Ver­folg­te Geishas

Foto: File­dI­MAGE / Shut​ter​stock​.comTou­ris­ten und Foto­gra­fen ver­su­chen, eine Gei­ko zu fotografieren.

In Tokio und im Rest der Welt nennt man sie Gei­sha, in Kyo­to spricht man von Gei­ko. Und wenn sie noch in der Aus­bil­dung sind, nennt man sie in der alten Kai­ser­stadt Mai­ko. Ihre weis­se Schmin­ke, der hoch­ge­steck­te Haar­kno­ten und der ele­gan­te Kimo­no sind ihre Mar­ken­zei­chen. Sie sind Unter­hal­tungs­künst­le­rin­nen für die Schicht der Ver­mö­gen­den aus Wirt­schaft und Poli­tik. Der Tanz, die Musik, die Tee­ze­re­mo­nie und die Kon­ver­sa­ti­on beherr­schen sie in Voll­endung. Dafür ist ein jah­re­lan­ges Trai­ning not­wen­dig. Aktiv sind sie haupt­säch­lich in den Tee­häu­sern («ocha­ya») des Vier­tels Gion in Kyo­to, wo noch rund 2000 aktiv sind. 

Kei­ne ande­rer Beruf ist so sagen­um­wo­ben und geheim­nis­um­wit­tert. Die Gei­sha ist eine kul­tur­his­to­ri­sche Insti­tu­ti­on mit inter­na­tio­na­ler Aus­strah­lung. Kei­ne ande­re Per­son beflü­gelt die Fan­ta­sie der Aus­län­der der­art stark. Es ver­wun­dert daher nicht, dass täg­lich Tau­sen­de von Tou­ris­ten Gion auf­su­chen, in der Hoff­nung einer Gei­ko oder Mai­ko zu begeg­nen und womög­lich noch ein Foto zu schies­sen. Die­se Fas­zi­na­ti­on ist ver­ständ­lich, doch hat sie inzwi­schen gro­tes­ke Züge ange­nom­men, wie ein Bericht des japa­ni­schen Mor­gen­fern­se­hens zeigt (sie­he Tweet unten). Dar­in ist zu sehen, wie die Tou­ris­ten für das ulti­ma­ti­ve Foto regel­recht Jagd nach den Gei­shas machen und dabei jeg­li­chen Anstand ver­lie­ren. Eine Tou­ris­mus­ver­ant­wort­li­che der Stadt hat die­sen Fern­seh­bei­trag auf Twit­ter hoch­ge­la­den. Sie macht für die­sen Zustand haupt­säch­lich die Per­so­nen und Unter­neh­men dafür ver­ant­wort­lich, die soge­nann­te «Gei­sha Spotting»-Touren anbie­ten. Es sei in die­ser Hin­sicht mehr Rück­sicht gefor­dert. Die Gei­kos sei­en kei­ne öffent­li­chen Besichtigungsobjekte. 

Das Pro­blem ist nicht neu. Bereits 2016 hat das Vier­tel Tafeln auf­stel­len las­sen, die die Besu­cher ummiss­ver­ständ­lich zu bes­se­rem Beneh­men auf­for­dern (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Anhand ein­fach ver­ständ­li­cher Illus­tra­tio­nen wer­den den Tou­ris­ten fünf Ver­bo­te erklärt: «nicht her­um­sit­zen», «nicht rau­chen», «kei­ne Sel­­fie-Sticks ver­wen­den», «nicht essen» und «nichts weg­wer­fen» – und «kei­ne Gei­sha anfas­sen» (sie­he Foto unten). Letz­te­res Sym­bol nimmt sogleich auch die ers­te und pro­mi­nen­tes­te Stel­le auf der Ver­bots­ta­fel ein. Die Wir­kung der Tafel hält sich aber offen­sicht­lich in Grenzen. 

Der Tag des offi­zi­el­len Geisha-Spottings

Dabei gäbe es durch­aus die Mög­lich­keit, Gei­shas in Gion ganz offi­zi­ell auf der Stras­se zu bewun­dern. Jeweils an Hass­a­ku, der im August den Beginn der Ern­te­zeit mar­kiert, sieht man die Gei­kos und Mai­kos in for­mel­len Klei­dern gemein­sam von Tee­haus zu Tee­haus zie­hen, um dem Besit­zern ihren Dank aus­zu­spre­chen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). An die­sen Tagen wer­den Foto­gra­fen und Tou­ris­ten gedul­det. Aus siche­rer Distanz haben sie jeweils die Gele­gen­heit, die­sen ele­gan­te Auf­tritt der Gei­kos foto­gra­fisch festzuhalten.

Foto: Asi­en­spie­gel«Gei­sha anfas­sen ver­bo­ten»: Eine Ver­bots­ta­fel in Gion.
Foto: Depo​sit​pho​tos​.comTou­ris­ten erbli­cken eine Gei­ko und eine Mai­ko in Kyoto.
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