Foto: Depo​sit​pho​tos​.comSchü­ler in Tokio.

Am Anfang stand die Idee eines Ortes in Tokio, in dem nur Eng­lisch gespro­chen wird. Das war 2014 (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die­se Visi­on hat die Tokio­ter Lokal­re­gie­rung nun umge­setzt, wie die Tokyo Shim­bun berich­tet. Am 6. Sep­tem­ber eröff­net das Tokyo Glo­bal Gate­way (TGG) sei­ne Tore. 900 Mil­lio­nen Yen wur­den in die­ses Pro­jekt inves­tiert. Es ist ein Lern­zen­trum, in dem aus­schliess­lich Eng­lisch gespro­chen wird. Es gibt Restau­rants und Nach­bil­dun­gen einer Flug­zeug­ka­bi­ne, einer Apo­the­ke und ande­rer Orte des All­tags, um mög­lichst rea­le Situa­tio­nen simu­lie­ren zukön­nen (sie­he Video unten). Für die japa­ni­schen Besu­cher ist es die Gele­gen­heit, eng­li­sche Kon­ver­sa­tio­nen mit Mut­ter­sprach­lern zu praktizieren. 

So ist Eng­lisch nicht die Stär­ke der Japa­ner. Seit Jah­ren schnei­den die japa­ni­schen Schü­ler bei Eng­lisch­prü­fun­gen wie dem TOEFL schlecht ab. Län­der wie Chi­na, Süd­ko­rea oder selbst Nord­ko­rea las­sen den Insel­staat regel­mäs­sig hin­ter sich (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Seit Jah­ren wird kri­ti­siert, dass das japa­ni­sche Schul­sys­tem sich zu stark auf den geschrie­be­nen und gram­ma­ti­ka­li­schen Teil der Spra­che fokus­siert, wäh­rend die münd­li­chen Fähig­kei­ten viel zu wenig geför­dert würden. 

Ent­spre­chend gut kommt das Tokyo Glo­bal Gate­way-Pro­jekt an. Bis Ende Jahr sind alle Kur­se aus­ge­bucht. Bereits haben sich 370 Schu­len ange­mel­det. TGG steht haupt­säch­lich Schü­lern offen. Aber auch pri­va­te Kun­den sind willkommen. 

Auf einer Insel in der Bucht von Tokio

Das Lern­zen­trum befin­det sich gleich bei Odai­ba auf einer der auf­ge­schüt­te­ten Inseln im Bezirk Koto in der Bucht von Tokio. Und so wirkt die­ses Eng­lisch-Dorf wie eine Anspie­lung an eine ganz ande­re Epo­che. In der Edo-Zeit (1603 bis 1868), als sich Japan vom Rest der Welt iso­lier­te, erschuf die dama­li­ge Regie­rung in der Bucht von Naga­sa­ki eine künst­li­che Insel mit dem Namen Deji­ma, wo die Nie­der­län­der als ein­zi­ge Euro­pä­er Han­del mit Japan betrei­ben durften.

Deji­ma wur­de so zu einem ein­zig­ar­ti­gen Ort des Aus­tauschs für Han­del mit dem Wes­ten. Zahl­rei­che Japa­ner lern­ten hier auch die hol­län­di­sche Spra­che. Sie wur­den zu Dol­met­schern und Über­set­zern unzäh­li­ger wis­sen­schaft­li­cher Bücher aus den Nie­der­lan­den. Ihre Akti­vi­tä­ten brach­ten die «Hol­län­di­schen Stu­di­en» (jp. rang­aku) her­vor (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Hier ler­nen Tokios Schü­ler Englisch.