Foto: Net­flixDer täg­li­che Genuss: Eine Sze­ne aus «Samu­rai Gourmet».

«Jiro Dreams of Sushi» von Fil­me­ma­cher David Gelb hat das Essen zu einem klas­si­schen Kon­zert gemacht und den Koch zum gefei­er­ten Diri­gen­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Mit der Net­flix-Serie «Chef‘s Table» hat David Gelb die­se Mach­art als Pro­du­zent erfolg­reich insti­tu­tio­na­li­siert. Doch es geht auch anders, wie die japa­ni­sche Net­flix-Serie «Samu­rai Gour­met» auf wun­der­ba­re Wei­se zeigt. 

Die­se Pro­duk­ti­on, die auf dem Man­ga Nobu­shi no Gour­met basiert, fei­ert das Essen als ulti­ma­ti­ve Freu­de des All­tags. Hier steht nicht der cha­ris­ma­ti­sche Star­koch, son­dern der Gast im Zen­trum. Prot­ago­nist ist der Neu-Rent­ner Take­shi Kasu­mi, gespielt von Nao­to Taken­a­ka, der Epi­so­de für Epi­so­de auf kuli­na­ri­sche Ent­de­ckungs­rei­se in Japan geht. Klei­ne Restau­rants, Cafés aus einer ande­ren Zeit, Iza­ka­ya-Knei­pen oder auch ein typi­sches japa­ni­sches Bed-and-Bre­ak­fast (jp. Mins­hu­ku) ist sei­ne kuli­na­ri­sche Welt.

Essen als Erinnerung

Eine Scha­le Reis, ein gril­lier­ter Fisch, ein küh­les Bier, Yaki­ni­ku-BBQ, Yaki­to­ri oder Oden-Ein­topf: Lie­be­voll beschreibt er sei­ne Freu­de an den Spei­sen, mögen sie noch so all­täg­lich sein. Sie ste­hen im Zen­trum jeder Epi­so­de. Denn Essen ist auch immer Erin­ne­rung. Wie die Musik ver­bin­det er das Kuli­na­ri­sche mit Sze­nen aus sei­nem Leben. «Samu­rai Gour­met» erschafft die­ses nost­al­gi­sche Gefühl in Per­fek­ti­on, mit kur­zen Rück­bli­cken in Kasu­mis Jugend und Arbeitsleben. 

Für die Japa­ner zählt aber nicht nur das Essen, son­dern auch die Umge­bung. Dazu gehö­ren das Inte­ri­eur und allen vor­an die Besit­zer und Gäs­te: sie sind sym­pa­thisch, gestresst, eigen­wil­lig, manch­mal aber auch abge­lenkt, rüpel­haft oder laut. Genau die­se Ele­men­te machen «Samu­rai Gour­met» zu einem genia­len Ein­blick in die viel­fäl­ti­ge All­tags­kü­che Japans. Die Serie ver­mit­telt so auf genia­le Wei­se das Lebens­ge­fühl einer Nati­on, ganz ohne Pomp und Guide-Michelin-Sterne. 

Der ein­sa­me Gourmet

Der Autor der Serie ist in Japan kein Unbe­kann­ter. Masayu­ki Kusu­mi hat bereits «Kodo­ku no Guru­me» (dt. «Der Gour­met») zwi­schen 1994 und 1996 als Man­ga her­aus­ge­bracht. TV Tokyo mach­te 2012 dar­aus eine erfolg­rei­che Fern­seh­ad­ap­ti­on. Bereits wur­den sie­ben Staf­feln pro­du­ziert. Auch in die­ser Serie geht es um den täg­li­chen Genuss, jedoch aus der Per­spek­ti­ve eines geschäf­ti­gen Sala­ry­man mitt­le­ren Alters. 

«Samu­rai Gour­met» (Ori­gi­nal­ti­tel: «Nobu­shi no Guru­me») ver­fass­te Masayu­ki Kusu­mi zunächst als Essay, der zur Vor­la­ge für Shi­ge­ru Tsu­chiy­a­mas gleich­na­mi­gen Man­ga wur­de. Net­flix zeich­ne­te sich 2017 für die fil­mi­sche Umset­zung in 12 Epi­so­den ver­ant­wort­lich. Japan ver­mit­telt mit die­sen krea­ti­ven For­ma­ten, zu denen auch die Net­flix-Serie «Mid­ni­ght Diner» gehört, ihre ganz eige­ne Sicht auf die schöns­te Sache im All­tag. Wer die See­le der Japa­ner bes­ser ver­ste­hen will, dem emp­feh­le ich, unbe­dingt die­se Serie zu Gemü­te zu führen.