten. Gera­de in den Abend- und Nacht­stun­den wird von einem Auf­ent­halt in Wald­ge­bie­ten, wo Bären leben, abge­ra­ten. Beob­ach­tet man Spu­ren von Bären, gilt es, sich mög­lichst aus der Gegend zurück­zu­zie­hen. Mit einem Geräusch, wie bei­spiels­wei­se mit einem Glöck­chen, Gesprä­chen oder Gesang, mar­kiert man Prä­senz und hält die Tie­re auf Distanz. 

Kommt es den­noch zu einer Begeg­nung mit einem Bären, soll­te man jeg­li­che Auf­re­gung ver­mei­den, damit das Tier nicht in Panik gerät. Viel­mehr wird einem emp­foh­len, sich ruhig und lang­sam, ohne dem Tier den Rücken zuzu­wen­den, zurück­zu­zie­hen. Es hilft auch, das Gepäck lie­gen zu las­sen, um den Bären abzulenken.