Foto: hiro1775 / Depo​sit​pho​tos​.comTokio berei­tet sich auf die Spie­le 2020 vor.

Nach die­sem Rekord­som­mer (Asi­en­spie­gel berich­te­te) scheint sich abzu­zeich­nen, dass die Som­mer­spie­le 2020 in Tokio zu einer extrem heis­sen Ange­le­gen­heit wer­den. Regel­mäs­si­ge Tem­pe­ra­tu­ren von über 35 Grad wäre für Ath­le­ten wie auch für Zuschau­er eine enor­me kör­per­li­che Belas­tung. Aus die­sem Grund hat man bereits ent­schie­den, den Start der Mara­thon­läu­fe auf 7 Uhr am Mor­gen anzu­set­zen, um der ganz gros­sen Hit­ze zumin­dest ein wenig ent­ge­hen zu kön­nen. Schat­ten­spen­der, Sprüh­ne­bel und ein spe­zi­el­ler Ober­flä­chen­be­lag wer­den wei­te­re Kühl­hil­fen sein (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Den­noch bleibt die Sor­ge gross, dass all die­se Mass­nah­men nicht aus­rei­chen werden. 

Yoshirō Mori, Vor­sit­zen­der des OK für die Olym­pi­schen Spie­le 2020 und ehe­ma­li­ger Pre­mier, hat daher der Regie­rung einen viel weit­rei­chen­den Vor­schlag unter­be­rei­tet, wie die Nik­kei Shim­bun berich­tet. Er for­dert die Ein­füh­rung der Som­mer­zeit für 2020. Die Zeit soll in den heis­sen Mona­ten um 1 oder sogar 2 Stun­den vor­ge­stellt wer­den. Wenn also der Mara­thon um 7 Uhr am Mor­gen anfängt, wäre es nach eigent­li­cher japa­ni­scher Zeit erst 6 Uhr. Für die Ath­le­ten wie auch für die Zuschau­er könn­te sich der Mor­gen so tem­pe­ra­tur­mäs­sig wesent­lich ange­neh­mer gestal­ten. Zugleich wür­de die Mass­nah­me erlau­ben, die Strom­kos­ten zu drosseln. 

Kabi­netts­se­kre­tär Yoshihi­de Suga bezeich­net die Som­mer­zeit als einen mög­li­chen Vor­schlag, um der Som­mer­hit­ze zumin­dest teil­wei­se zu ent­ge­gen. Er betont zugleich, dass eine sol­che Mass­nah­me einen weit­rei­chen­den Ein­fluss auf das täg­li­che Leben der Bevöl­ke­rung hätte. 

Ein Land ohne Sommerzeit

Für die Wirt­schaft wäre eine sol­che Umstel­lung der­weil mit viel Zusatz­kos­ten ver­bun­den. Als tem­po­rä­re Mass­nah­men für 2020 wür­de es daher wenig Sinn machen. So sieht es auch Mori. Er deu­tet an, dass er die Ein­füh­rung der Som­mer­zeit als per­ma­nen­ten Ent­scheid betrach­ten wür­de, als «blei­ben­des Ver­mächt­nis der Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2020», wie er sagt. 

Japan kennt die­ Som­mer­zeit ledig­lich aus längst ver­gan­ge­nen Tagen. Zwi­schen 1948 und 1951, also kurz nach dem Zwei­ten Welt­krieg, erleb­te der Insel­staat eine kur­ze Peri­ode, in der es eine Som­mer­zeit gab. Die Bevöl­ke­rung beklag­te sich über Schlaf­be­schwer­den und län­ge­re Arbeits­zei­ten. Daher wur­de die Mass­nah­me wie­der abge­schafft. Eine mög­li­che Wie­der­ein­füh­rung wird seit den 1990ern immer wie­der dis­ku­tiert (Asi­en­spie­gel berich­te­te), zuletzt nach der Drei­fach­ka­ta­stro­phe von 2011. Der Wider­stand aus der Poli­tik oder der Büro­kra­tie war jedoch stets zu gross. Die glo­ba­le Erwär­mung und die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le könn­ten dies nun ändern.