Foto: flickr / Ken OHY­A­MADie Lob­by des Hotel Oku­ra im Jahr 2015.

Das von Yoshiro Tani­gu­chi ent­wor­fe­ne Hotel Oku­ra war ein archi­tek­to­ni­sches Wahr­zei­chen von Tokio, wo die Mäch­ti­gen und die Stars die­ser Welt über­nach­te­ten. 1962 wur­de das Haupt­ge­bäu­de mit 408 Zim­mern eröff­net. Archi­tek­tur-Lieb­ha­ber lob­ten es als ein Meis­ter­werk des japa­ni­schen Moder­nis­mus. Das Herz­stück des Hotels war die Lob­by: Eine hohe Decke, hän­gen­de Hexa­go­nal-Lam­pen, sei­de­ne Tape­ten mit vier­blätt­ri­gen Blu­men­mo­ti­ven, Sho­ji-Papier­fens­ter mit Holz­ver­git­te­run­gen, ein karier­ter Tep­pich, ele­gan­te ste­hen­de Papier­lam­pen, eine Welt­kar­te mit einer digi­ta­len Uhr sowie Stüh­le und Sit­ze, die in der Form einer Pflau­men­blü­te ange­ord­net waren. Klas­si­sche japa­ni­sche Ele­men­te wur­den mit moder­nem Design kom­bi­niert. Sim­pli­zi­tät und Ele­ganz zeich­ne­ten das Oku­ra aus (hier eine schö­ne Foto­stre­cke von Foto­graf Ken Ohyama).

Fünf­zig Jah­re blieb die Lob­by fast unver­än­dert, bis zum end­gül­ti­gen Abschied. 2015 wur­de das Haupt­ge­bäu­de, die­se Iko­ne der 1960er-Jah­re, abge­ris­sen. Dafür gab es viel Kri­tik. Die Hotel­füh­rung begrün­de­te den Schritt mit der not­wen­di­gen Erneue­rung und Moder­ni­sie­rung. Der in die Jah­re gekom­me­ne Bau erfüll­te aus­ser­dem nicht mehr die Vor­ga­ben für die Erd­be­ben­si­cher­heit. Das Beben von 2011 wur­de als Warn­zei­chen ver­stan­den. Was blieb war der 1973 eröff­ne­te eben­so ein­drück­li­che Süd­flü­gel des Hotels, wo der Betrieb bis heu­te wei­ter­ge­führt wird. Nun gibt es aber eine gute Nach­richt: Der Neu­bau des Hotels wird zahl­rei­che Ele­men­te des alten Haupt­ge­bäu­des beinhal­ten, dar­un­ter auch eine Repro­duk­ti­on der unver­kenn­ba­ren Lobby. 

Die Renais­sance im Neuen

Am Ent­ste­hen sind der­zeit zwei neue moder­ne Hoch­häu­ser: Der klei­ne­re 75 Meter hohe Oku­ra Heri­ta­ge Wing und der 188 Meter hohe Oku­ra Pres­ti­ge Tower. Zusam­men wer­den die bei­den neu­en Gebäu­de 508 Zim­mer anbie­ten. Im grös­se­ren Hotel­bau wird die neue alte Lob­by ent­ste­hen, mit zahl­rei­chen Ori­gi­na­len. Ver­lo­re­ne deko­ra­ti­ve Ele­men­te wer­de man ori­gi­nal­ge­treu repro­du­zie­ren, heisst es. Für das Design ver­ant­wort­lich ist Archi­tekt Yoshiro Tani­gu­chi, der Sohn von Yoshio Tani­gu­chi. Und so wird das Alte im Neu­en eine Renais­sance erle­ben: Auch das ist eine Eigen­heit Japans. 

Zum neu­en Kom­plex wird wei­ter­hin auch das 1917 eröff­ne­te Oku­ra Muse­um of Art gehö­ren, das über 2500 Kunst­wer­ke mit zahl­rei­chen Kul­tur­schät­zen behei­ma­tet. Das Kunst­mu­se­um wur­de wegen der Neu­bau­ten bereits 2014 geschlos­sen. Die Eröff­nung des neu­en Oku­ra Tokyo wird im Sep­tem­ber 2019 sein (hier eini­ge visu­el­le Ein­drü­cke).

Foto: flickr / na0905Die alte Lob­by des Hotel Okura.