Foto: Depo​sit​pho​tos​.comBetrun­ke­ne Pas­sa­gie­re gehö­ren in Tokio zum Alltag.

Tokio gehört zu den sau­bers­ten Städ­ten der Welt. Die Stras­sen und die Bahn­hö­fe der Metro­po­le sind her­aus­ge­putzt und selbst die Ent­fer­nung eines Gross­teils der öffent­li­chen Müll­ei­mer nach dem Saringas-Anschlag von 1995 hat die Stadt nicht dre­cki­ger gemacht (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Selbst das World Eco­no­mic Forum hat sich mit die­sem japa­ni­schen Sau­ber­keits­phä­no­men beschäf­tigt. Dem­nach haben die Ein­füh­rung strik­ter Recy­cling-Geset­ze in den 1990er wie auch die Sit­te, wäh­rend des Gehens nicht zu essen, mass­geb­lich dazu bei­ge­tra­gen. Das «Zero Waste»-Dorf Kami­katsu in Shi­ko­ku hat es sogar inter­na­tio­nal zu Berühmt­heit gebracht. 

Für jedes Abfall­pro­blem scheint es in Japan eine sofor­ti­ge Ent­sor­gungs­me­tho­de zu geben, mag man mei­nen. Eine Sor­te «Müll» hat aber auch die Putz­ver­ant­wort­li­chen in Japan vor ein Pro­blem gestellt: Das Erbro­che­ne betrun­ke­ner Pas­san­ten. Und davon gibt es nicht wenig. Laut Bahn­be­trei­ber JR East müs­sen sich allei­ne im Tokio­ter Bahn­hof Shina­ga­wa durch­schnitt­lich 20 Mal pro Tag Pas­sa­gie­re über­ge­ben. Frei­tags steigt die­se Zahl jeweils auf über 50, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Im Bahn­hof Shin-Oku­bo wur­den schon mal 100 sol­che Fäl­le gezählt. 

Was bleibt ist viel Dreck, Gestank und für die Putz­teams die undank­ba­re Auf­ga­be, sau­ber zu machen. Nun hat eine Tocher­ge­sell­schaft von JR East eine Lösung ent­wi­ckelt. Es ist ein Staub­sauger der eigens dafür geschaf­fen wur­de, Erbro­che­nes hygie­nisch kor­rekt auf­zu­sau­gen und in einem ein­ge­bau­ten Plas­tik­beu­tel zu ent­sor­gen. Die­ser neu­ar­ti­ge Staub­sauger soll künf­tig in allen Bahn­hö­fen ein­ge­setzt und auch an Restau­rants und Flug­hä­fen ver­kauft wer­den. Somit scheint Tokio ein wei­te­res Müll­pro­blem auf sei­ne Art gelöst zu haben. 

Trin­ken und Alkoholintoleranz

Dass sich so vie­le Men­schen in den Bahn­hö­fen über­ge­ben müs­sen hat einer­seits mit der Geschäfts­kul­tur zu tun. In Japan gehört es zum guten Ton, regel­mäs­sig mit Arbeits­kol­le­gen gemein­sam trin­ken zu gehen. Ande­rer­seits ver­trägt rund ein Drit­tel der Japa­ner kei­nen Alko­hol (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bei ihnen sind die Enzy­me, die hel­fen den Alko­hol abzu­bau­en, inak­tiv oder schlicht­weg zu wenig vor­han­den. Gesichts­rö­tun­gen, Schwel­lun­gen, Herz­ra­sen, ein sofor­ti­ger Rausch oder eben Übel­keit sind typi­sche Sym­pto­me die­ser Intoleranz.