Foto: Depo​sit​pho​tos​.comIn Shi­bu­ya, Tokio.

Frau Watana­be: Die­ser Fami­li­en­na­me wird in der aus­län­di­schen Finanz­pres­se ger­ne als Per­so­ni­fi­zie­rung der spe­ku­lie­ren­den japa­ni­schen Mit­tel­klas­se-Haus­frau ver­wen­det. Es waren die anhal­tend nied­ri­gen Zins­sät­zen, die sie dazu beweg­ten, auf den inter­na­tio­na­len Devi­sen­märk­ten mit­zu­mi­schen. Dabei muss man wis­sen, dass in Japan tra­di­tio­nell die Ehe­frau das Fami­li­en­bud­get ver­wal­tet (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zum ers­ten Mal las man von die­sem Phä­no­men im März 1997 im bri­ti­schen Maga­zin The Eco­no­mist. «Mrs. Watana­be, mind your Fin­gers», lau­te­te damals die Schlag­zei­le. Seit­her ist «Frau Watana­be» in den inter­na­tio­na­len Medi­en ein gän­gi­ger Begriff geblieben. 

Wie­so man aus­ge­rech­net die­sen Namen aus­ge­wählt hat? Watana­be mag für west­li­che Ohren typisch japa­nisch klin­gen. Es han­delt sich zudem um einen der häu­figs­ten Fami­li­en­na­men im Insel­staat. Streng genom­men müss­te es aber «Frau Satō» (佐藤) heis­sen. Denn die­ser Fami­li­en­na­men belegt seit eini­gen Jah­ren den ers­ten Platz, so auch in der aktu­el­len Stu­die des Ver­si­che­rungs­kon­zern Mei­ji Yas­u­da. Dem­nach tra­gen knapp 2 Mil­lio­nen die­sen Fami­li­en­na­men. Es fol­gen Suzu­ki 鈴木, Taka­ha­shi 高橋, Tan­a­ka 田中, Watana­be 渡辺, Itō 伊藤, Naka­mu­ra 中村, Koba­ya­shi 小林, Yama­mo­to 山本 und Katō 加藤. 

Je nach Regi­on kann es aber bei der Spit­zen­plat­zie­rung Unter­schie­de geben. Im Gross­raum Tokio ist bei­spiels­wei­se Suzu­ki häu­fi­ger als Satō, der wie­der­um in Hok­kai­do und im Nord­os­ten des Lan­des stark prä­sent ist. Im der Regi­on Osa­ka-Kyo­to steht der­weil Tan­a­ka an ers­ter Stel­le. Im Süd­wes­ten des Lan­des ist es wie­der­um Yama­mo­to. Auf Oki­na­wa ste­hen ganz ande­re Fami­li­en­na­me an vor­ders­ter Stel­le. Es sind dies Higa 比嘉, Kane­s­hiro 金城 oder Ōshiro 大城. Die aller­meis­ten Namen bestehen aus zwei Schrift­zei­chen. Es gibt auch Namen mit nur einem (1. Rang: Haya­shi 林), drei (Sasa­ki 佐々木) oder sogar vier Kan­ji (Tes­hi­ga­wa­ra 勅使河原). 

Fami­li­en­na­men

Bis zum Ende der Edo-Zeit 1868 tru­gen übri­gens nur der Adel und die Krie­ger­klas­se Fami­li­en­na­men. Ab 1875 muss­te sich schliess­lich jeder Japa­ner mit einem Fami­li­en­na­men regis­trie­ren. Vie­le hat­ten schon lan­ge inof­fi­zi­ell einen Namen, ande­re muss­ten einen erfin­den. Eine wei­te­re Eigen­art ist die Viel­falt. So soll es rund 100‘000 ver­schie­de­ne japa­ni­sche Fami­li­en­na­men geben. Zum Ver­gleich: In Chi­na sind schät­zungs­wei­se 3000 in Anwen­dung. In Korea etwas mehr als 280.