8 Jah­re nach dem Tsu­na­mi: Eine rote Linie gegen das Vergessen

Acht Jah­re ist es her, als am 11. März 2011 ein gewal­ti­ges Erd­be­ben vor der Nord­ost­küs­te Japans einen ver­hee­ren­den Tsu­na­mi aus­lös­te. Es folg­te der Unfall im AKW Fuku­shi­ma 1. Inzwi­schen haben vie­le Japa­ner, die nicht direkt von der Kata­stro­phe betrof­fen waren, jenen ver­hee­ren­den Tag ver­ges­sen, oder ganz ein­fach aus ihrem All­tag verdrängt.

August 2020 – Die­ser Blog kann ohne die Unter­stüt­zung der Leser nicht über­le­ben. Mit einem frei­wil­li­gen Abo tra­gen Sie dazu bei, dass die­ses täg­li­che Stück Japan auch nach 11 Jah­ren wei­ter­exis­tiert – unab­hän­gig, kos­ten­los und frei von Goog­­le-Wer­bun­­gen. Herz­li­chen Dank! Ich blei­be täg­lich dran, bis die­se Kri­se über­stan­den ist und dar­über hinaus.

Genau an die­sem Punkt setzt Yahoo Japan all­jähr­lich an, indem es den 11. März 2011 zurück in den All­tag bringt. Zum Geden­ken an die Kata­stro­phe hat der Inter­net­kon­zern an der Fas­sa­de eines Hoch­hau­ses beim berühm­tem Scram­ble Crossing im Tokio­ter Vier­tel Shi­bu­ya (Asi­en­spie­gel berich­te­te) ein rie­si­ges Pla­kat ange­bracht. Es ist eine ein­dring­li­che Bot­schaft gegen das Ver­ges­sen. Eine dicke rote Linie mit den Wor­ten «Genau auf die­ser Höhe» mar­kiert dabei die Höhe von 16,7 Metern über dem Boden. Denn so hoch war die Wel­le, als sie am 11. März 2011 auf die Stadt Ofu­n­a­to in der Prä­fek­tur Iwa­te auf­schlug. «Exakt auf die­ser Höhe wäre der Tsu­na­mi gewe­sen, hät­te sich die Natur­ka­ta­stro­phe in Shi­bu­ya ereig­net», heisst es auf dem Plakat. 

Schon vor zwei Jah­ren liess Yahoo Japan am ehe­ma­li­gen Sony-Hoch­haus im Tokio­ter Vier­tel Gin­za ein ähn­li­ches Pla­kat mit einer dicken roten Linie auf der Höhe von 16,7 Metern anbrin­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Im ver­gan­ge­nen Jahr publi­zier­te das Unter­neh­men zudem einen berüh­ren­den Kurz­film über den 11. März 2011 (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der Tag, der alles veränderte

Die Auf­räum- und Rück­bau­ar­bei­ten im zer­stö­ren Atom­kraft­werk wer­den das Land noch über Jahr­zehn­te hin­aus beschäf­ti­gen. Noch blei­ben vie­le Pro­ble­me unge­löst. Ver­ges­sen geht in der glo­ba­len Bericht­erstat­tung zu oft das Schick­sal der Ein­woh­ner von Fuku­shi­ma, Miya­gi und Iwa­te. In die­sen drei Prä­fek­tu­ren hin­ter­liess der Tsu­na­mi die gröss­ten Schä­den. Zwar wur­den in den letz­ten Jah­ren viel Wie­der­auf­bau­ar­beit geleis­tet, Wohn­quar­tie­re höher gelegt, Tau­sen­de neue Häu­ser gebaut und Schutz­mau­ern an den Küs­ten errich­tet. Doch doch bis heu­te ist die Kata­stro­phe für vie­le Men­schen nicht über­wun­den, wie allei­ne die aktu­el­len Zah­len der Wie­der­auf­bau­be­hör­de zeigen: 

  • Ins­ge­samt 22’131 Men­schen star­ben beim Tsu­na­mi oder an des­sen Fol­gen. 15’897 star­ben sofort, 2533 gel­ten bis heu­te offi­zi­ell als ver­misst. 3701 Todes­fäl­le ste­hen in Zusam­men­hang mit der Tsunami-Katastrophe. 

  • Kurz nach der Kata­stro­phe wur­den 470’000 Men­schen eva­ku­iert. Heu­te gel­ten offi­zi­ell noch knapp 52’000 als Eva­ku­ier­te. 3100 davon leben noch immer in pro­vi­so­ri­schen Fer­tig­bau­ten. Der Rest lebt aufs gan­ze Land ver­teilt in Miet­woh­nun­gen oder in Häu­sern von Ver­wand­ten oder Freun­den. Sie alle haben noch kei­ne per­ma­nen­te Lösung gefunden. 

  • In den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren ist die Ein­woh­ner­zahl der Prä­fek­tu­ren Fuku­s­hi­mya, Miya­gi und Iwa­te um 300’000 zurückgegangen. 

  • In mitt­ler­wei­le 10 Gemein­den rund um das hava­rier­te Atom­kraft­werk wur­de die Eva­ku­ie­rung teil­wei­se auf­ge­ho­ben. In einem klei­nen Gebiet von Oku­ma, wo das AKW steht, will man sogar ab April die Rück­kehr ermög­li­chen. Tat­sa­che bleibt jedoch, dass im Gross­teil der Dör­fer Oku­ma, Futa­ba und Namie die Sperr­zo­nen noch über min­des­tens zwei Jahr­zehn­te hin­aus bestehen blei­ben wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te).
Im Shop
An alle Leser
Freiwilliges Abo

An alle Leser

Mit einem frei­wil­li­gen Abo sichern Sie die Zukunft die­ses unab­hän­gi­gen Blogs.

MEHR ERFAHREN

Jan in Japan – 60 Orte
Buch

Jan in Japan – 60 Orte

60 Orte abseits von Tokio und Kyo­to: Eine Rei­se durch den viel­fäl­ti­gen Inselstaat.

BUCH KAUFEN

In Japan - Der praktische Reiseführer
Buch

In Japan – Der prak­ti­sche Reiseführer

Der Best­sel­ler von Jan Knü­sel in der neu­en 6. Auf­la­ge / Edi­ti­on 2020.

BUCH KAUFEN

Shinsen
Sato
Shizuku
Kabuki
Gustav Gehrig
Negishi
Schuler Auktionen
Yu-an
Butcher
Bimi
Edomae
Japan Wireless
Aero Telegraph
Nooch
Asia Society
Depositphotos 1b
Prime Travel
Kokoro
Kalligrafie
Japan Rail Pass
Kabuki_2
Keto-Shop
Depositphotos 2
Depositphotos 1