Flin­ke Hän­de am Touch­screen, ab 0:21

Ich mag mich noch gut erin­nern, als ich bei mei­nem ers­ten Japan-Auf­ent­halt 1995 eine Fahr­kar­te aus­ge­stellt bekam. Der Schal­ter­an­ge­stell­te bedien­te hier­zu ein Touch-Panel, das zusätz­lich mit Tas­ten bestückt war. Ein Moni­tor mit schwar­zem Dis­play zeig­te ihm alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen an. Die Sze­ne hielt ich sogleich auf mei­ner Hi8-Kame­ra fest:

Bild: Asi­en­spie­gelSo wur­de mei­ne Fahr­kar­te 1995 ausgestellt.

Bei die­sem Com­pu­ter han­del­te es sich um das Modell L, das damals einen gros­sen tech­ni­schen Fort­schritt dar­stell­te. Denn der Vor­gän­ger, das Modell M, war noch ein über­di­men­sio­nier­tes Gerät mit einem klei­nen mono­chro­men Bild­schirm, unzäh­li­gen Tas­ten und einem kom­ple­xen Loch­sys­tem, mit dem der Schal­ter­an­ge­stell­te Reser­va­tio­nen erstel­len und Fahr­kar­ten dru­cken konnte. 

Ein M-Modell von 1993.

Heu­te fin­det man in den Bahn­hö­fen ele­gan­te Touch­screen-Bild­schir­me vor. Geüb­te Bahn­an­ge­stell­te bedie­nen die­se Gerä­te in einer Geschwin­dig­keit, bei der das nor­ma­le Auge gar nicht nach­kommt (sie­he Video oben). Das allein ist schon eine Sehenswürdigkeit.

JR setzt seit 1959 auf Computer

Hin­ter all die­sen Gerä­ten steckt das welt­weit ältes­te com­pu­te­ri­sier­te Fahr­kar­ten­sys­tem mit dem Namen MARS (Mul­ti Access seat Reser­va­ti­on Sys­tem), das von allen JR-Bahn­be­trei­bern genutzt wird. 1959 wur­de die ers­te Gene­ra­ti­on in Betrieb genom­men. Es war qua­si Japans ers­tes Inter­net. MARS1 ermög­lich­te eine koor­di­nier­te Online-Bear­bei­tung von 4000 Sitz­platz-Reser­va­tio­nen pro Tag. 1964, als Japans ers­te Shink­an­sen-Stre­cke zwi­schen Tokio und Osa­ka eröff­net wur­de, konn­ten bereits über 100‘000 Sitz­plät­ze über das ein­heit­li­che Com­pu­ter­sys­tem reser­viert werden. 

1974 war schon die fünf­te MARS-Gene­ra­ti­on im Ein­satz. 1650 Bahn­schal­ter-Com­pu­ter waren damals mit dem Sys­tem ver­bun­den. Täg­lich wur­den damit 1 Mil­li­on Sitz­platz­re­ser­va­tio­nen getä­tigt. Seit 2004 läuft die neu­es­te Gene­ra­ti­on, MARS501. Die Ser­ver, die in einem hoch­ge­si­cher­ten Gebäu­de in Tokio lagern, müs­sen im Zeit­al­ter der Digi­ta­li­sie­rung gigan­ti­sche Rechen­leis­tun­gen voll­brin­gen, damit es zu kei­nen Stö­run­gen im kom­ple­xen japa­ni­schen Bahn­sys­tem kommt. Heu­te wer­den täg­lich über 1,8 Mil­lio­nen Fahr­kar­ten ver­kauft. Pro Sekun­de kann das Sys­tem 250 Anfra­gen bear­bei­ten und inner­halb von 6 Sekun­den eine Fahr­kar­te ausstellen.